Lebensversicherung Meldung

Viele Menschen erlebten in den ­vergangenen Jahren bei Auszahlung ihrer Kapitallebens- oder Rentenversicherung eine unangenehme Überraschung.

Kurt Karl-Heinz Pleyner wollte seine spätere Rente aufbessern. 30 000 Mark investierte er am 1. Dezember 1991 auf einen Schlag in eine Rentenversicherung der Victoria. Sie sollte ihm dafür ab 2003 – in dem Jahr wurde Pleyner 65 – eine monatliche Rente überweisen.

Die Gesellschaft rechnete hoch, dass die Monatsrente inklusive Gewinnanteilen 2003 bei 593 Mark beginnt. Im zweiten Jahr – also 2004 – sollte Pleyner 596 Mark, also rund 305 Euro bekommen.

Doch heute überweist die Victoria dem Ruheständler aus Stuttgart nur 195 Euro im Monat. Die Gewinnanteile in seiner Rente sind im Vergleich zur Beispielrechnung von 1991 um mehr als zwei Drittel geschrumpft. Der alte Herr ist enttäuscht.

Pleyner ist ein Opfer der jüngsten Ertragsschwäche der Lebensversicherungsbranche. Die Victoria ist besonders betroffen. Derzeit schafft das Düsseldorfer Unternehmen nur knapp 3,6 Prozent Gesamtverzinsung im Jahr. Als Pleyner einzahlte, war es vermutlich noch nahezu das Doppelte. Das wirkte sich stark auf die damalige Hochrechnung für seine Rente aus.

Zusätzlich drückt die erneut längere Lebenserwartung der Menschen in Deutschland Pleyners Rente. Bei bereits laufenden Verträgen müssen die Versicherer die statistisch längere Rentenauszahlung durch gekürzte Überschüsse ausgleichen. Die Überschüsse oder Gewinnanteile sind den Kunden im Unterschied zur garantierten Leistung eben nicht sicher.

Pleyner trifft das auch deshalb so stark, weil er für seine Rente eine kaum dynamische Auszahlungsform gewählt hat. Geht es mit den Überschüssen stark abwärts, schlägt das direkt durch. Besser ist eine volldynamische Rente. Sie ist anfangs deutlich niedriger, steigt aber immer an. Sinken die Überschüsse, steigt sie langsamer. Eine Kürzung wird umgangen.

Noch zwei enttäuschte Kunden

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Kurt Karl-Heinz Pleyner aus Stuttgart: Er bekommt von der Victoria statt 305 Euro nur 195 Euro Rente im Monat.

Auch die zwei folgenden Beispiele zeigen, wie stark sich Erwartung und Wirklichkeit beim Sparen mit Lebensversicherungen in letzter Zeit auseinander entwickeln konnten. Im einen Fall geht es um eine über den Arbeitgeber abgeschlossene Kapitallebensversicherung, eine Direktversicherung. Im anderen Fall hatte der Absturz der Erträge einer Lebensversicherung unangenehme Folgen für eine Immobilienfinanzierung.

Hans-Peter Strecker* ist Personalreferent bei einem Hersteller von Kraft­fahrzeugzubehör. Am 1. Dezember 1989 schloss er wie viele seiner Kollegen über seinen Arbeitgeber eine Direktversicherung bei Gerling ab. Seither wandelt Strecker Teile seines Gehalts in Versicherungsbeiträge um. 1 200 Mark, umgerechnet 614 Euro, bringt er jedes Jahr auf.

Gerling prognostizierte ihm damals eine Gesamtauszahlung von 109 665 Mark inklusive Gewinnbeteiligung von 61 591 Mark. Zum Vertragsablauf konnte sich Strecker so auf 56 071 Euro freuen, 31 491 Euro davon aus Überschüssen.

Doch nach aktueller Standmitteilung sind von den 31 491 Euro aus der Überschussbeteiligung nur noch 9 220 Euro ­übrig – weniger als ein Drittel. Damit muss Strecker eine ebenso heftige Kürzung wie Kurt Karl-Heinz Pleyner ertragen.

Bei Strecker ist es allerdings noch nicht das letzte Wort, denn sein Vertrag läuft noch bis 2017. Erwirtschaftet Gerling künftig wieder mehr, kommt vielleicht doch etwas mehr für den Personalreferenten heraus. Er wird aber auf jeden Fall kräftige Abstriche einstecken müssen.

Wechsel des Versicherers

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Ärgert sich, dass er ein Loch von 42 000 Euro in einer Immobilienfinanzierung stopfen musste, weil seine Lebensversicherung bei der Gothaer so viel weniger einbrachte: Theo Böckmann.

Streckers Firma hat den Versicherer inzwischen gewechselt. Kollegen, die später mit einer Direktversicherung angefangen haben, sind jetzt bei der Allianz. Strecker selbst muss bei Gerling bleiben.

Ein Anbieterwechsel käme für ihn nur infrage, wenn er seinen Arbeitgeber wechselte. Durch ein Abkommen, das fast alle Anbieter von Direktversicherungen unterschrieben haben, könnte er sein Erspartes dann auf einen anderen Versicherer übertragen, der im neuen Betrieb Direktversicherungen anbietet. Neue Abschlusskosten, die bei laufenden Lebensversicherungen sonst immer gegen einen Wechsel des Anbieters sprechen, fielen nicht an. Doch Strecker will bei seiner Firma bleiben.

Kündigen kann er seinen Vertrag nicht, weil es eine Direktversicherung ist. Er könnte nur aufhören einzuzahlen. Doch fast immer ist es besser, den Vertrag durchzuhalten. Das gilt auch für private Verträge. Denn bei Kündigung oder Beitragsfreistellung verlieren Kunden durch die hohen Kosten für die Versicherung viel Geld.

Ein Minus von 42 000 Euro

Enttäuscht ist auch Theo Böckmann aus dem westfälischen Datteln. 1979 finanzierte er eine vermietete Immobilie über eine Versicherung. Die Tilgung wurde ausgesetzt, Böckmann sparte stattdessen über eine Lebensversicherung bei der Gothaer Kapital an. Die Beiträge wirkten steuermindernd. Am Schluss wollte er die Bankkredite mit der Ablaufleistung aus der Versicherung einmalig ablösen.

Das Geschäft hätte sich gelohnt, wenn die Ablaufleistung in etwa der in Aussicht gestellten Leistung entsprochen hätte. Der erste Schock kam für Böckmann im Januar 2003: Rund 36 000 Euro weniger als noch im Februar 2000 hochgerechnet sollten aus der Versicherung herauskommen.

Im März 2004 überwies die Gothaer ihm statt der angestrebten 703 993 Euro nur 662 044 Euro. Böckmann musste knapp 42 000 Euro drauflegen, um die Immobilie schuldenfrei zu bekommen.

*Name von der Redaktion geändert.

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