Diagnose: Beobachten, fragen, testen

Eine Diagnose „Legasthenie“ kann erst gestellt werden, wenn Lese- und Rechtschreibfähigkeiten getestet werden können. Lehrer und Eltern sollten fachlichen Rat einholen, wenn ein Kind noch am Ende der ersten Klasse

  • Anfangslaute vorgesprochener Worte nicht erkennt, ähnliche Laute (d-t, b-p) und ähnliche Buchstaben (h-k, r-n, b-d) verwechselt,
  • Reime nicht erkennt, Laute nicht zu Silben zusammenziehen und Silben nicht bestimmen kann,
  • langsam und fehlerhaft liest, Buchstaben und Wörter vertauscht, ungenau betont, Zeilen im Text verliert und den Inhalt des Gelesenen nicht versteht,
  • viele Fehler bei Diktaten, Aufsätzen und beim Abschreiben macht, Buchstaben verdreht oder auslässt, dasselbe Wort immer wieder unterschiedlich falsch schreibt,
  • keine Lust aufs Lesen hat, sich sehr anstrengt beim Lesen, müde wird und Kopfschmerzen bekommt.

Spätestens gegen Ende des zweiten Schuljahrs sollte eine genaue Diag­nostik erfolgen. Dazu gehören ein standardisierter Lese- und Rechtschreibtest sowie ein Intelligenztest durch einen Psychologen.

Die Angaben von Lehrern und Eltern über Leistung und Verhalten des Kindes in der Schule und zu Hause sind ebenfalls wichtig: Mit welchen Gefühlen besucht das Kind die Schule, ist es motiviert zu lernen?

Auch die Lebensverhältnisse sollten im Rahmen der Diagnostik erfragt werden, zum Beispiel wie die Kinder bei Hausaufgaben unterstützt werden. Es muss ausgeschlossen werden, dass es sich nicht nur um Schwierigkeiten etwa aufgrund von Fehlzeiten in der Schule oder familiären Problemen handelt.

Falls noch nicht erfolgt, müssen auch Hör- und Sehvermögen der Kinder durch spezialisierte Ärzte getestet werden.

Ein Kinder- und Jugendpsychiater sollte neben den neurologischen Untersuchungen zur Hör- und Sehwahrnehmung auch klären, ob bereits Schulängste oder Depressionen die Kinderseele plagen.

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