Lebens­versicherung Special

Beliebt sind sie ungemein: In Deutsch­land gibt es rund 92 Millionen Lebensver­sicherungs­verträge. Und generell gilt: Eine Lebens­versicherung ist eine Versicherung, bei der die Leistung des Versicher­ers von der Lebens­dauer des Kunden abhängt. Danach wird es aber unüber­sicht­lich. Risiko­lebens­versicherung, Kapital­lebens­versicherung, fonds­gebundene Renten­versicherung – viele Kunden kennen die Unterschiede der Versicherungs­verträge nicht. Hier lesen Sie, welche Lebens­versicherungen es gibt und wie sie sich unterscheiden.

Das Wichtigste in Kürze

Risiko­lebens­versicherung. Sichert das Einkommen für die Hinterbliebenen ab, falls der Versicherte stirbt. Sinn­voller Schutz für Familien. Vergleich Risikolebensversicherungen.

Kapital­lebens­versicherung. Mischung aus Spar­produkt für die Alters­vorsorge und Risiko­schutz. Früher gab es vergleichs­weise hohe Zinsen. Heute nicht mehr.

Private Renten­versicherung. Alters­vorsorgeform, bei der das angesparte Kapital im Alter in eine lebens­lange Rente umge­wandelt wird. Vergleich Private Rentenversicherung.

Garan­tiezins. Der Vorteil von Lebens­versicherungen ist eine garan­tierte Verzinsung. Diese ist aber immer weiter gesunken und liegt heute bei maximal 0,9 Prozent.

Kündigung. Häufig ist es mit Verlusten verbunden, den Vertrag zu kündigen. Meist ist es besser ihn durch­zuhalten. Alternativen sind der Verkauf der Police oder in manchen Fällen eine Rück­abwick­lung.

Risiko­lebens­versicherung oder kapital­bildende Lebens­versicherung

Lebens­versicherungen lassen sich grob in Risiko­lebens­versicherungen und kapital­bildende Lebens­versicherungen unterscheiden. Der Zweck einer Risiko­lebens­versicherung ist, die Familie abzu­sichern. Bei kapital­bildenden Versicherungen werden die Einzahlungen genutzt, um Kapital anzu­sammeln, das später wieder an den Kunden zurück­gezahlt wird. Kapital­bildende Lebens­versicherungen werden haupt­sächlich als private Alters­vorsorge des Sparers genutzt. Bei dieser Form gibt es Kapital­lebens­versicherungen, die am Ende der Anspar­phase das Geld einfach ausschütten. Und es gibt private Renten­versicherungen, die statt einer Kapital­auszahlung eine monatliche Rente zahlen.

Risiko­lebens­versicherung – für Familien sinn­voll

Für Familien ist eine Risiko­lebens­versicherung sinn­voll. Fällt der Haupt­verdiener aus, muss die Familie in Folge ohne dessen Gehalt klar­kommen. Eine Risiko­lebens­versicherung zahlt nach dem Tod des Versicherten eine vereinbarte Todes­summe. Damit sollte die Familie das wegfallende Einkommen kompensieren können. Aber auch wenn der Partner stirbt, der haupt­sächlich die Kinder erzieht und deshalb nur wenig oder gar nicht erwerbs­tätig ist, entstehen zusätzliche Kosten für die Kinder­erziehung, die geschultert werden müssen. Auch gemein­same Firmen­inhaber können sich mit einer Risiko­lebens­versicherung gegen­seitig absichern.

Tipp: Ein Vergleich von Risiko­lebens­versicherungen lohnt sich, es gibt große Kosten­unterschiede. Die besten und güns­tigsten Verträge finden Sie mit unserem individuellen Vergleich Risikolebensversicherung.

Kapital­lebens­versicherung – als Geld­anlage über­holt

Kapital­lebens­versicherungen waren lange Zeit eine beliebte Geld­anlage. Altverträge, die Kunden vor vielen Jahren abge­schlossen haben, können wegen der hohen garan­tierten Zinsen noch attraktiv sein. Neuabschlüsse sieht Finanztest kritisch. Kapital­lebens­versicherungen sind unflexibel, intrans­parent und vermischen Todes­fall­schutz mit Spar­produkt. Auch zu besseren Zeiten haben wir schon von ihnen abge­raten. Bei einer Kapital­lebens­versicherung zahlt der Kunde monatlich oder jähr­lich Beiträge an seine Versicherung. Einen Teil davon zieht der Versicherer als Kosten ab, ein Teil geht in die Absicherung des Todes­fall­risikos und ein Teil wird angespart. Dieser verbleibende Spar­anteil wird dabei mindestens mit einem Garan­tiezins verzinst. Legt der Versicherer das Geld gut an, gibt es Über­schüsse oben­drauf. Durch die hohen Kosten und die nied­rigen Zinsen am Kapitalmarkt ist bei vielen Kunden in den letzten Jahren die Auszahlung erheblich geringer, als bei Vertrags­beginn vom Versicherer in Aussicht gestellt.

Lesetipp: Finanztest hat die Lebens­versicherungs­verträge seiner Leser ausgewertet und zeigt welche Lücken zwischen Versprechen und der tatsäch­lichen Leistung bei Vertrags­ablauf klaffen. Lesen Sie dazu unser Special Wie Versicherer Rente und Kapitalauszahlung kürzen.

Übrigens: Auch lange nach Vertrags­ende können Kunden vielen Lebens- und Renten­versicherungs­verträgen noch wider­sprechen, wenn diese eine fehler­hafte Belehrung enthalten. Tausende Euro Nach­schlag sind drin. Millionen Verträge sind betroffen. Infos dazu finden Sie in unserem Special Lebensversicherung: Widerspruch kann Tausende Euro bringen.

Lebens­versicherung als private Renten­versicherung

Heute werden statt Kapital­lebens­versicherungen üblicher­weise private Renten­versicherungen verkauft. Bei einer klassischen privaten Renten­versicherung gibt es eine Anspar­phase und eine Renten­phase. In der Anspar­phase zahlt der Versicherte monatlich oder jähr­lich Beiträge an die Versicherung. Einen Teil davon zieht der Versicherer als Kosten ab, der Rest wird angespart und verzinst. Damit nimmt der Versicherer dem Kunden das Risiko der Geld­anlage ab und garan­tiert ihm eine Vermehrung seines Geldes. Der Kunde könnte auch selber am Kapitalmarkt aktiv werden, aber er hätte dort das Risiko, sein Geld schlecht anzu­legen und es zu verlieren. Garan­tiert ist jedoch nur der (nied­rige) Garan­tiezins. Hat der Versicherer eine gute Anla­gestrategie, kommen noch Über­schüsse oben­drauf. Zum Beginn der Renten­phase wird das angesparte Kapital dann wahl­weise ausgezahlt oder in eine lebens­lange Rente umge­wandelt.

Das „Lang­lebig­keits­risiko“ ist geschützt

Der Sparer könnte natürlich selbst sein Erspartes durch 20 Jahre teilen und es lang­sam aufbrauchen. Er hat aber das „Risiko“, dass er doch zehn Jahre länger lebt. Sein Geld wäre dann schon weg. Dagegen schützt der Versicherer seinen Kunden, indem er ihm das „Lang­lebig­keits­risiko“ abnimmt und eine lebens­lange Rente garan­tiert. Mit diesen garan­tierten Leistungen hat der Kunde eine vernünftige Plan­barkeit für die Rente. Natürlich ist eine solche Renten­versicherung aber nur dann eine gute Idee, wenn der Versicherer fair mit seinen Kunden umgeht. Wenn sie über­durch­schnitt­lich alt werden, müssen die Versicherten also mit ihrer Rente aus Garantie plus Über­schuss mehr heraus­bekommen, als sie einge­zahlt haben. Das ist aufgrund hoher Kosten und ungüns­tiger Kapital­anlage aber nicht immer der Fall.

Tipp: Eine lohnende Alternative zu einer privaten Renten­versicherung können freiwil­lige Einzahlungen in die gesetzliche Renten­versicherung sein. Gerade für renten­nahe Jahr­gänge sind die Auszahlungen oft höher. Alle Informationen dazu und weiteren Regeln der gesetzlichen Rente finden Sie in unserem Finanztest Spezial Ihre Rente.

Tipp: Als Direkt­versicherungen gibt es Lebens­versicherungen auch als Betriebs­rente. In Zukunft muss sich ihr Arbeit­geber dann an ihrer Alters­vorsorge beteiligen. Lesen Sie alles, was Sie dazu wissen müssen, in unserem Special Betriebliche Altersvorsorge.

Garan­tiezins von Lebens­versicherungen derzeit bei 0,9 Prozent

Der Garan­tiezins – eigentlich Höchst­rechnungs­zins - ist der Zins, den Lebens­versicherer maximal ansetzen dürfen, wenn sie ihren Kunden vorrechnen, welche Leistung ihnen mindestens garan­tiert wird. Er wird vom Bundes­finanz­ministerium fest­gesetzt. Der Garan­tiezins wird nur auf den Spar­anteil zugesagt, nicht auf den gesamten Beitrag. Der Spar­anteil ist der Anteil am Beitrag, der nach Abzug des Kosten- und Risiko­anteils für die Kapital­anlage zur Verfügung steht. Der Garan­tiezins bei Kapital­lebens­versicherungen und privaten Renten­versicherungen ist in den letzten Jahren immer weiter gesunken, deswegen sind alte Verträge mit hohen garan­tierten Zinsen heute ziemlich lukrativ, weil es diese Zinsen für andere sichere Anlagen nicht mehr gibt.

Lukrative Altverträge

Alte Verträge lohnen sich durch den Garan­tiezins.

Vertrags­abschluss

Garan­tiezins1

Vor Juli 1986

3,00

Ab Juli 1986

3,50

Ab Juli 1994

4,00

Ab Juli 2000

3,25

Ab Januar 2004

2,75

Ab Januar 2007

2,25

Ab Januar 2012

1,75

Ab Januar 2015

1,25

Seit Januar 2017

0,90

    • 1 Die Garan­tieverzinsung wird nicht auf den gesamten Beitrag gewährt, sondern nur auf den Spar­anteil (gezahlter Beitrag minus Kosten der Versicherung für Verwaltung, Vertrieb und Todes­fall­schutz der Police).

    Tipp: Durch die nied­rigen Zinsen und die hohen Kosten können viele Anbieter ihren Kunden nicht mal mehr garan­tieren, dass bei Vertrags­ende zumindest die einge­zahlten Beiträge sicher sind. Welche Versicherer das noch schaffen, welche Alternativen Sie haben und wie Sie Ihren Vertrag optimieren können, zeigt unser Special Verträge im Zinstief – was nun?

    Fonds­gebundene Lebens­versicherung und Renten­versicherung

    Sowohl Kapital­lebens­versicherungen als auch private Renten­versicherungen gibt es auch als fonds­gebundene Angebote, auch Fonds­policen genannt. Dabei werden Teile der Beiträge des Kunden in Fonds investiert. Die Höhe der späteren Auszahlung hängt dann auch davon ab, wie sich die Fonds entwickelt haben. Kommt es zu Kurs­gewinnen fällt die Auszahlung höher aus. Kommt es zu Kurs­verlusten fällt die Auszahlung geringer aus. Bei fonds­gebundenen Lebens­versicherungen ist es wichtig, dass der Sparer regel­mäßig kontrolliert, wie die Fonds in seinem Vertrag laufen. Laufen sie schlecht, hat der Sparer in der Regel die Möglich­keit, die Fonds zu wechseln. Das ist häufig notwendig. Unsere Erfahrungen zeigen, dass unsere Leser häufig teuere und zu spezielle Fonds in ihren Versicherungen haben. Wählt der Sparer dann gute und güns­tige Fonds, hat er eine Chance auf höhere Auszahlungen als bei der klassischen Lebens­versicherung. Jedoch gibt es bei jeder fonds­gebundenen Lebens­versicherung auch das Risiko von Kurs­verlusten und schlecht laufenden Verträgen.

    Tipp: Haben Sie eine Riester-Fonds­police? Unsere Fonds-Experten sehen sich monatlich die Fonds­paletten der Riester-Fonds­policen an und bewerten die dort aufgelisteten Fonds. Unsere Empfehlung für Ihren Vertrag finden Sie in unserem Test Riester Fondspolicen: Durch Fondswechsel mehr herausholen.

    Lebens­versicherung als „neue Klassik“

    Viele Anbieter haben neue Produkte entworfen, die sie als Renten­versicherung verkaufen. Bei diesen Verträgen, im Fachjargon „neue Klassik“ genannt, sind die Garan­tien im Vergleich zur „Klassik“ gesenkt. Nicht mehr die Vermehrung des Kapitals mit dem Garan­tiezins wird garan­tiert, sondern nur noch der Erhalt der vom Kunden einge­zahlten Beiträge. Wichtig: Ein reiner Beitrags­erhalt bedeutet durch die Inflation jedoch eine Entwertung der Kauf­kraft. Die Inflation ist aktuell sehr nied­rig, aber das muss nicht so bleiben. Und selbst bei einer historisch nied­rigen Inflation von 1 Prozent sinkt die Kauf­kraft von 1 000 Euro in 30 Jahren auf nur noch 742 Euro.

    Höhere Über­schüsse in Aussicht gestellt

    Als Ausgleich für die gesunkenen Garan­tien stellen die Versicherer höhere Über­schüsse in Aussicht. „Sicher und trotzdem die Chance auf mehr“ soll die Botschaft sein. Klingt toll, doch in Zahlen sind die Extras eher ernüchternd. 0,3 Prozent­punkte mehr Gesamt­verzinsung aus den Über­schüssen zahlt etwa die Allianz ihren „neuen“ Kunden 2016 im Vergleich zu den Kunden mit der „alten“ klassischen Renten­versicherung. Für die Renten­phase lassen sich die Anbieter mit den neuen Produkten viele Freiheiten. Denn wie die höheren Über­schüsse verrentet werden, das wollen die meisten Anbieter erst entscheiden, wenn es so weit ist und der Kunde in Rente geht. Die Plan­barkeit ist dahin.

    Tipp: Als reine, recht sichere Spar­produkte ohne Verrentung sind die neuen Verträge okay (Vergleich Private Rentenversicherung).

    Über­schüsse der Lebens­versicherung

    Die Auszahlung aus einer Kapital­lebens­versicherung oder privaten Renten­versicherung, die nicht auf Fonds basiert, besteht aus dem garan­tierten Teil, den der Kunde wegen des Garan­tiezinses auf jeden Fall erhält, und einem varia­blen aus Über­schüssen. Über­schüsse bestehen größ­tenteils aus Gewinnen, die der Versicherer mit dem Kundengeld am Kapitalmarkt über das hinaus erwirt­schaftet, was er seinen Kunden durch den Garan­tiezins zugesagt hat. Zu einem kleineren Teil speisen sich Über­schüsse aus Kostengewinnen. Sie fallen an, weil Lebens­versicherer ihre Verwaltungs­kosten hoch ansetzen. Sind die tatsäch­lichen Kosten nied­riger, werden die Über­schüsse den Kunden gutgeschrieben. Zusätzlich erhöhen Risikogewinne die Über­schuss­beteiligung. Sie entstehen, wenn weniger Versicherte sterben als kalkuliert. Die Unternehmen müssen dann weniger Todes­fall­leistungen auszahlen. Viele Versicherer zahlen nur einen Teil der Über­schüsse laufend aus und einen Teil zum Ende des Vertrags. Der Schluss­über­schuss wird ausgezahlt, wenn der Vertrag regulär abläuft, nur teil­weise auch bei Kündigung oder Tod des Kunden.

    Lebens­versicherung kündigen – Rück­kaufs­wert oft nied­rig

    Laufende Lebens­versicherungen lassen sich kündigen. Dieser Schritt sollte allerdings sehr gut über­legt sein. Der Versicherer zahlt dem Kunden dann nur den sogenannten Rück­kaufs­wert, der nach Abzug der Kosten über­bleibt. Ein großer Teil der Kosten wird in den ersten Jahren von den Beiträgen abge­zogen, so dass über lange Zeit weniger Geld im Vertrags­guthaben ist als Beiträge einge­zahlt wurden. Eine Kündigung führt dann zu Verlusten. Wenn der Vertrag sehr teuer ist und sehr schlecht läuft, ist ein Ende mit Schre­cken jedoch häufig sinn­voller als eine Schre­cken ohne Ende. Wenn Sie nur noch wenige Jahre bis zum Vertrags­ablauf haben, ist es aber am besten Ihren Vertrag durch­zuhalten. So profitieren Sie wenigs­tens noch vom Schluss­über­schuss. Lassen Sie sich von unseriösen Vermitt­lern nicht drängen, vorzeitig zu kündigen.

    Steuer­vorteile bei alten Lebens­versicherungen

    Wenn Sie das Geld nicht dringend brauchen, sollten Sie eine Kündigung alter Verträge gut prüfen. Denn häufig haben die alten Verträge Vorteile, die Sie heute nicht mehr bekommen würden. Ein großes Plus einer Lebens­versicherung, die Sie vor 2005 abge­schlossen haben: Sie können die Beiträge groß­teils als Sonder­ausgaben steuerlich absetzen. Lassen Sie sich das Kapital später auf einen Schlag auszahlen, müssen Sie die Erträge nicht versteuern – wenn bestimmte Voraus­setzungen erfüllt sind. So müssen Sie fünf Jahre lang Beiträge gezahlt haben, der Vertrag muss seit mindestens zwölf Jahren laufen und die Todes­fall­summe muss mindestens 60 Prozent der Beiträge betragen. Für einen Vertrag aus früheren Jahren bekommen Sie außerdem deutlich höhere Garan­tiezinsen als heute (siehe oben). Vergleich­bar sichere und hohe Zinsen sind heute bei Geld­anlagen nicht zu haben, zumal der Haupt­teil der Kosten bezahlt ist. Eine alte Lebens­versicherung kann ein guter Baustein der Alters­vorsorge sein. Ist die Versicherung mit einer Berufs­unfähigkeits­versicherung verbunden, sollten Sie den Vertrag behalten (Vergleich Berufsunfähigkeitsversicherung). Eine neuer Vertrag erfordert eine erneute Gesund­heits­prüfung.

    Lebens­versicherung verkaufen

    Eine weitere Alternative zur Kündigung einer Lebens­versicherung ist es, die Lebens­versicherung zu verkaufen. Die Käufer von Lebens­versicherungen zahlen dem Kunden ein paar Prozent mehr als den Rück­kaufs­wert, den er bei Kündigung von seinem Versicherer bekäme. Sie bieten mehr Geld, weil sie die Lebens­versicherung selbst weiterführen und so den Teil des Gewinns einstreichen, der nur fällig ist, wenn der Vertrag durch­gehalten wird. Einen kleinen Teil dieses Gewinns bekommt der Kunde, der ihnen die Police verkauft hat, als Aufschlag. Eigentlich ist das eine gute Idee, doch tummeln sich auf dem Markt leider viele dubiose Firmen. Wählen Sie nur Angebote von Unternehmen, die den Kauf­preis in einer Summe auszahlen. Es gibt Firmen, die nur einen Teil des Betrags auszahlen und den Rest in monatlichen Raten, oft über zehn Jahre und länger verteilt. Ob es die Firma dann noch gibt, ist ungewiss. Seien Sie auch miss­trauisch, wenn ein Unternehmen das Geld aus Ihrer Lebens­versicherung gleich in Anlagen investieren will, die Ihnen angeblich 150 Prozent und mehr des Rück­kaufs­werts bringen, den Sie vom Versicherer bekämen. Holen Sie sich im Zweifels­fall Rat bei einer Verbraucherzentrale oder einem gericht­lich zugelassenen unabhängigen Versicherungs­berater, bevor Sie Ihre Police verkaufen.

    Lebens­versicherung beleihen

    Für kurz­fristigen Geldbedarf gibt es auch die Möglich­keit, die Lebens­versicherung zu beleihen und sie nicht zu kündigen. Der Versicherer gewährt meist ein Policendarlehen bis zur Höhe des aktuellen Rück­kaufs­werts. Es muss spätestens bei Ablauf oder im Leistungs­fall der Versicherung zurück­gezahlt werden. Der Zins für das Darlehen ist deutlich höher als die Verzinsung der Police selbst. Es lohnt sich deshalb oft nur bei einer kurzen Lauf­zeit, etwa wenn noch vier Jahre bis zum Ende der Lauf­zeit über­brückt werden sollen. Es gibt neben den Versicherungen selbst auch Dritt­anbieter, deren Konditionen güns­tiger sein können. Auf ihren Internet­seiten gibt es Lebens­versicherungs-Rechner, die ein Angebot ausrechnen. Kunden sollten die Angebote vergleichen.

    Steuer auf Auszahlung der Lebens­versicherung oft günstig

    Gerade alte Lebens­versicherungs­verträge sind steuerlich sehr günstig: Erlebt der Versicherungs­nehmer den Vertrags­ablauf, müssen Kunden mit Altverträgen oft weder mit Finanz­amt noch Sozialkassen teilen: Die Leistung bleibt steuerfrei, wenn der Vertrag bis zum 31. Dezember 2004 abge­schlossen wurde und in einer Summe ausgezahlt wird. Weitere Voraus­setzungen:

    • Bis zu Auszahlung, Verkauf oder vorzeitiger Kündigung hatte die Police eine Lauf­zeit von mindestens zwölf Jahren und
    • mindestens fünf Jahre lang wurden Beiträge einge­zahlt.
    • Bei nach dem 31. März 1996 abge­schlossenen Verträgen (bei Direkt­versicherungen über den Arbeit­geber nach dem 31. Dezember 1996) muss der Todes­fall­schutz außerdem mindestens 60 Prozent der Beitrags­summe über die gesamte Lauf­zeit betragen haben.

    Verträge nach 2005 steuer­pflichtig

    Anfang 2005 wurden für Neuverträge Steuerprivilegien gekippt. Lässt sich ein Kunde das Kapital auszahlen, muss er auf die Erträge aus Lebens­versicherungen nun 25 Prozent Abgeltung­steuer plus Solidaritäts­zuschlag und eventuell Kirchen­steuer zahlen – nach Abzug des Sparerpausch­betrags von 801 Euro für Ledige und 1 602 Euro für Paare. Allerdings zahlt sich hier Geduld für Sparer aus, denn unter zwei Bedingungen greift eine ermäßigte Besteuerung:

    • Der Vertrag muss eine Mindest­lauf­zeit von zwölf Jahren aufweisen und
    • die Auszahlung darf erst nach dem 60. Geburts­tag des Versicherungs­nehmers erfolgen, bei Vertrags­abschluss ab 2012 erst ab dem 62. Lebens­jahr.

    Frühestens Anfang 2017 können also Kunden mit Neuverträgen ab 2005 steuer­begüns­tigt die Auszahlung behalten. Werden die Voraus­setzungen erfüllt, sind nur 50 Prozent der Erträge steuer­pflichtig, dann aber mit dem individuellen Steu­ersatz . Die ermäßigte Besteuerung gilt auch für fonds­gebundene Lebens­versicherungs­verträge, bei denen die Versicherungs­gesell­schaft die Beiträge während der Lauf­zeit in Fonds investiert hat.

    Bei Rente nur Ertrags­anteil

    Soll das Kapital aus der Versicherung als monatliche Rente ausgezahlt werden, gilt nur der „Ertrags­anteil“ als steuer­pflichtiges Einkommen. Das heißt, nur ein Teil der Rente muss tatsäch­lich versteuert werden. Die prozentuale Höhe richtet sich nach dem Alter bei Renten­beginn. Wer mit 65 in Rente geht muss zum Beispiel nur 18 Prozent der Rente mit seinem persönlichen Steu­ersatz versteuern.

    Rente teil­weise steuer­pflichtig

    So wird der steuer­pflichtige Anteil einer als Rente ausgezahlten Lebens­versicherung ermittelt.

    Renten­beginn mit dem … Lebens­jahr

    59

    60/61

    62

    63

    64

    65 / 66

    67

    68

    Ertrags­anteil (Prozent)

    23

    22

    21

    20

    19

    18

    17

    16

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