Lebensversicherung Meldung

Witwer Roland Christ* aus Halle beschloss vor drei Jahren, für seine sechs Kinder im Alter zwischen 5 und 15 Jahren etwas zu tun, um sie im Falle seines Todes abzusichern. Ein Versicherungsvermittler der Hamburg-Mannheimer Versicherung ­ ein Kumpel von Christ aus dem Fußballverein ­ pries ihm als tollste Produkte so genannte Ausbildungsversicherungen an.

Der arglose Witwer biss an und unterschrieb sechs Anträge für Kapitallebensversicherungen ­ nichts anderes sind Ausbildungsversicherungen ­ mit Laufzeiten zwischen 15 und 20 Jahren und Versicherungssummen zwischen 11.500 und 15.000 Mark. Diese Summen werden den Kindern bei Christs Tod oder verzinst am Ende der Laufzeit ausgezahlt.

Was dem Malergesellen nicht auffiel: Jede Ausbildungsversicherung würde erst fällig werden, wenn das jeweilige Kind Mitte bis Ende 20 war und wohl bereits eigenes Geld verdiente.

Christ begann zu zahlen: Für drei Verträge monatlich je 75 Mark, für drei je 50 Mark, insgesamt 375 Mark. Der Witwer wusste natürlich nicht, dass der Versicherer ihm davon besonders viel für Verwaltungskosten abzog. Das ist immer so, wenn Verträge trotz kleiner Versicherungssummen vergleichsweise lange laufen und die Prämien obendrein monatlich statt jährlich gezahlt werden. Richtig wäre in Christs Fall eine Risikolebensversicherung gewesen, die nur Todesfallschutz bietet. Für einen Bruchteil der Prämie hätte der Witwer seine Kinder damit umfassend absichern können.

Als dem viel beschäftigten Vater Zweifel kamen, ob er sein knappes Geld gut investierte, sorgte der Vermittler dafür, dass drei der Verträge beitragsfrei gestellt, drei gekündigt wurden. Zurück bekam Christ nichts. Der sechsfache Vater hat durch seinen Fehltritt 9.000 Mark verloren und weiß eigentlich gar nicht, was passiert ist.

Die Hamburg-Mannheimer war auf Nachfrage von Finanztest nicht bereit, die Verträge rückabzuwickeln und Christ den Verlust auszugleichen, obwohl das bei einer so krassen Fehlberatung logisch wäre. Sabine Strauß, Sprecherin der Hamburg-Mannheimer: "Wir werden dem Kunden entgegenkommen, indem wir die gekündigten Verträge beitragsfrei stellen." Das ist allerdings kaum mehr als nichts.

* Name von der Redaktion geändert.

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