Ob Bäcker, Szenelokal oder Imbiss: In jedem vierten Betrieb, den deutsche Lebens­mittel­kontrolleure 2011 untersuchten, stellten sie Verstöße fest. Insgesamt über­prüften sie fast 550 000 Betriebe. Die Ergeb­nisse von 2011 entsprechen den Bilanzen der Jahre zuvor. Haupt­kritik­punkte: Mangelnde Hygiene im Betrieb, aber auch Fehler bei der Kenn­zeichnung von Speisen und Getränken. Deutlich mehr zu bemängeln gab es diesmal an Gegen­ständen, die mit Lebens­mitteln in Kontakt kommen – zum Beispiel wegen schädlicher Stoffe in Verpackungen und Kochgeräten.

44 Prozent der Betriebe kontrolliert

Die Kontrolleure statteten nach einem Bericht des Bundes­amts für Verbraucher­schutz und Lebens­mittel­sicherheit 548 233 Betrieben im vergangenen Jahr über 933 000 Besuche ab. Damit besichtigten sie nicht ganz die Hälfte der 1,24 Millionen registrierten Betriebe, die der amtlichen Lebens­mittel­über­wachung unterliegen. Im Fokus stehen solche Betriebe, bei denen das Risiko besonders hoch ist – etwa Fleischer, Gastronomie und Groß­küchen. Die Kontrolleure kommen in der Regel unangemeldet. Sie prüfen unter anderem, ob Lebens­mittel richtig gekenn­zeichnet sind und wie sauber der Betrieb ist. Dabei interes­siert sie besonders, wie der Unternehmer selbst die Hygiene sicher­stellt, ob er sein Personal schult oder wie er Eigen­kontrollen durch­führt (zum Special Arbeitsalltag eine Lebensmittelkontrolleurs). Und da gibt es in Deutsch­land noch einiges zu verbessern: Die Hygiene im Betrieb sowie Mängel in Schulung und Eigen­kontrolle wurden 2011 am häufigsten bean­standet.

Fisch­lieb­haber im Lokal getäuscht

Die Kontrolleure nahmen auch über 400 000 Proben von Lebens­mitteln. 13 Prozent davon waren auffällig, darunter vorrangig Lebens­mittel für besondere Ernährungs­zwecke wie Sport­lernahrung oder Nahrungs­ergän­zungs­mittel, gefolgt von Alkohol, Zuckerwaren und Fleisch. Die Hälfte verstieß gegen Kenn­zeichnungs­vorschriften, 18 Prozent der Lebens­mittel enthielten Keime. Gesundheitlich unbe­denk­lich, aber Verbraucher­täuschung: Bei jeder dritten von 210 untersuchten Proben von Seezunge in Restaurants handelte es sich gar nicht um Seezunge, sondern um andere Fisch­arten. Laut Volker Kregel, dem Vorsitzender der Länder­arbeits­gemeinschaft Verbraucher­schutz, ist das kein Einzel­fall. Bei Stich­proben in Häfen seien auch schon angebliche Jakobs­muscheln als billige Kamm­muscheln entlarvt worden und Rotwels entpuppte sich als Pangasius.

Schädliche Stoffe aus der Packung

Grund zur Besorgnis bietet eine steigende Zahl von Verstößen bei Lebens­mittel-Bedarfs­gegen­ständen. Das waren 2011 vor allem Schad­stoffe in Koch­löffeln, Pfannenhebern oder auch Plastiktel­lern, die beim Zubereiten und Erhitzen in die Speisen übergehen. Negativ fiel auch Verpackungs­material auf: Besteht eine Packung aus Recycling­papier, können kritische Mineral­ölbestand­teile aus den Druck­farben in das Lebens­mittel übergehen – wenn es nicht durch eine weitere Hülle geschützt ist. Das berichten nicht nur die BVL-Verantwort­lichen. Das hat auch die Stiftung Warentest vor zwei Jahren im Test von Kloßpulver und Kochbeutelknödel mehr­mals fest­gestellt. Tier­versuche zeigen, dass der Körper Mineral­ölsub­stanzen speichert und sie Leber, Herz­klappen und Lymph­knoten schädigen können. Auch ein Krebs­risiko ist nicht auszuschließen.

Nahrungs­ergän­zungs­mittel aus dem Netz

Während über 1 000 Kontrollen in Groß­küchen und Groß­kantinen im Jahr 2011 ein positives Bild ohne größere Schwach­stellen gezeigt haben, bleibt die Kontrolle des Internet­handels mit Lebens­mitteln die große Heraus­forderung der nächsten Jahre. Dafür startete das Bundes­amt für Verbraucher­schutz und Lebens­mittel­sicherheit (BVL) 2011 ein eigenes Pilot­projekt, das ab Mitte 2013 dauer­haft weitergeführt werden soll. Erschre­ckend: Ein Viertel der Firmen, die online Lebens­mittel verkaufen, sind nicht registriert und der Über­wachung nicht bekannt. Bei den reinen Onlinehänd­lern trifft das sogar auf 40 Prozent zu. Das BVL will deshalb eine Registrierungs­pflicht durch­setzen. Außerdem warnt es Verbraucher davor, allzu sorglos Schlank­heits- oder Schön­heits­mittel, aber auch Anti-Aging-Produkte oder Sport­lernahrung im Netz zu kaufen. Viele Mittel enthielten gesund­heits­schädliche Substanzen.

Tipp: Wenn Sie im Netz einkaufen wollen, sollten Sie sich vorher informieren. Das BVL hat dafür einen Info-Flyer zusammen­gestellt. Auch die Stiftung Warentest stößt in ihren Unter­suchungen immer wieder auf kritische Inhalts­stoffe gerade bei Nahrungs­ergän­zungs­mitteln, zuletzt bei Produkten aus Algen Algenpräparate: Die grüne Gefahr.

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