Lebensversicherung verkaufen Meldung

Kunden, die ihre Lebensversicherung verkaufen wollen, sollten die Angebote genau prüfen. Es gibt Anbieter, die den Steuervorteil kassieren. Andere kündigen den Vertrag, zahlen aber nur einen Teil des Kaufpreises auf einen Schlag aus. Oder sie halten den Kunden hin.

Verkauf für den Kunden oft steuerfrei

Kunden, die ihre Lebensversicherung verkaufen wollen, müssen in vielen Fällen keine Steuern zahlen. Entscheidend dafür, ob beim Verkauf Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag fällig wird, ist das Datum des Vertragsschlusses:

  • Vertragsbeginn vor dem Jahr 2005. Hier sind die Erträge beim Verkauf steuerfrei, wenn der Vertrag eine Mindestlaufzeit von zwölf Jahren hatte, und wenn der Kunde mindestens fünf Jahre Beiträge gezahlt hat. Für Verträge, die ab dem 31. März 1996 geschlossen wurden, gilt außerdem, dass ein Todesfallschutz in Höhe von mindestens 60 Prozent der Beitragssumme vereinbart worden sein muss. Sind diese Vorgaben nicht erfüllt, muss der Kunde die Differenz zwischen Kaufpreis und den insgesamt gezahlten Beiträgen versteuern.
  • Vertragsbeginn ab dem Jahr 2005. Hier zahlt der Verkäufer beim Verkauf Abgeltungssteuer. Der zu versteuernde Veräußerungsgewinn ist der Unterschiedsbetrag zwischen dem Kaufpreis und den gezahlten Beiträgen. Übersteigt die Beitragssumme den Kaufpreis fallen keine Steuern an.

Aufkäufer müssen immer Steuern zahlen

Dagegen müssen die Firmen, die Policen kaufen, den Kauf immer beim Finanzamt abrechnen – egal wie lange die Versicherung schon gelaufen ist. Kündigt der Käufer die Police, zieht die Versicherungsgesellschaft vom Rückkaufswert gleich die Kapitalertragssteuer und den Solidaritätszuschlag ab und zahlt dieses Geld ans Finanzamt. In den Vertragsbedingungen der Käufer, die die Police gleich nach dem Kauf kündigen und das Geld neu investieren, findet sich zwar ein Hinweis auf die Steuer. Weil der Kunde das Kleingedruckte aber häufig nicht ließt, ist ihm oft nicht bewusst, dass sie vom Kaufpreis abgezogen wird. So heißt es in den Bedingungen der Firma Proconcept AG, die unter den Namen LV-Doktor und AnkaufPlus Policen kauft, der Kaufpreis richte sich nach dem Netto-Betrag, den die Versicherungsgesellschaft auszahlt, „nach Abzug von Steuern, Abgaben und Gebühren“. Auch den Kunden, die ihre Lebensversicherung schon vor 2005 abgeschlossen haben und die auch die anderen Voraussetzungen für eine Steuerfreiheit erfüllen, wird demnach die Steuer abgezogen. Und dies „obwohl sie erst durch den Verkauf entsteht und dem Käufer durch Verrechnung mit der Körperschaftsteuer komplett erstattet wird“, kritisiert der Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen (BVZL).

Kunden entgeht Steuererstattung

Die Erstattung kassiert also nicht der Kunde, sondern die Firma, die seine Police gekauft hat. Auch in den Vertragsbedingungen von anderen Firmen wie S&K Real Estate Value steht der Hinweis auf die Steuer im Kleingedruckten Lebensversicherung verkaufen: Vorsicht vor dubiosen Firmen. Die Frankfurter Firma teilte an Anfrage von test.de mit, dass sie seit Ende 2010 keine Lebensversicherungen mehr kauft. Besucher ihrer Internetseite werden jedoch weitergeleitet zur Firma Asset Trust AG. Sie wurde just Ende 2010, zwei Tage vor Heiligabend, gegründet, hat die gleiche Postanschrift und Telefonnummer wie die S&K - und kauft Lebensversicherungen. Das Geld aus den gekündigten Policen fließt „zur Kapitalanlage direkt an die S&K Unternehmensgruppe“, erläutert S&K auf ihrer Website.

Vorsicht bei Ratenzahlung und hohen Gebühren

Wie S&K Real Estate Value zahlt auch Asset Trust den Kaufpreis in Raten. So bekam unser Tester von Asset Trust ein Angebot, bei dem die Firma etwas mehr als die Hälfte des Rückkaufswerts auf einen Schlag nach Abschluss des Kaufvertrages zahlt. Der verbleibende Rest soll verzinst und erst nach zehn Jahren ausgezahlt werden. Insgesamt bekäme unser Tester dann nach zehn Jahren insgesamt 33 Prozent mehr als der Rückkaufswert, den er bei einer Kündigung vom Versicherer erhalten hätte. Allerdings ist das Risiko enorm. Das Geld, das der Kunde in zehn Jahren bekommen soll, gilt als „nachrangige Forderung“. Bei einer Krise des Unternehmens oder der Insolvenz werden erst die anderen Gläubiger bedient, erst danach die „Nachrangforderungen“ - falls dann noch Geld da ist. „Es gibt also eine erhöhte Gefahr des Forderungsausfalls bis hin zum Totalverlust“, erläutert Asset Trust. Außerdem muss der Kunde beim Verkauf seiner Police an Asset Trust saftige „Bearbeitungsgebühren“ zahlen. Bei unserem Tester waren es mehr als 600 Euro.

„Schnell“ Geld für einen hohen Preis

Auch die Firma Firma Pacta Invest GmbH kassiert hohe Beträge vom Rückkaufswert, den der Kunde vom Versicher bekäme, wenn er seinen Vertrag selbst kündigte. Liegt der Rückkaufswert bei mindestens 10 000 Euro, zieht das Unternehmen 5,5 Prozent ab. Liegt der Rückkaufswert zwischen 1 000 Euro und 9 999 Euro, werden 7,5 Prozent vom Rückkaufswert abgezogen, mindestens jedoch 295 Euro. Die Police für weniger als den Rückkaufswert verscherbeln - wer macht so etwas? Die Werbung von Pacta Invest zielt auf Kunden, die schnell Geld brauchen. „In 20 Tagen“ habe der Kunde sein Geld, verspricht die Firma in der Werbung. Diese Frist findest sich jedoch nicht in den Vertragsbedingungen. Darauf kommt es an, nicht auf die Werbung. Und für den Kunden ist ein Verkauf seiner Police zu einem geringeren Preis als den Rückkaufswert ein Verlustgeschäft.

Prozessfinanzierung mit Risiko

Eine „Kündigungsgebühr“ von 87,50 Euro verlangt die im Schweizer Steuerparadies Zug ansässige Firma Proconcept AG. Die Firma sagt den Kunden zu, beim Versicherer eine höhere Auszahlung als den Rückkaufswert herauszuholen. Die Versicherer hätten gegen europäisches Recht verstoßen, weil die Kunden erst nach Vertragsschluss die Bedingungen einsehen konnten. Um bei den Versicherern mehr Geld herauszuholen, klagt Proconcept vor Gericht. Bisher mit mäßigem Erfolg. Nach eigenen Angaben hat Proconcept bisher 215 Verfahren verloren und nur 22 gewonnen. Im Erfolgsfall soll der Kunde je nach Vertrag mit 25 Prozent oder mit 50 Prozent an allen „künftigen Erstattungen“ des Versicherers beteiligt werden. Der andere Teil fiele an Proconcept. Wählt der Kunde eine 50-prozentige Beteiligung, muss er zusätzlich zur „Kündigungsgebühr“ noch einmal 300 Euro Kostenbeteiligung an Proconcept zahlen. Ob der Versicherer jedoch überhaupt „Erstattungen“ über den Rückkaufswert hinaus leisten muss, ist ungewiss. Die Kunden sind ihre Policen in jedem Fall los.

[Update: 11.04.2012] Die Firma Proconcept will nicht nur einen höheren Rückkaufswert beim Versicherer herausholen. Sie versucht darüber hinaus – nach eigenen Angaben notfalls auf dem Klageweg – „weitere Zahlungen zu erwirken“. Dabei hat das Unternehmen bis jetzt nicht nur 22 Verfahren gewonnen, sondern in weiteren 36 Verfahren einen Vergleich erzielt. Derzeit sind nach Angaben von Proconcept 33 Verfahren beim Bundesgerichtshof anhängig. Dort soll geklärt werden, ob die Versicherer „Erstattungen“ über den Rückkaufswert hinaus leisten müssen. [Ende Update]

Langes Warten auf den Rückkaufswert

Manche warten schon seit Monaten auf Geld, obwohl ihnen Prokonzept den Rückkaufswert „sofort“ und darüber hinaus „bis zu 20 Prozent“ mehr „durch professionelle Kündigung“ versprochen hat. Wenn Kunden nachfragen, werden sie mit Hinweis auf die „langwierigen“ Gerichtsprozesse vertröstet. Entsprechende E-Mails liegen test.de vor. Diese Kunden, die wenigstens mit der schnellen Kündigung ihres Vertrages und der schnellen Auszahlung des Rückkaufswerts durch Proconcept gerechnet haben, hängen nun in der Luft. Sie haben ihre Versicherung zwar an Proconcept verkauft, aber noch keinen Cent erhalten. Die Proconcept-Werbung „Für Sie ist das Ganze absolut risikofrei“ muss ihnen wie Hohn erscheinen.

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