Keine Phantasiezahlen für Überschüsse

Die Leistung einer Kapital bildenden Lebensversicherung besteht immer aus einem garantierten Teil, den der Kunde auf jeden Fall erhält, und einem variablen, der sich aus den Überschüssen speist.

Wenn alles gut läuft, macht diese Überschussbeteiligung sogar mehr als die Hälfte der Auszahlung aus. Zum größten Teil entstehen Überschüsse aus Zinsgewinnen, zu einem kleineren aus Kosten- und Risikogewinnen. Zinsgewinne machen die Versicherer, wenn sie für das Geld ihrer Kunden am Kapitalmarkt mehr als die 3,25 Prozent erhalten, die sie ihnen auf den Sparanteil garantieren. Kostengewinne fallen an, weil Versicherungsgesellschaften ihre Verwaltungskosten meistens erst einmal zu hoch ansetzen. Sind sie später niedriger, werden die Überschüsse den einzelnen Kunden gutgeschrieben. Ein weiterer Teil der Überschussbeteiligung sind Risikogewinne. Bei der Kapitallebensversicherung entstehen Risikogewinne, wenn die Versicherten länger leben als kalkuliert. Die Gesellschaften müssen dann weniger Todesfallleistungen auszahlen. Bei der privaten Rentenversicherung fallen sie an, wenn die Lebenserwartung sinkt. Denn dann müssen die Unternehmen weniger Renten auszahlen als kalkuliert.

Die Darstellung der geschätzten künftigen Überschüsse im Werbematerial der Lebensversicherer war bisher oft irreführend. Jetzt hat das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen (BAV) in Bonn verbindliche Kriterien für die Kundenwerbung aufgestellt (eine Auswahl):

- Begriffe, die eine nicht vorhandene Sicherheit suggerieren, wie zum Beispiel "Hochrechnung", sind zu vermeiden. Verwendet werden sollen Begriffe wie "Zukunftsrechnung" oder "Modellrechnung".

- Garantierte Leistungen sind im Vergleich zu möglichen Leistungen aus Überschüssen drucktechnisch hervorzuheben (das kann zum Beispiel durch Fettdruck erfolgen).

- Die in Zukunftsrechnungen verwendeten Zahlenangaben müssen mit größter Sorgfalt so realitätsnah wie möglich und unternehmensindividuell ermittelt werden. Zu berücksichtigen ist einerseits, ob ein Unternehmen zahlen kann, andererseits aber auch, ob es dazu bereit wäre.

- Um künftige Kunden nicht irrezuführen, muss ein Versicherer in aller Deutlichkeit darauf hinweisen, dass die Darstellung der künftigen Überschussbeteiligung hypothetisch ist.

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