Interview: Die neuen Vorteile gelten auch für Altverträge

Lebensversicherung Meldung

Manfred Westphal

Das reformierte Versicherungsvertragsgesetz soll ab 1. Januar 2008 gelten. Finanztest fragte Manfred Westphal, Fachbereichsleiter Finanzdienstleistungen beim Verbraucherzentrale Bundesverband, was Lebensversicherungskunden erwarten können und welche Punkte kritisch sind.

Finanztest: Wird es Vorteile für Lebensversicherungskunden geben?

Westphal: Ja. Sie erhalten Verbraucherinformationen und Vertragsbedingungen vor dem Vertrag. Abschluss- und Vertriebskosten müssen sichtbar sein. Wer kündigt, erhält einen Mindestrückkaufswert. Leider wird die Verjährungsfrist von fünf auf drei Jahre verkürzt. Dafür beginnt sie erst, wenn Kunden informiert wurden, dass sie einen Anspruch haben.

Finanztest: Dass die Mindestrückkaufswerte für gekündigte Verträge rückwirkend gelten sollen, wird von der Branche kritisiert. Wie sehen Sie das?

Westphal: Altverträge einzubeziehen ist richtig, weil sonst jeder, der nach den Urteilen des Bundesgerichtshofs (siehe Lebensversicherung „Geld und Rechte“, die Red.) einen Nacherstattungsanspruch hat, ihn selbst fordern muss. Durch die Rückwirkungsregelung müssen die Versicherer von sich aus zahlen.

Finanztest: Können Versicherer garantierte Rückkaufswerte über die Laufzeit verkraften?

Westphal: Ja, denn nach unserer Interpretation ist es den Versicherern unbenommen, mit einem Rechnungszins von null zu kalkulieren und im Vertragsangebot Rückkaufswerte von „null“ zu nennen. Dann könnten sie ausschließlich mit der nicht garantierten Überschussbeteiligung arbeiten.

Finanztest: Was halten Sie von dem Plan, die Kunden an den stillen Reserven zu beteiligen?

Westphal: Funktionieren würde die Regelung, Versicherungskunden wären aber nicht gut bedient. Der Einzelne soll nur 50 Prozent des auf seinen Vertrag entfallenden Teils dieser Reserven bekommen, der nicht zum Ausgleich von Wertverlusten benötigt wird. Der Rest bleibt erst einmal beim Versicherer stehen. Warum kann der Satz nicht höher sein? Immerhin müssen die Kunden derzeit an den Kapitalerträgen mit 90 Prozent, nicht nur mit 50 Prozent beteiligt werden.

Finanztest: Was wünschen Sie sich zusätzlich für die Lebensversicherung?

Westphal: Kunden sollten an allen Gewinnen, beispielsweise auch an denen aus Kostenersparnissen der Versicherer, zu mindestens 90 Prozent beteiligt werden müssen. Die Überschussbeteiligung für Kunden sollte leichter überprüfbar werden. Geschäftszahlen sollten nachzurechnen sein.

Überschüsse aus Ratenzahlungszuschlägen oder Unfalltodzusatzversicherungen sollten nur noch den Kunden zufließen, die solche Regelungen in ihren Verträgen vereinbart haben. Eine ungerechtfertigte Benachteiligung etwa bei der Überschussbeteiligung beitragsfreier Versicherungen sollte nicht mehr möglich sein.

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