Interview: Stresstest liefert ein Signal

Lebensversicherung Meldung

Bafin-Direktor Thomas Steffen

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs­aufsicht (Bafin) wacht über die Finanzkraft der Versicherungsunternehmen, unter anderem mit Stresstests. Bafin-Direktor Thomas Steffen ­erklärt, was bei diesen Tests gemacht wird.

Finanztest: Was ist ein Stresstest?

Steffen: Der Stresstest ist ein internes Frühwarnsystem, mit dem wir die Auswirkungen krisenhafter Veränderungen des Kapitalmarkts auf die Bilanz eines Versicherungsunternehmens simulieren. Mit dem Test prüfen wir, ob ein Versicherer seine Vertragsverpflichtungen ohne Gegenmaßnahmen erfüllen kann, wenn sich die Kurse seiner Kapitalanlagen plötzlich stark verringern würden. Der Stresstest sieht drei Szenarien vor: einen Kursrückgang festverzinslicher Wertpapiere um 10 Prozent, einen Kursrückgang der Aktien um 35 Prozent sowie einen Kursrückgang der Aktien um 20 Prozent bei gleichzeitigem Kursrückgang festverzinslicher Wertpapiere um 5 Prozent.

Finanztest: Was geschieht mit einem ­Versicherer, der den Test nicht besteht?

Steffen: Für uns ist das ein erstes Signal für die verminderte Risikotragfähigkeit des Unternehmens, die es frühzeitig zu beseitigen gilt. Ob der Versicherer bestimmte Schritte einleiten muss, hängt vom Einzelfall ab. Verantwortlich hierfür ist der Vorstand. Möglich wäre beispielsweise, dass die Gesellschaft ihre Aktienbestände absichert oder die Eigenkapitalsituation verbessert.

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