Lebensversicherungsfonds Meldung

Fonds mit gebrauchten Lebensversicherungen versprechen Renditen bis 14 Prozent pro Jahr. Doch das Risiko ist hoch.

Aufgekommen ist der Handel mit Lebensversicherungen Anfang der neun­­ziger Jahre in den USA, als Aidskranke ihre Policen verkauften. Sie wollten das Geld niemandem hinterlassen, sondern ausgeben. Hätten sie die Verträge gekündigt, wäre ihnen wegen der hohen Stornoabzüge jedoch nicht viel davon übrig geblieben.

Die Käufer der Policen zahlten ihnen mehr als ihre Versicherungsgesellschaft, quasi als Vorauszahlung auf die Todesfallsumme. Sie zahlten auch die Beiträge weiter und bekamen das Geld, wenn die Kranken starben. Manche finden das makaber, andere sprechen von einer so genannten Win-Win-Situation, weil von dem Geschäft beide profitieren.

Die deutsche Form der Kapitallebensversicherung ist in den USA fast unbekannt. Die Amerikaner schließen Risikolebensversicherungen ab, auf Lebenszeit oder bis zum Alter von 100 Jahren. Geld gibt es nur, wenn sie sterben.

Privatanleger können sich über Fonds am Zweitmarkt für Versicherungen beteiligen. In Deutschland aufgelegte Fonds kaufen in der Regel keine Policen von unheilbar Kranken. Sie bevorzugen die Policen älterer Amerikaner, das so genannte „life settlement“. Mit diesen Papieren im Fonds streben sie Renditen zwischen 8 und 14 Prozent pro Jahr an.

Anlagen ab 5000 Dollar möglich

Der Markt boomt. Nach Angaben des Bundesverbandes Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen (BVZL) sind knapp 1,5 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) in solche Beteiligungsmodelle investiert. Das Volumen eines Fonds liegt im Schnitt um die 100 Millionen Dollar. Die Fonds kaufen durchschnittlich 150 bis 250 Policen. Zirka ein Fünftel des Fondsvermögens dient als Liquiditätsreserve für die laufenden Versicherungsbeiträge.

Die Mindesteinlage pro Anleger liegt zwischen 5 000 und 50 000 Dollar, das sind zurzeit 4 200 bis 42 000 Euro. Ist genug Geld für die geplante Investition da, wird der Fonds geschlossen. Der Anbieter verkauft keine neuen Anteile an diesem Fonds mehr und das Geld der Anleger ist bis zum Ende der Laufzeit – oft zehn Jahre – gebunden.

Seinen zweiten Fonds platziert zurzeit das Emissionshaus HPC Capital (www.hpc-capital.de). Die Rendite des US Life 2 soll 12,95 Prozent pro Jahr betragen. Ebenfalls mit einem zweiten Fonds am Markt ist die Firma interlife (www.interlife-management.de).

BAC (www.berlinatlantic.de) bietet seinen ersten Fonds an. Die Unternehmensgruppe BVT (www.bvt.de) hat bereits zwei Fonds platziert, ein dritter ist in Planung. Für die ersten beiden Fonds prognostizierte BVT eine Rendite zwischen 12 und 14 Prozent. Weitere Anbieter sind Firmen wie HSC (www.hsc-fonds.de) und HVBFF (www.hvbff.de).

Die Anleger der geschlossenen Fonds werden Teilhaber an einer Kommanditgesellschaft (KG) oder einer GmbH & Co. KG. Als so genannte Kommanditisten stehen sie für unternehmerische Risiken in Höhe ihrer Einlage gerade.

Doch es lockt die hohe Rendite: Gewinne aus Fonds mit US-Policen sind nahezu steuerfrei – noch. Es gibt Gerüchte, dass die Finanzverwaltung die Fonds nicht länger als „vermögensverwaltend“, sondern als „gewerbetreibend“ einstufen möchte. Dann müssten die Anleger ihre Einkünfte versteuern.

Die Suche nach Verträgen

Soll ein neuer Fonds aufgelegt werden, sammelt der Initiator Geld ein und kümmert sich um geeignete Verträge, die er in den USA bei den so genannten Settlementgesellschaften nachfragt. Sie bieten den deutschen Fonds die Policen an, wickeln das Geschäft ab und verwalten die Policen bis zur Fälligkeit.

Wie viel sie für eine Police bezahlen, rechnen die Fondsinitiatoren aus. BVT Life Bond und HPC arbeiten mit dem Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (ifa), Ulm, zusammen. „Der Preis hängt von der Lebenserwartung ab“, sagt Tobias Dillmann vom ifa. Mit Sicherheit voraussagen lässt es sich nicht, wie lange der Versicherte noch lebt. Entscheidend dafür ist außer dem Alter auch sein Gesundheitszustand.

Eine Prognose erstellen die von der Settlementgesellschaft beauftragten unabhängigen medizinischen Gutachter. Stirbt der Versicherte früher, steigt die Rendite. Lebt er länger, muss der Fonds nicht nur auf die Auszahlung der Versicherungssumme warten, sondern auch die Beiträge weiterbezahlen. Das kann teuer werden. Ein Fonds sollte Wert auf fähige Gutachter legen und die Policen so mischen, dass verschiedene Gesundheitsrisiken zugrunde liegen.

Noten für die Fonds

Ob ein Fonds erfolgreich ist, hängt von vielen Faktoren ab. „Das A und O ist die Qualität der Partner, mit denen die Emissionshäuser in den USA zusammenarbeiten“, sagt Martin Witt, Geschäftsführer der neuen Rating­agentur Scope Group, Berlin. Scope bewertet geschlossene Fonds. Von den Fonds, die zurzeit gezeichnet werden können, hat bislang nur das Angebot „Life Trust One“ von BAC eine Note bekommen: ein „B+“. Scope schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass die Renditeprognosen von BAC zutreffen, als „sehr hoch“ ein, in Zahlen: zwischen 75 und 80 Prozent.

Hohe Kosten statt Rendite

Beteiligt am Fonds sind außer dem Management, den Finanzmathematikern und den amerikanischen Partnern auch Wirtschaftsprüfer, Treuhänder und oft auch Berater – die alle bezahlt werden wollen. Das geht ins Geld.

„Ungefähr die Hälfte aller geplanten Erträge fließt in anfängliche und laufende Kosten“, sagt Stefan Loipfinger, Experte für geschlossene Fonds und Herausgeber des Branchendienstes Fondstelegramm. Außerdem bringt die Liquiditätsreserve nur wenig Zinsen.

Entsprechend mehr muss aus dem Geschäft mit den Policen herausspringen. „Damit der Anleger überhaupt eine zweistellige Rendite bekommen kann, müssen die Policen 20 bis 25 Prozent einbringen“, hat Stefan Loipfinger ausgerechnet. „Eine äußerst optimistische Rechnung“, sagt er. Sollten die Fonds künftig zudem besteuert werden, blieben von 12 Prozent pro Jahr schätzungsweise 7 übrig. „Dafür ist das Risiko zu groß“, kritisiert Loipfinger.

Dass das Geschäft schief gehen kann, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Durch die medizinischen Fortschritte lebten Aidskranke länger. Auch Betrugsfälle gab es: gefälschte medizinische Gutachten, nach denen die Versicherten binnen kurzer Zeit sterben sollten, was sie nicht taten. Die Käufer mussten die Verträge weiter bedienen ­ – oder sie mit Verlust kündigen.

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