Lebens­versicherungen Meldung

Die Lebens­versicherer leiden unter den anhaltend nied­rigen Zinsen sicherer Staats­anleihen: Einige haben Schwierig­keiten, die Leistungen zu erwirt­schaften, die sie ihren Kunden garan­tiertet haben. Kunden, die schon seit vielen Jahren Beiträge in eine Kapital­lebens­versicherung oder eine private Renten­versicherung einzahlen, sollten sich dennoch nicht verunsichern lassen. Der Neuabschluss einer Kapital­lebens­versicherung ist allerdings nicht mehr attraktiv.

Finanz­ministerium sorgt sich um Lebens­versicherer

Das Bundes­finanz­ministerium schließt nicht aus, dass „einzelne Unternehmen künftig in Schwierig­keiten geraten können“, weil sie die Zinsen für die Verträge ihrer Kunden und die gesetzlich vorgeschriebenen Zins­reserven nicht mehr erwirt­schaften könnten. Dies geht aus den Aufzeichnungen des Bundes­finanz­ministeriums über eine Sitzung von Vertretern des Ministeriums und Finanz­experten der Bundes­tags­fraktionen hervor, die test.de vorliegen.

Für Altkunden sind 4 Prozent Zins garan­tiert

Die Versicherer müssen beispiels­weise Kunden, die zwischen Anfang 1994 und Mitte 2000 eine Kapital­lebens­versicherung abge­schlossen haben, einen Garan­tierzins von 4 Prozent auf den Sparbeitrag zahlen – also auf den Teil des Beitrags, der nach Abzug von Abschluss-, Verwaltungs- und Risiko­kosten zum Sparen übrig bleibt. Für Kunden, die bis Ende 2003 einen Vertrag abge­schlossen haben, sind es immerhin noch 3,25 Prozent. Der bei Vertrags­schluss gültige Garan­tiezins gilt für die gesamte Vertrags­lauf­zeit. Das Problem der Versicherer: Diese Verzinsung, die durch eine garan­tiere Über­schuss­beteiligung noch steigt, ist derzeit auf dem Kapitalmarkt mit sicheren Anlagen kaum noch zu erwirt­schaften. Seit 2004 ist der Garan­tiezins aber immer weiter zurück­gegangen: Garantiezins: Raus aus der Lebensversicherung?. Derzeit liegt er für Neuverträge bei 1,75 Prozent.

Große Unterschiede beim Anla­geerfolg

Versicherer sind gesetzlich verpflichtet, das Geld der Kunden über­wiegend fest­verzins­lich anzu­legen, beispiels­weise in Staats­anleihen Bundeswertpapiere, Pfandbriefe, Unternehmensanleihen: Anleihen im Test. Mehr als 80 Prozent der Kundengelder haben die Versicherer so konservativ angelegt. Aus den Tests von Lebens- und Renten­versicherungen wissen die Experten von Finanztest aber, dass es trotz der engen Anlage­vorschriften große Unterschiede beim Anla­geerfolg der Versicherer für ihre Kunden gibt. So hat Finanztest beispiels­weise im jüngsten Test Riester-Rentenversicherungen in diesem Prüf­punkt Noten zwischen gut und mangelhaft vergeben. Kunden, die bei einem guten Anbieter einen Vertrag geschlossen haben, können sich also über eine höhere Rente freuen.

Protektor schützt Kunden von Pleite-Unternehmen

Alle Lebens­versicherungs­gesell­schaften müssen regel­mäßig in einen gemein­samen Sicherungs­fonds einzahlen. So hat es der Gesetz­geber im Jahr 2004 bestimmt. Der Sicherungs­fonds Protektor soll Kunden vor der Pleite ihres Lebens­versicherers schützen: Lebensversicherungen: Letzte Rettung. Kann der Versicherer nicht mehr zahlen, springt der Sicherungs­fonds ein. Hundert­prozentig geschützt sind die Ansprüche der Versicherten aber nicht: Der Fonds kann die Leistungen an den Kunden um bis zu 5 Prozent der garan­tierten Versicherungs­summe oder der garan­tierten Rente herab­setzen.

Nicht zum Vertrags­ausstieg über­reden lassen

Eine Kapital­lebens­versicherung oder eine Renten­versicherung ist nur etwas für Kunden mit langem Atem. Ein vorzeitiger Ausstieg ist teuer. Storno­gebühren und die hohen Abschluss­kosten, die bei einer vorzeitigen Vertrags­kündigung richtig ins Kontor schlagen, kosten viel Geld. Zwar hat der Bundes­gerichts­hof in jüngster Zeit hier für ein biss­chen mehr Kundenfreundlich­keit gesorgt: Lebensversicherungen: BGH: Mehr Geld für die Kunden. Doch Kunden, deren Vertrag schon seit Jahren oder Jahr­zehnten läuft, sollten sich nicht zu einer Kündigung über­reden lassen. In einigen Fällen lohnt es sich aufgrund der sehr geringen Rendite aber nicht mehr, die Kapital­lebens­versicherung fort­zuführen.

Tipp: Es kommt auf genaues Nach­rechnen an. Dabei hilft der kostenlose Rechner von test.de, mit dem Sie die Rest­lauf­zeitrendite ihres Vertrags berechnen können. Um den Rechner sinn­voll zu nutzen, benötigen sie den aktuelle Rück­kaufs­wert und die Ablauf­leistung Ihres Vertrags. Beides finden Sie in der Mitteilung, die die Versicherungs­gesell­schaft jedes Jahr verschickt. Das Ergebnis zeigt, ob es mehr bringt, den Vertrag beitrags­frei zu stellen oder zu kündigen und das Geld anders anzu­legen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 60 Nutzer finden das hilfreich.