Garantiezins: Wenig Garantie

Die garantierte Leistung einer Lebens- oder Rentenversicherung ist gering, aber sicher - bisher jedenfalls. Mit Stresstests simuliert die Aufsichtsbehörde Krisen.

Auf eine Überschussbeteiligung können Kunden von Lebensversicherern nur hoffen. Fest rechnen dürfen sie mit den garantierten Leistungen. Doch wer zurzeit eine Lebens- oder Rentenversicherung abschließt, hat nur wenig Rendite sicher.

Bis Mitte 2000 betrug der Garantiezins noch 4 Prozent, sank dann auf 3,25 Prozent. Bei ab 2004 geschlossenen Verträgen liegt er nur noch bei 2,75 Prozent.

Den Garantiezins gibt es zudem nur auf den Sparanteil, der nach Abzug von Kosten und Risikoanteilen vom Beitrag für die Altersvorsorge bleibt. Je nachdem, wie viel dafür draufgeht und wie lange der Vertrag läuft, entsprechen 2,75 Prozent Garantie einer Beitragsrendite zwischen 1 Prozent und gerade mal etwas über 2 Prozent.

Welchen Garantiezins die Unternehmen gewähren dürfen, legt das Bundesfinanzministerium fest. Dass es mit diesem Zins demnächst wieder aufwärts geht, ist nicht zu erwarten. Dazu ist das Zinsniveau insgesamt zu niedrig. Anzeichen für einen Anstieg der Zinsen gibt es nicht.

Die Versicherer dürfen ihren Kunden den je nach Vertragsbeginn geltenden Garantiezins maximal zusagen – darunter- bleiben ist erlaubt. Das macht kaum einer. Die höheren Garantien (Mindestleistungen) älterer Verträge machen einigen Unternehmen aber inzwischen zu schaffen.

Vorsichtige Geldanlage

Vor allem wegen dieses festen Zinses (bei reinen Fondspolicen gilt er nicht) sind Lebensversicherer verpflichtet, mit dem Geld ihrer Kunden vorsichtig umzugehen. Maximal 35 Prozent dürfen sie in risikoreiche Anlagen wie Aktien, Hedgefonds oder private Unternehmensbeteiligungen investieren. Den Rest müssen sie konservativ in Zinsanlagen und Immobilien stecken.

Trotzdem kann das finanzielle Gleichgewicht eines Lebensversicherers ins Wanken geraten. Die Mannheimer Lebensversicherung hat es gezeigt. Deren Pleite wurde 2003 nur verhindert, weil die Verträge auf die kurz vorher gegründete Auffanggesellschaft Protektor übergehen konnten.

Protektor springt ein, wenn es für einen defizitären Lebensversicherer sonst keine Rettung gibt. Die von rund 100 Lebensversicherern getragene Gesellschaft sichert die garantierten Mindestleistungen ab.

Protektor soll die Bestände sanieren und wieder verkaufen. Dann können Kunden wieder auf eine Überschussbeteiligung hoffen. Bei den Policen, die Protektor von der Mannheimer übernommen hat, ist ein Verkauf jedoch gerade gescheitert.

Bisher waren die Unternehmen freiwillig Mitglied bei Protektor. Jetzt müssen Lebens- und Krankenversicherer vom Gesetz her einem Sicherungsfonds beitreten. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft wird diesen Fonds vermutlich bei Protektor ansiedeln.

Schärfere Kontrollen

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) kontrolliert die Versicherer seit einiger Zeit schärfer als bisher, unter anderem mit „Stresstests“. Einmal jährlich informiert das Amt, wie viele Unternehmen aufgrund der Jahresendzahlen nicht bestehen. 2004 waren 12 von rund 120 Versicherern betroffen. Wie viele es 2005 sein werden, wird die Bafin wohl im Mai verkünden.

Kunden müssen jedoch raten, welche Versicherer beim Test durchfallen. Die Bafin darf nämlich nicht sagen, welche es sind. Wer bei einem Versicherer unterschreibt, der wirtschaftlich stabil ist, hat also Glück. Andere bekommen später vielleicht kaum mehr als die garantierte Mindestleistung – von Protektor.

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