Lebensversicherung Special

Ab 2005 ist es mit dem Steuerprivileg für Kapitallebensversicherungen vorbei. Doch jetzt noch rasch einen Vertrag zu unterschreiben, empfiehlt sich für die meisten nicht.

Jetzt binden sich Versicherungsvertre­ter die Schuhe besonders fest: Die Vertriebsleute erwartet ein heißer Herbst. Denn mit dem Alterseinkünftegesetz fällt das über 100 Jahre alte Steuerprivileg für Lebensversicherungen – bisher eines ihrer Hauptargumente beim Verkauf. Auszahlungen aus Policen, die ab 2005 unterschrieben werden, muss der Kunde künftig versteuern. Altverträge hingegen bleiben unangetastet: Wer noch bis Jahresende 2004 abschließt, kann auf Steuerfreiheit setzen.

Werbetrommel wird gerührt

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Schon 1999 sollte das Steuerprivileg kippen. Das bescherte den Versicherungsgesellschaften ein Ausnahmegeschäft, weil viele Kunden sich die steuerfreie Auszahlung sichern wollten. Das könnte sich nun wiederholen.

Klar, dass die rund 110 Lebensversicherer jetzt noch mal so richtig die Werbetrommel rühren. Schon bevor das Gesetz unterschrieben war, starteten die ersten ihre Verkaufsoffensiven. „Jetzt Schäfchen ins Trockene bringen“ (Aachener und Münchener) oder „Seien Sie schneller als die Steuer“ (Volksfürsorge) formulierten manche volkstümlich, während Branchenriese Allianz Leben den „Last call“ ausrief. Sogar per Brief alarmieren einige Gesellschaften ihre Kunden.

„Doch die Jagd nach Steuervorteilen verstellt leicht den Blick auf die entscheidende Frage: Passt eine Police überhaupt zum Bedarf?“, warnt Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Oft ist das nicht der Fall, denn viele Kunden wollen nur einen Sparvertrag für die Altersvorsorge und brauchen den Todesfallschutz einer Kapitallebensversi­che­rung nicht – zum Beispiel Singles. Hinzu kommt, dass die Kapitallebensversicherung sehr unflexibel ist. Einmal abgeschlossen, kommt der Sparer oft nur unter Verlusten vorzeitig wieder heraus. Das erleben gerade viele Arbeitslose, die über den Freibeträgen für das neue Arbeitslosengeld II liegen und nun ihre Lebensversicherungen kündigen müssen.

Außerdem ist die Höhe der Rendite unsicher. Zwar werben viele Gesellschaften mit Werten um die vier Prozent. Doch das sind nur unverbindliche Voraussagen. In den letzten Jahren gab es immer weniger. So liegt die garantierte Leistung der Policen aktuell gerade mal bei 2,75 Prozent. Und das gilt nur für den Sparanteil. Bezogen auf die gesamten Beiträge sind es noch einmal einige Zehntelprozentpunkte weniger. Denn von jedem eingezahlten Monatsbeitrag werden erst Abschluss- und Verwaltungskosten sowie Risikobeiträge abgezogen. Kunden, die für die Altersvorsorge sparen wollen, können anderswo besser verfügbare Alternativen finden, zum Beispiel Fondssparpläne.

Sinnvoll für Selbstständige

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Für Vermögende kann eine Lebensversicherung als Einmalanlage sinnvoll sein.

„Steuervorteile dürfen nicht der Grund für einen Abschluss sein, sondern das i-Tüpfelchen obendrauf“, sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine. Von dem lauten Werbegetöse sollten Verbraucher sich daher nicht verrückt machen lassen. Nur für wenige lohnt es sich wirklich, die Vorzüge einer Lebensversicherung 2004 noch mitzunehmen. So profitieren Selbstständige oft noch doppelt vom Steuervorteil: Sie können die Lebensversicherungsbeiträge steuerlich absetzen, solange sie den Höchstbetrag dafür nicht ausschöpfen, und nach zwölf Jahren Laufzeit ist die Auszahlung steuerfrei. Vor allem Handwerkern und Existenzgründern nutzt das häufig.

Je mehr Beitrag der Versicherte noch geltend machen kann, desto stärker steigt seine Rendite. Freiberufler wie Apotheker, die schon üppige Prämien in ein Versorgungswerk einzahlen, können dieses Extra allerdings oft nicht nutzen. Das gilt auch für Selbstständige, die ab 2005 eine Rürup-Rente abschließen.

Auch privat krankenversicherten Arbeitnehmern mit gutem Einkommen winken ordentliche Erträge, wenn sie in diesem Jahr eine betriebliche Direktversicherung abschließen. Denn bei hohen Steuersätzen lohnt das bisherige Fördermodell besonders. Da lässt sich der derzeit karge Ertrag von Policen auf über fünf Prozent steigern.

Interessant dürfte eine Lebensversicherung auch für Vermögende sein, die einen größeren Betrag längerfristig steuergünstig parken wollen. Ihnen offerieren die Versicherer so genannte „5-plus-7-Verträge“, die zur Steueroptimierung entwickelt wurden. Für Vermögende können solche Policen deutlich besser rentieren als Alternativanlagen. Ab 2005 werden sie unattraktiver. Bei ab nächstem Jahr abgeschlossenen Policen müssen die Erträge versteuert werden:

  • vollständig, wenn der Versicherte zum Auszahlungstermin unter 60 Jahre ist,
  • zur Hälfte, wenn er zum Auszahlungstermin über 60 Jahre alt ist und die Police mindestens zwölf Jahre lief.

Beispiel: Der Kunde ist 55 Jahre alt, die Auszahlung beträgt 50 000 Euro, davon entfallen 25 000 Euro auf selbst eingezahlte Beiträge. Der Kunde muss also 25 000 Euro Ertrag versteuern. Bei einem persönlichen Steuersatz von 30 Prozent bleiben unterm Strich 42 500 Euro übrig. Das können auch Sparerfreibetrag und Werbungskostenpauschale (1421 Euro, Ehepaare: 2 842 Euro) kaum mildern. Wird die Police erst nach dem 60. Geburtstag fällig, ist nur der halbe Ertrag steuerpflichtig.

Tipps: Wer sich jetzt für eine Kapitallebensversicherung entscheidet, sollte unbedingt eine leistungsstarke Gesellschaft wählen. Einen Tarifvergleich von mehr als 100 Angeboten bietet die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz (Preis: 12,50 Euro; Unterlagen unter: versicherung@verbraucherzentrale-rlp.de). Wir empfehlen als Überschusssystem die „verzinsliche Ansammlung“. Jährliche statt monatliche Beitragszahlung steigert die Rendite, ebenso der Verzicht auf überflüssige Zusätze wie eine Unfalltod-Zusatzversicherung.

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