Die meisten Verträge sollten bleiben

Die Kündigung eines Lebens­versicherungsvertrags kommt nur ausnahmsweise infrage.

Finanztest hat exemplarisch an laufenden Kapitallebensversicherungsverträgen geprüft, wann sich eine Kündigung lohnen kann. Die Antwort hängt stark davon ab, welchen Zinssatz eine Alternativanlage bringen muss. Unsere Beispielkunden müssten mindestens zwischen 5,1 und 7,6 Prozent erzielen.

Zu diesem Zins müssten sie den ausgezahlten Rückkaufswert und die ausstehenden Jahresbeiträge anlegen. Dann hätten sie am Ende so viel gespart, wie ihnen ihre Versicherung bei Vertragsende gebracht hätte. Bei ihrem Tod bekämen die Angehörigen aber nichts.

Wir gehen von durchschnittlichen Kosten für Abschluss und Verwaltung der Versicherung aus. Eingerechnet ist der Stornoabzug bei Kündigung von branchenüblichen 20 Prozent des versicherungsmathematischen Zeitwerts.

Steuern nicht vergessen

Der Steuersatz des Kunden wird erstmals wichtig, wenn der Vertrag in den ersten zwölf Jahre gekündigt wird. Wir gehen davon aus, dass der Sparerfreibetrag ausgeschöpft ist und die im Rückkaufswert enthaltenen Erträge mit einem Grenzsteuersatz von 35 Prozent zu versteuern sind. Die Steuern haben wir auch von den Erträgen der anschließenden Anlage abgezogen.

Die Tabelle zeigt, dass die Verzinsung des Anschlusssparplans umso höher sein muss, je länger ein Lebensversicherungsvertrag gelaufen ist.

Bei den zurzeit niedrigen Zinsen haben lediglich Männer mit Verträgen, die erst wenige Jahre laufen, eine Chance, den passenden Sparplan zu finden.

Wer weniger oder keine Steuern zahlt, muss weniger Zinsen erzielen. Dann kommt eine Kündigung sogar für Männer und Frauen mit 15 Jahre alten Verträgen infrage.

Frauen benötigen immer eine höhere Alternativverzinsung, damit sich eine Kündigung lohnt. Denn die Ablaufleistung von Kapitallebensversicherungen ist für Frauen höher als für Männer, weil sie wegen ihrer höheren Lebenserwartung weniger für ihren Todesfallschutz bezahlen.

Bei Rentenversicherungen, die hier nicht betrachtet wurden, wäre die Situation für Frauen und Männer fast gleich. Hier erhalten die Angehörigen in der Ansparphase im Todesfall nur die eingezahlten Beiträge unverzinst zurück.

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