Schon kleine Änderungen im Lebensversicherungsvertrag bringen ­Vorteile. Wer Beiträge jährlich statt monatlich überweist, spart Kosten. Wer seinen Vertrag ohne Dynamik weiterführt, kann das Geld Gewinn bringender anlegen.

Allgemeine Verunsicherung über die Lebensversicherung: Viele Versicherungsgesellschaften sind tief in den roten Zahlen. Ihre einst üppigen stillen Reserven sind rasant dahingeschmolzen. Die Kunden sorgen sich um Rendite und Rente. Ihre Überschussbeteiligungen werden zurückgefahren, private Renten gekürzt.

Was können die Kunden tun angesichts der Hiobsbotschaften? Ruhig bleiben und auf bessere Zeiten warten? Sich damit trösten, dass selbst der Garantiezins von derzeit 3,25 Prozent auf das Gesparte immer noch besser ist als hohe Verluste bei Aktiengeschäften? Oder gar einen radikalen Schnitt machen und den Vertrag kündigen?

Eine Kündigung kommt nur ausnahmsweise infrage, denn sie ist meist mit großen Verlusten verbunden. Das heißt aber noch lange nicht, dass der Kunde untätig bleiben muss.

Mit einer optimalen Gestaltung seines Vertrags kann der Sparer die Rendite seiner Sparleistung aufpolieren und die Einbußen durch die gesunkenen Überschussbeteiligungen sogar wettmachen. Finanztest hilft dabei.

Beiträge jährlich zahlen

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft erwartet für 2003 branchenweit eine durchschnittliche Überschussbeteiligung von 5 Prozent. Die Versicherungskunden werden im Schnitt also 5 Prozent auf ihr Gespartes bekommen.

Verzinst wird aber nur das, was vom Beitrag nach Abzug der Kosten übrig ist. Die hängen zum Beispiel von der Zahlungsweise ab. Wer monatlich überweist, muss dafür zusätzliche Kosten von meist 5 Prozent des Jahresbeitrags in Kauf nehmen. Bei vierteljährlicher Beitragsüberweisung sind es üblicherweise 3 Prozent und bei halbjährlicher Zahlung immerhin noch 2 Prozent.

Bei jährlicher Zahlung entstehen diese zusätzlichen Kosten nicht. Einziger Wermutstropfen: Der Beitrag muss im Voraus gezahlt werden, und dem Sparer entgehen so mögliche Zinsen.

Diese verschiedenen Kosten und die Überschussbeteiligung von 5 Prozent haben wir auch für den Kunden in ­unserer Beispielrechnung angenommen. Er ist 35 ­Jahre alt und zahlt einen Jahresbeitrag von 1 200 Euro für eine Kapitallebensversicherung mit einer Laufzeit von 25 ­Jahren. Zahlt er seinen Beitrag jährlich, wird er am Ende der Vertragslaufzeit mindestens 3 090 Euro mehr bekommen als bei monatlicher Zahlungsweise.

Die unterschiedliche Zahlungsweise wirkt sich auf die Ablaufleistung umso stärker aus, je mehr Abschlusskosten zu Vertragsbeginn anfallen. Die Abschlusskosten dürfen 4 Prozent der zu Vertragsbeginn für die gesamte Laufzeit vereinbarten Beitragssumme nicht übersteigen. Durch sie wird das Kundenkonto anfangs belastet, sodass der Kunde zunächst im Minus ist. Erst nach einiger Zeit kommt er durch seine Beiträge ins Plus. „Zillmerung“ heißt dieses Verfahren bei Versicherungsmathematikern.

Auf Dynamik verzichten

Bares Geld verschenkt auch, wer angesichts sinkender Überschussbeteiligung an seinem dynamischen Vertrag festhält. Bei einer Dynamisierung steigt der Beitrag regelmäßig in vorher vereinbarten Intervallen – meist jährlich.

Bei jeder Beitragssteigerung wird ei­ne Vertragsumstellung nötig. Das ver­ursacht Jahr für Jahr zusätzliche Abschlusskosten. Je nach Kostenzuschlag kann das sehr teuer werden.

Unsere Beispielrechnung zeigt, dass der Kunde oft mehr davon hat, wenn er auf die Dynamik verzichtet und das gesparte Geld anlegt. Selbst wenn er dafür nur eine geringe Verzinsung erhält, hat er mehr davon als in seiner Lebensversicherung. Das gilt vor allem, wenn der Kunde Zinsen steuerfrei kassiert, weil er den Sparerfreibetrag nicht ausgeschöpft hat.

Bei einer Überschussbeteiligung von 5 Prozent bekommt der Kunde in unserem Beispiel am Vertragsende 1 290 Euro mehr heraus, wenn er auf die Dynamik von 2 Prozent verzichtet und das so gesparte Geld auf ein Tagesgeldkonto legt, das ihm 3 Prozent Zinsen bringt.

Beträgt die Überschussbeteiligung 5,5 Prozent, beschert ihm das Tagesgeldkonto gegenüber der Dynamik immerhin noch ein Plus von 840 Euro. Erst bei einer Überschussbeteiligung von 6,5 Prozent, die kaum noch ein Lebensversicherer bietet, bringt ein Vertrag mehr, bei dem die Beiträge dynamisch um 2 Prozent steigen. In unserer Beispielrechnung sind es 140 Euro.

Doch mit einer alternativen Geldanlage, die ihm nach Steuern 4 Prozent Zinsen bringt, steht der Kunde wieder besser da, als wenn er an seinem dynamischen Vertrag festhält. Dies gilt erst recht, wenn die Versicherungsbeiträge sogar um 3 Prozent jährlich steigen.

Unsere Rechenbeispiele zeigen:

  • Je höher die vereinbarte Dynamik, desto besser ist eine alternative Anlage der Erhöhungsbeiträge.
  • Je niedriger die Überschussbeteili­gung, desto besser ist eine alternative Anlage der Erhöhungsbeiträge.

Ein Herausnehmen der Dynamik aus dem Vertrag ist jederzeit möglich. Dadurch bleibt der Beitrag auf dem aktuellen Stand und erhöht sich nicht weiter.

Vorteile kombinieren

Das Umstellen von monatlicher auf jährliche Beitragszahlung und ein Stopp der Dynamik sind kostenlos für den Kunden. Er kann so Einbußen durch die gesunkene Überschussbeteiligung im besten Fall sogar wettmachen.

Das gelingt zum Beispiel einem 35 Jahre alten Mann, der gerade einen Vertrag mit 25-jähriger Laufzeit abschließen möchte. Er plant, 100 Euro monatlich zu zahlen. Dieser Beitrag soll jedes Jahr dynamisch um 4 Prozent steigen. Sein Vertrag ist mit den maximalen Abschlusskosten zu Vertragsbeginn von 4 Prozent der Beitragssumme belastet. Die Überschussbeteiligung sollte zunächst 6 Prozent betragen und wird nun auf 5 Prozent gesenkt. Zunächst wurden ihm 69 000 Euro vom Versicherungsunternehmen prognostiziert. Aufgrund der gesenkten Überschussbeteiligung sinkt die Summe auf 61 000 Euro.

Zahlt der Kunde seine Beiträge nun jährlich im Voraus statt wie geplant monatlich, sinken die Kosten so stark, dass er trotz gesenkter Überschussbeteiligung mit einer Ablaufleistung von 66 000 Euro rechnen kann. Verzichtet er auf die Dynamik und legt er die Erhöhungsbeiträge in einem Sparplan mit 3 Prozent Zinsen an, kann er aus dieser Anlage und seiner Lebensversicherung am Ende der Laufzeit insgesamt 69  000 Euro erhalten – so viel, wie ursprünglich geplant.

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