Für Lebens­versicherer gelten seit dem 7. August 2014 neue Regeln, wenn ein Versicherungs­vertrag fällig wird. Doch bei der Umsetzung scheint noch einiges schief zu laufen, wie die Erfahrungen von Finanztest-Lesern zeigen. Die Versicherungs­experten bitten Sie deshalb um Unterstüt­zung. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Erfahrungs­berichte nehmen sie unter bewertungsreserven@stiftung-warentest.de entgegen.

Neue Regeln für die Auszahlung von Reserven

Lebens­versicherungs­kunden bekommen seit dem 7. August 2014 weniger Geld ausgezahlt. Seitdem müssen Versicherer die Kunden nicht mehr im gewohnten Maße an den Bewertungs­reserven beteiligen. Diese Reserven entstehen, wenn der Markt­wert einer Kapital­anlage des Versicherers über dem Anschaffungs­preis liegt – wenn also zum Beispiel der Wert seiner Immobilien, seiner Aktien oder Staats- und Unter­nehmens­anleihen gestiegen ist. Kunden, deren Verträge bis zum 6. August fällig wurden, bekamen ihren Anteil an den Bewertungs­reserven noch nach der alten Regelung. Endet ihr Vertrag später, müssen die Versicherer die Kunden nun nicht mehr an den Reserven aus fest­verzins­lichen Anlagen beteiligen.

Versicherer wendet Neuregelung auf Altfall an

Dass das nicht immer glatt läuft, musste Finanztest-Leser Christian Bach erfahren. Am 31. Juli wurde seine Kapital­lebens­versicherung bei der Provinzial Rhein­land fällig. Glück­licher­weise galt für ihn noch die alte Regelung. Um so mehr wunderte sich Bach, dass die Auszahlung erheblich geringer war als gedacht. Er hakte bei der Provinzial Rhein­land nach. Die Antwort: Das Gesetz sei später in Kraft getreten als erwartet. Der 59-Jährige habe seine Beteiligung an den Bewertungs­reserven bereits auf Grund­lage der neuen Regelung erhalten. Sie war aber noch gar nicht in Kraft getreten. Am Ende bekam Bach dann doch noch eine Nach­zahlung.

Am Ende gab es vier mal mehr Geld für den Kunden

Finanztest fragte das Unternehmen darauf­hin, ob betroffene Kunden sich melden müssen oder auto­matisch den fehlenden Anteil an den Bewertungs­reserven erhalten. Es antwortete den Testern: „Im Interesse der Kunden an einer pünkt­lichen Auszahlung“ habe sich der Versicherer „dazu entschlossen, zum Stichtag 1. August die Beteiligung an den Bewertungs­reserven bereits nach den Regeln des LVRG auszuzahlen“. Inzwischen hätten die Kunden die Nach­zahlung bekommen. „Unsere Kunden mussten nicht selbst aktiv tätig werden“, so eine Unter­nehmens­sprecherin. Ohnehin hätten die Kunden „recht­zeitig den Groß­teil“ ihrer Leistungen aus Bewertungs­reserven erhalten. Bei Bach war das jedoch anders. Die Versicherungs­leistung, die ihm die Provinzial zunächst auszahlte, enthielt knapp 428 Euro Bewertungs­reserven. Die Nach­zahlung war mehr als viermal so hoch: 1 806,54 Euro.

Ihre Erfahrungen sind gefragt

Haben Sie im Juli oder August Ihre Kapital­lebens­versicherung ausgezahlt bekommen? Hat die Rente aus Ihrer privaten Renten­versicherung, Riester-, Rürup-Renten­versicherung, Direkt­versicherung oder Pensions­kasse begonnen? Wie sind Sie an den Bewertungs­reserven beteiligt worden? Wie hat Ihr Versicherer Sie über die Beteiligung an den Bewertungs­reserven informiert? Ihre Erfahrungen helfen den Experten von Finanztest bei der Bericht­erstattung. Wenn Sie sie teilen möchten, nutzen Sie bitte die Adresse bewertungsreserven@stiftung-warentest.de.

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