Lebens­versicherung Meldung

Für den Garan­tiezins der Lebens­versicherungen könnte es Anfang 2015 weiter bergab gehen. Versicherungs­experten empfehlen, ihn für Neukunden von derzeit bereits nied­rigen 1,75 Prozent auf 1,25 Prozent zu senken. Altverträge sind nicht betroffen. Das Bundes­finanz­ministerium, zuständig für die Fest­setzung des Zinses, will sich mit der Prüfung der Vorschläge Zeit lassen.

Bald noch ein halbes Prozent weniger?

Der Verband der Versicherungs­mathematiker – die Deutsche Aktuar­ver­einigung (DAV) – empfiehlt, den Garan­tiezins für Lebens- und Renten­versicherungen erneut zu senken: Von derzeit 1, 75 Prozent auf 1,25 Prozent. Zuletzt war er 2012 gesenkt worden. Der Höchst­rechnungs­zins, wie der Garan­tiezins offiziell heißt, ist die maximale Verzinsung, die Versicherer ihren Kunden für die ganze Lauf­zeit auf den Spar­anteil ihres Beitrags zusagen dürfen.

Altverträge wären nicht betroffen

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So hat sich der Garan­tiezins entwickelt.

Wer bereits einen Vertrag hat, muss nichts befürchten. Für vor dem Jahr 2000 abge­schlossene Verträge liegt der Garan­tiezins zum Beispiel noch bei 4,0 Prozent (siehe Grafik). An ihren alten Zusagen dürfen die Versicherer nicht rütteln. Auf Altverträge hätte eine künftige Senkung daher keinen Einfluss. Die Senkung des Zinses soll den Unternehmen bei den derzeitig nied­rigen Zinsen auf den Kapitalmärkten aber zumindest für die Zukunft mehr Luft verschaffen. Allerdings lässt ein solcher Schritt den Abschluss einer Renten­versicherung als Alters­vorsorge noch unattraktiver erscheinen. Der Gesamt­verband der Deutschen Versicherungs­wirt­schaft (GDV) scheint zwie­gespalten: „Richtig ist, dass die Zins­entwick­lung ausgesprochen volatil ist. Ein nied­rigerer Garan­tiezins würde den Anreiz, zusätzlich vorzusorgen, deutlich mindern. Das kann aus sozial­politischen Gesichts­punkten nicht gewünscht sein“, sagt GDV-Sprecher Hasso Suliak.

Entscheidung noch nicht getroffen

Auch wenn die Empfehlungen der Aktuar­ver­einigung DAV in der Branche für Aufregung sorgen – fest steht noch nicht, ob es über­haupt zu einer Absenkung von 0,5 Prozent kommt. Denn für die Fest­setzung des Zinses ist das Bundes­finanz­ministerium zuständig (BMF). „Gemein­sam mit der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht werden wir den DAV-Zins­bericht prüfen. Es gibt für uns keine zwingende zeitliche Vorgabe. Das Votum der DAV ist für das BMF nicht bindend“, heißt es von dort auf Anfrage von test.de. Auch die DAV selbst ist sich ihrer Empfehlung nicht völlig sicher. So teilt die Aktuar­ver­einigung mit, dass sie die Zins­entwick­lung genau beob­achten und ihre Empfehlung im Laufe des Jahres 2014 über­prüfen werde.

Bereits Produkte ganz ohne Garan­tiezins erhältlich

Einige Versicherer versuchen allerdings angesichts der nied­rigen Markt­zinsen mit neuen Produkten den Garan­tiezins gleich ganz los zu werden. So haben die Unternehmen Ergo und Allianz neue Lebens­versicherungs­angebote, die in der Anspar­phase nur noch den Erhalt der einge­zahlten Beiträge und eine Mindest­rente garan­tieren.

Höherer Garan­tiezins kein Verkaufs­argument

Versicherungs­vermittler könnten die erwartete Zins­senkung auch ausnutzen, um noch schnell viele Verträge mit dem höheren Zins zu verkaufen. Für Neukunden sollte das aber kein Argument sein. Sie bekämen zwar fürs gleiche Geld etwas weniger Rente oder eine geringere Einmalzahlung garan­tiert. Das heißt aber nicht, dass diese neuen Kunden am Ende tatsäch­lich weniger heraus­bekommen als die anderen. Der garan­tierte Teil ist bei einer klassischen Lebens- oder Renten­versicherung nur der eine Teil der Auszahlung. Der andere kommt aus Über­schüssen. Die tatsäch­lich laufende Verzinsung liegt laut der Rating­agentur Assekurata im Branchen­schnitt aktuell bei rund 3,43 Prozent.

Renten­versicherungen oft nicht geeignet

Neukunden sollten sich vielmehr über­legen, ob Lebens- oder Renten­versicherungen generell die passenden Produkte für sie ist. Sie sind sehr unflexibel und ein Wechsel oder eine Kündigung kann sehr teuer werden. Zudem sind die Verträge vieler Anbieter teuer und wenig ertragreich. Zunehmend werden riskantere Fonds­policen verkauft. Besser ist es für Neukunden, die Wert auf eine lebens­lange Rente legen, auf geförderte Renten­versicherungen oder die betriebliche Alters­versorgung zu setzen. Ein guter Riester-Vertrag ist durch Zulagen und steuerliche Förderung attraktiv für Angestellte und Beamte, ein guter Rürup-Vertrag kann sich für Selbst­ständige lohnen.

Tipp: Details finden Sie auf der Themenseite Riester-Rente und der Themenseite Rürup-Rente.

Weiterführen oder kündigen?

Bestands­kunden die den Hinterbliebenen­schutz ihrer Kapital­lebens­versicherung nicht mehr benötigen, sollten über­prüfen, ob sich die Beitrags­zahlungen bis zum Ende der Vertrags­lauf­zeit noch lohnen. Aus Renditegesichts­punkten kann es besser sein, die Versicherung beitrags­frei zu stellen oder ganz zu kündigen.

Tipp: Der Rechner Restlaufzeitrendite hilft Ihnen bei der Entscheidung. Sie können damit prüfen, wie viel Rendite Ihre Lebens­versicherung noch bringt. Um den Rechner zu nutzen, benötigen sie den aktuelle Rück­kaufs­wert und die prognostizierte Ablauf­leistung Ihres Vertrags. Beides finden Sie in der Mitteilung, die die Versicherungs­gesell­schaft jedes Jahr verschickt. Das Ergebnis zeigt, ob es mehr bringt, den Vertrag beitrags­frei zu stellen oder zu kündigen und das Geld anders anzu­legen.

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