Lebensversicherung Meldung

Kapitallebensversicherungen werden oft vor Ablauf storniert ­ mit hohem Verlust für die Kunden. Manchmal gibt es eine Alternative.

Viele Menschen wollen oder müssen ihre Kapitallebensversicherung versilbern, bevor der Vertrag abläuft. Meistens sind finanzielle Schwierigkeiten der Grund, weil der Job verloren geht oder die Familie sich vergrößert.

Im Kündigungsfall speisen die Versicherungsgesellschaften ihre Kunden mit dem meist mickrigen Rückkaufswert ab. Oft gibt es nicht einmal die Einzahlungen zurück. Grund sind neben den Stornoabschlägen die hohen Kosten für den Verwaltungsaufwand bei Vertragsabschluss und die Vermittlerprovision. Sie werden zu Beginn des Vertrags von den Einzahlungen des Kunden abgezogen.

Ein im Herbst 1999 in München gegründetes Unternehmen mit Namen cashlife (www.cashlife.de, Tel. 089/28695311) bietet eine Alternative zur Kündigung. Es kauft kündigungswilligen Kunden ihre Verträge zu einem besseren Preis als dem Rückkaufswert ab ­ nach eigenen Angaben für 5 bis 15 Prozent mehr. Für den Verkäufer bleibt das Geschäft steuerfrei, selbst bei Verträgen, die noch keine 12 Jahre laufen.

Cashlife hält die Lebensversicherung dann bis zur Fälligkeit und hofft auf eine attraktive Auszahlung. Steuerfrei sind die Erträge der "Second-Hand-Policen" zwar nicht mehr. Das hat der Gesetzgeber schon 1997 unterbunden. Ein gewerblicher Käufer wie cashlife kann den finanziellen Aufwand für den Kauf einer Lebensversicherung und die laufenden Prämien jedoch steuermindernd geltend machen. "Im Laufe der Jahre könnten sich die später auf die Erträge zu zahlenden Steuern so weitgehend neutralisieren", meint Volker Weiß vom Bundesfinanzministerium. Der Vorgang sei völlig legitim. Gerd A. Bühler, Aufsichtsratschef von cashlife: "Das ist unsere Geschäftsidee."

Cashlife akzeptiert allerdings nur Verträge, die schon mindestens drei Jahre laufen, längstens noch zehn. Der aktuelle Rückkaufswert muss mindestens 30.000 Mark betragen. Außerdem kauft das Unternehmen nur Policen von Gesellschaften, deren Prognosen für die Auszahlung am Vertragsende es für einigermaßen berechtigt hält.

Um festzustellen, wie eine Gesellschaft steht, hat cashlife die rund 130 deutschen Lebensversicherer in vier Kategorien von A bis D eingeteilt. Die Unternehmen, die nach Ansicht der Münchener die stabilsten Gewinnversprechen abgeben, bekommen die A-Note. Für deren Policen zahlen die Münchener am meisten.

Kunden, die eine "D-Versicherung" loswerden wollen, haben dagegen nur wenig Chancen, mit cashlife ins Geschäft zu kommen. Welche Gesellschaft wo steht, verrät die Firma aber nicht. Bühler: "Sonst rücken uns die Anwälte einzelner Versicherer wegen Geschäftsschädigung auf den Leib."

Vertragsübertragung

Derweil stehen die Telefone bei cashlife nicht still. 60 bis 70 Kundenkontakte, so der Aufsichtsratschef, verzeichne man pro Tag. 30 bis 40 Angebote gingen pro Woche heraus. Im laufenden Jahr wollte Bühler Policen im Gegenwert von 30 Millionen Mark aufkaufen. "Sicher ist, dass es mehr werden."

Ein konkretes Angebot erstellt das Unternehmen nur, wenn es einen Vertrag auf Leib und Nieren geprüft hat. Dafür muss der potenzielle Verkäufer eine Auskunftsvollmacht geben, mit der cashlife beim Versicherer nach dem aktuellen Rückkaufswert, ausstehenden Prämienzahlungen, der erwarteten Auszahlung und Zusatzversicherungen fragen kann. Viele Gesellschaften, so Bühler, seien aber wenig kooperativ.

Kommt es später zum Kauf der Police, bleibt der Kunde Versicherter, cashlife erwirbt aber alle Rechte am Vertrag, unter anderem ein unwiderrufliches Bezugsrecht für die Versicherungssumme. Stirbt ein Verkäufer vor dem regulären Vertragsablauf, stockt das Unternehmen den Kaufpreis nachträglich auf die Todesfallleistung auf. Die von cashlife bis dahin gezahlten Prämien zieht das Unternehmen plus Zinsen ab. Die Firma will nicht in den Ruf geraten, am Tod ihrer Kunden zu verdienen.

Kritik vom Verbraucherschützer

Michael Wortberg, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, hält die Methode von cashlife für Schaumschlägerei. "Normalabbrecher können nicht in den Genuss kommen, weil sie ihren Vertrag schon in den ersten ein bis zwei Jahren kündigen, nicht erst nach drei Jahren."

Wer länger durchhalte, sollte zunächst andere Möglichkeiten als Kündigung oder Verkauf prüfen, wenn er in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Wortberg: "Beitragsfreistellung kommt für diejenigen in Frage, die nur ihre Prämien nicht mehr zahlen können. Wer gleich Geld braucht, sollte an ein Policendarlehen denken." Schließlich ist es dann meist profitabler, einen Lebensversicherungsvertrag zu Ende zu führen, als sich endgültig von ihm zu trennen.

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