Jeder Deutsche wirft im Jahr rund 82 Kilogramm Lebens­mittel in den Müll. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Stuttgart für das Verbraucher­schutz­ministerium. Allerdings: Viele Menschen wollen ihr Verhalten jetzt ändern.

Privathaushalte werfen das Meiste weg

Insgesamt knapp 11 Millionen Tonnen Lebens­mittel werden in Deutsch­land pro Jahr als Abfall entsorgt. Für über die Hälfte davon sind die privaten Haushalte verantwort­lich. Dort landen fast sieben Millionen Tonnen im Müll. Pro Kopf sind das mehr als 80 Kilogramm – jedes Jahr. Der Rest entfällt auf Industrie, Handel und Groß­verbraucher wie Restaurants und Kantinen.

Geld in den Müll

Mehr als die Hälfte des Lebens­mittel­abfalls, der in privaten Haushalten anfällt, wäre laut der Studie vermeid­bar. Das kostet bares Geld: Privathaushalte werfen demnach ganz oder teil­weise genieß­bares Essen im Wert von über 20 Milliarden Euro weg. Pro Kopf sind das 235 Euro im Jahr, die die Verschwendung von Lebens­mitteln kostet. Den größten Anteil an vermeid­baren Speise­abfällen machen dabei Obst und Gemüse aus, gefolgt von Back­waren.

Wert­schät­zung für Lebens­mittel fehlt

Lebens­mittel­verschwendung Meldung

Als Haupt­gründe für die Verschwendung von Lebens­mitteln bei privaten Verbrauchern nennt die Studie unter anderem die mangelnde Wert­schät­zung von Lebens­mitteln. Das sei bedingt durch die ständige Verfügbarkeit und das im EU-Vergleich nied­rige Preis­niveau in Deutsch­land. Außerdem führten Fehlkäufe, Fehl­planung beim Einkauf, die falsche Aufbewahrung und der Ablauf des Mindest­halt­barkeits­datums dazu, dass Lebens­mittel im Müll landen. Lebens­mittel stärker wert zu schätzen, kann durch den Kauf bestimmter Lebens­mittel gelingen. Bioprodukte etwa stehen für eine umwelt­verträgliche und tiergerechte Produktion. Und fair gehandelte Lebens­mittel versprechen, dass die Menschen in der Herstellungs­kette fair behandelt und angemessen bezahlt wurden. Viele Tests sowie umfassende Informationen über Biolebens­mittel und nach­haltige Lebens­weise stehen im test Spezial Grüner leben.

Forsa sieht einen Wandel im Umgang mit Nahrung

Die Wert­schät­zung von Lebens­mitteln scheint aber im Wandel zu sein. So verweist das Bundes­verbraucher­ministerium auf eine neue Forsa-Umfrage, nach der jetzt vor allem junge Leute ihren Umgang mit Lebens­mitteln verändern würden. Unter dem Eindruck der laufenden Debatte über das Mindest­halt­barkeits­datum habe etwa ein Viertel der 14- bis 29-Jährigen Ihren Umgang mit Nahrung gewandelt. In den übrigen Alters­gruppen seien es zwischen 10 und 16 Prozent gewesen.

Einfrieren, prüfen, hinterfragen

Die Studie der Uni Stutt­gart zum Wegwerf-Verhalten zeigt: Viele Lebens­mittel, die auf dem Müll landen, wären noch genieß­bar. Ein großer Faktor dabei ist das Mindesthaltbarkeitsdatum. Verbraucher sollten das eher als Gütekriterium verstehen und die Halt­barkeits­frist hinterfragen, denn Lebens­mittel verderben meist nicht schlag­artig. Angebrochene Lebens­mittel können einfach mit allen Sinnen über­prüft werden. Das Verbrauchs­datum leicht verderb­licher Ware wie Frisch­fleisch ist aber ernst zu nehmen. Auch durch Einfrieren und kreative Resteküche können weniger Lebens­mittel verschwendet werden. Mehr Hintergrund­informationen zum Thema Lebens­mittel­reste bietet die Seite www.zugutfuerdietonne.de des Verbraucher­schutz­ministeriums. Und der Resterechner zeigt, wie viel Energie und wie viel Geld verschwendet wird, wenn bestimmte Nahrungs­mittel in die Tonne wandern.

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