Lebensversicherungen haben ihren Ruf als zwar lang­­weilige, dafür aber solide Geldanlage nicht zuletzt durch ­erfolglose Aktienanlagen der Unternehmen eingebüßt. Ab 1. Januar 2004 sinkt für Neuverträge auch noch der Garantiezins auf einen historischen Tiefstand von 2,75 Prozent.

Der Bundesrat könnte die Sache aufhalten, doch damit rechnet eigentlich keiner. So wird der Garantiezins in der Lebensversicherung aller Voraussicht nach zum 1. Januar 2004 von jetzt 3,25 Prozent auf 2,75 Prozent gesenkt. Nie war er so tief.

Der korrekte Name für diesen festen Zins ist „Höchstzinssatz“. Aus dem Wort geht hervor, was gemeint ist: Diesen Zins dürfen Lebensversicherer maximal ansetzen, wenn sie ihren Kunden vorrechnen, welche Leistung ihnen mindestens zusteht.

Der Zinssatz wird vom Bundesfinanzministerium festgesetzt. Er orientiert sich an der durchschnittlichen Rendi­te der Staatsanleihen der vergangenen zehn Jahre. Sinkt die Rendite, muss auch der Garantiezins sinken, weil die Unternehmen nicht mehr zusagen dürfen, als sie halten können.

Maximal heißt, höher darf der Rechnungszins nicht sein, niedriger schon. In der Praxis unterschreitet aber kein Versicherer in Deutschland diesen Zinssatz, wenn er auf Kundenfang geht. Dafür ist die Konkurrenz zu groß.

Garantiezins für den Sparanteil

Die garantierten Leistungen sind auch so schon mickrig genug. Denn die bisherigen 3,25 und dann 2,75 Prozent werden nicht auf den gesamten Versicherungsbeitrag zugesagt, sondern nur auf den so genannten Sparanteil. Das ist der Anteil am Beitrag einer Kapitallebens- oder privaten Rentenversicherung, der am Kapitalmarkt investiert und für Kunden vermehrt werden soll.

Ein Kunde kann nicht beurteilen, wie hoch sein Sparanteil ist, weil die Versicherer so gut wie nie offen legen, wie viel vom Beitrag für Kosten und Versicherungsschutz abgeht.

Nach den dem Finanztest-Modell zugrunde liegenden Annahmen erreicht der Kunde je nach Laufzeit des Vertrags bisher eine garantierte Rendite auf seine eingezahlten Beiträge von 1,3 bis 2,04 Prozent. Nach Absenkung des Garantiezinses wären es nur noch 0,9 bis 1,6 Prozent.

Der niedrigere Zins gilt aber nur für Kunden, die ab 2004 einen Vertrag abschließen. An bestehenden Verträgen dürfen die Unternehmen nicht rütteln. Hier bleibt der Rechnungszins bis Vertragsende auf dem Niveau, auf dem er von Beginn an war. Bei zwischen Mitte 1995 und Mitte 2000 geschlossenen Verträgen sind das sogar 4 Prozent – auf den Sparanteil.

Torschlusspanik vermeiden

Bevor der Garantiezins zum 1. Juli 2000 von 4 auf 3,25 Prozent gesenkt wurde, drängten viele Vermittler Interessenten von Lebensversicherungen zur Unterschrift unter einen Vertrag. Sie sollten sich unbedingt die alten Konditionen sichern, hieß es. Zu erwarten ist, dass im Herbst dieses Jahres eine ähnliche Hektik verbreitet wird.

Davon sollte sich niemand beeindrucken lassen. Sinkt der Garantiezins, heißt das nämlich noch lange nicht, dass der Kunde zum Vertragsende eine geringere Geldsumme oder Rente ausgezahlt bekommt. Denn was eine Lebensversicherung an Rendite bringt, hängt zum großen Teil von der Überschussbeteiligung ab.

Viel wichtiger ist außerdem, ob ein Kunde überhaupt eine Kapital bildende Lebensversicherung benötigt. Schließlich bindet er sich finanziell langfristig. Geldanlage mit Versicherungen empfiehlt sich nur für Sparer, die sicher sind, dass sie die Beiträge über die gesamte Laufzeit hinweg aufbringen können. Bei einem Ausstieg vor dem Vertrags­ende drohen Verluste.

Eine ertragstarke Kapitallebensversicherung kann allenfalls für jemanden eine sinnvolle Ergänzung seiner Altersvorsorge sein, der deren Steuervorteile voll nutzen kann. Die Auszahlung ist steuerfrei, sobald sein Vertrag mindestens zwölf Jahre gelaufen ist. Zudem kann er die Beiträge als Sonderausgaben absetzen. Letzteres nutzt Angestellten aber nicht, weil sie den Höchstbetrag mit ihren Sozialversicherungsbeiträgen bereits ausschöpfen.

Private Rentenversicherungen werden ebenfalls steuerlich gefördert. Wegen ihrer lebenslangen Zahlung sind sie für Sparer empfehlenswert, deren sonstige Altersvorsorge noch nicht für ihre Grundversorgung (Miete, Strom, Telefon, übliche Lebenshaltungskosten) im Alter reichen würde.

Genau hinsehen

In jedem Fall sollten Interessenten einen guten Anbieter suchen. Die Unterschiede bei den Kosten und Erträgen der ­Policen sind in der Branche sehr groß. Viele Lebensversicherer haben ihre Überschussbeteiligung in jüngster Zeit stark gekürzt.

Nach der drohenden Zahlungsunfähigkeit der Mannheimer Lebensversicherung, deren Verträge nun von der neu gegründeten Auffanggesellschaft der Versicherungsbranche, der Protektor AG, übernommen werden müssen, ist klar geworden: Lebensversicherer können sogar baden gehen.

Kunden mit einer Lebensversicherung von der Mannheimer werden ihr Geld nicht verlieren. Doch es wird sich keinesfalls in der gleichen Weise vermehren, wie sie es bei Vertragsbeginn erwartet haben. Schon seit Jahresbeginn 2003 gab es bei diesem Unternehmen nur noch den Garantiezins. Für mehr als das steht künftig auch die Protektor AG nicht ein, sofern sich die Ertragssituation an den Aktienbörsen und bei festverzinslichen Wertpapieren nicht sehr bald radikal verbessert. Ihre Überschussbeteiligung früherer Jahre ist den Kunden der Mannheimer aber sicher.

Beispielrechnung

Die garantierte Leistung allein bleibt Lebensversicherten also nur im schlechtesten Fall. Wir haben am Beispiel von Kapitallebensversicherungen ausgerech­net, wie sich die neuerliche Absenkung des Garantiezinses bei Verträgen mit unterschiedlicher Laufzeit auswirkt. Läuft ein Vertrag 12 Jahre, führt der niedrigere Garantiezins dazu, dass die garantierte Abschlusszahlung um 2,9 Prozent sinkt. Bei einem 30-jährigen Vertrag reduziert sie sich immerhin um 7,1 Prozent.

Auch die Todesfallleistung kann niedriger ausfallen. Die Todesfallsumme der Kapitallebensversicherung entspricht der garantierten Leistung plus der bis zum Tod angefallenen Überschüsse. Vor allem in den ersten Jahren der Vertragslaufzeit wäre diese Summe ab 2004 geringer als vor der Garantiezinssenkung.

Ist die Todesfallabsicherung für den Versicherten beziehungsweise seine Angehörigen wichtig, sollte ein Neukunde an die künftig bei gleichem Beitrag ­geringere Todesfallsumme denken. Er könnte mehr Beitrag zahlen, um sich eine gleich hohe garantierte Leistung zu sichern wie vor der Absenkung.

Günstiger wäre es, er würde die Todesfallabsicherung in seiner Kapitallebensversicherung gleich auf die für die Steuervorteile erforderlichen 60 Prozent der Beitragssumme begrenzen. Um seine Angehörigen finanziell für den Fall seines Todes abzusichern, sollte er besser zusätzlich eine preisgünstige Risikolebensversicherung in ausreichender Höhe abschließen.

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