Lebensversicherung Meldung

Die Lebensversicherer wollen ihre Kosten klarer darstellen. Gut so. Doch das Beispiel Allianz zeigt erste Tücken der Praxis.

Vorreiter: Die Allianz war am schnellsten. Der Branchenverband der Versicherer, GDV, hatte gerade seit zwei Tagen empfohlen, die Kosten der Lebens- und privaten Rentenversicherungen für die Kunden transparenter zu machen, da war der Marktführer schon so weit. In den ab Januar geschlossenen Verträgen über private Renten- und Kapitallebensversicherungen weist das Unternehmen aus, um wie viel Prozentpunkte die Kosten die Rendite eines Vertrags drücken.

Kostenrechnung: In die Rechnung einbezogen werden Abschluss- und Vertriebskosten, laufende Kosten und bei fondsgebundenen Produkten auch die Fondskosten. Diese Kosten werden von der gesamten Verzinsung des Kapitals, einschließlich laufender Überschüsse, Schlussüberschuss und Bewertungsreserven abzogen. Unterm Strich soll die jährliche Wertentwicklung des Vertrags nach Kosten stehen. So soll der Kunde seinen Vertrag leichter mit dem Angebot anderer Unternehmen vergleichen können.

Tücke 1: Wenn das Kapital zum Beispiel mit 6 Prozent verzinst wird und 2 Prozentpunkte für Kosten abgezogen werden, bleibt eine Wertentwicklung von 4 Prozent. Die 2 Prozent bezeichnet die Allianz als „Gesamtkostenquote“. Das klingt nicht schlimm. Umgerechnet auf die Verzinsung kommt aber ein Anteil von 33,3 Prozent heraus. Die Kosten fressen ein Drittel der Verzinsung auf. Das muss sich der Kunde auch weiterhin selbst ausrechnen. Gesagt bekommt er es nicht.

Tücke 2: Die Allianz berechnet die Wertentwicklung des Vertrags inklusive Überschussbeteiligung. Diese ist dem Kunden jedoch nicht garantiert, sondern bloß eine Prognose, die von Gesellschaft zu Gesellschaft unterschiedlich ausfällt. Überschüsse verzerren also die Kostenangaben und bieten nur eine weitere unverbindliche Hochrechnung. Besser wäre eine doppelte Darstellung der Kosten: mit und ohne Überschüsse. Die Variante ohne Überschüsse wäre der verbindliche Teil der Rechnung.

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