Lebens­versicherung Proxalto zahlt verspätet

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Lebens­versicherung - Proxalto zahlt verspätet
Langes Warten. Proxalto-Kunden werden auf die Gedulds­probe gestellt. © Getty Images / Brian A. Jackson

Kunden klagen über schleppende Auszahlung. Nun sind die IT-Probleme „abge­arbeitet“ – sagt der Versicherer.

Gehäufte Beschwerden im Internet über Run-off-Firma

Kunden des Versicherers Proxalto beschweren sich über die verspätete Auszahlung von Kapital­lebens- und Renten­versicherungen. Das Handels­blatt berichtete im August, dass sich auf Internetportalen „Beschwerden häufen“. Die zur Viridium-Gruppe gehörende Proxalto hatte 2019 die rund 3,9 Millionen Verträge der Generali Lebens­versicherung AG über­nommen, führt sie seitdem bis zum Ablauf fort. Neue Kunden nimmt Proxalto nicht an. Solche Firmen heißen Run-off-Gesell­schaft. Was die Ausglie­derung in solche Gesell­schaften für Kundinnen und Kunden bedeutet, lesen Sie in unserem Special über den Verkauf von Lebensversicherungsverträgen an Abwickler.

Probleme bei IT-Modernisierung

Bereits im März konfrontierte Finanztest Proxalto mit Kunden­beschwerden. Damals antwortete das Unternehmen, es handele sich „um ein vorüber­gehendes tech­nisches Problem, das bei Arbeiten zur Modernisierung der IT-Systeme aufgetreten ist“. Es seien „weniger als 0,5 Prozent“ der Lebens­versicherungs­verträge betroffen. Jetzt spricht das Unternehmen von „Einzel­fällen“, die aufgrund von „temporären Modernisierungs­maßnahmen“ aufgetreten seien. Die Computer­probleme seien inzwischen „abge­arbeitet“, so ein Sprecher. Alle Zahlungen sollten also wieder pünkt­lich kommen. Proxalto verspricht sich von der IT-Modernisierung Kostengewinne. Davon bekommen auch die Kunden einen Anteil. Ihre Über­schuss­beteiligung steigt also.

Beschwerde beim Ombuds­mann macht Versicherer Beine

Einer der Betroffenen war Finanztest-Leser Jürgen Emele. Er schaltete im Februar 2022 den Versicherungsombudsmann ein. Inner­halb von sechs Tagen reagierte Proxalto auf die Beschwerde und zahlte die über­fällige Rente aus. „Selbst­verständlich legen wir größten Wert auf einen guten Kunden­service“, schrieb Proxalto damals an den Ombuds­mann. „Dazu gehört selbst­verständlich auch eine pünkt­liche Rentenzahlung.“

Kunden wurden nicht gefragt

Die Generali-Kunden waren vor dem Verkauf des Versicherten­bestandes an die Abwick­lungs­firma nicht gefragt worden, ob sie damit einverstanden sind. Dies hält der Gesetz­geber hier­zulande nicht für notwendig. Allerdings musste die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin) ihre Zustimmung geben. Sie hat zuvor geprüft, ob die „Belange der Versicherten gewahrt“ bleiben. Das Beispiel Nieder­lande zeigt, dass es auch anders geht. Hier hat der Versicherer Monuta angekündigt, seinen Lebens­versicherungs­bestand in Deutsch­land an den Versicherer Dela zu verkaufen. Die Kunden können jedoch inner­halb von 30 Tagen nach der Ankündigung Einspruch erheben. Wenn dies mindestens ein Viertel der Versicherungs­nehmer tun, „findet die Über­tragung nicht statt“, erläutert Monuta.

Probleme mit Run-off-Firmen? Schreiben Sie uns

Wird Ihr Vertrag von einem Abwick­lungs­unternehmen weitergeführt? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Schreiben Sie uns eine Mail an: runoff@stiftung-warentest.de

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