Bewertungs­reserven: Reform kostet die Kunden viel Geld

Weniger für Kunden. Seit dem 7. August 2014 streichen die Versicherer die Beteiligung der Kunden an den Bewertungs­reserven aus fest­verzins­lichen Wert­papieren – dies sind mehr als 85 Prozent aller Kapital­anlagen. Je nach Vertrag kann das mehrere tausend Euro ausmachen.

Reserven aus Kundengeld. Die Bewertungs­reserven entstehen, wenn der Markt­wert einer Kapital­anlage des Versicherers, die er mit den Beiträgen der Kunden erworben hat, über dem Anschaffungs­preis liegt – wenn also zum Beispiel der Wert seiner Immobilien, Aktien, Staats- und Unter­nehmens­anleihen gestiegen ist. Versicherer müssen ihre Kunden zu 50 Prozent daran beteiligen. Dies geht auf ein Urteil des Bundes­verfassungs­gerichts aus dem Jahr 2005 zurück. Neu ist, dass die Reserven aus fest­verzins­lichen Anlagen seit 7. August 2014 in Nied­rigzins­phasen nicht berück­sichtigt werden.

Geld für die Garan­tien. Wenn ihre „Rück­stel­lungen bei den gegen­wärtig nied­rigen Zinsen nicht ausreichen, um die den verbleibenden Versicherten gegebenen Garan­tiezusagen zu finanzieren“, so die Bundes­regierung, müssen die Versicherer Kunden, deren Leistung ausgezahlt wird, nicht mehr an den Reserven aus fest­verzins­lichen Anlagen beteiligen. Denn die Versicherer müssen in Zeiten nied­riger Zinsen einen „Sicherungs­bedarf“ zurück­stellen. Das schmälert die Beteiligung der Kunden an den Bewertungs­reserven erheblich, wie die Erfahrungen von Finanztest-Lesern zeigen Lebensversicherung.

Viele Verträge betroffen. Die Kürzung der Bewertungs­reserven gilt nicht nur für Kapital­lebens­versicherungen, sondern auch für private Renten­versicherungen, Riester- und Rürup-Renten­versicherungen sowie Direkt­versicherungen und Pensions­kassen­verträge.

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