Lebensmittelklarheit.de Meldung

Hundert Tage nach Start des Verbraucher­portals lebensmittel­klarheit.de zogen die verant­wortlichen Verbraucher­zentralen und das Bundes­ministerium für Verbraucher­schutz heute eine positive Zwischen­bilanz: Die Verbraucher meldeten mehr als 3 800 Produkte, von denen sie sich getäuscht fühlten.

3 800 Meldungen, 72 Produkte online

Das Internetportal lebensmittelklarheit.de ist auf gewaltiges Interesse gestoßen. Mehr als 3 800 Produkte haben die Verbraucher schon gemeldet, weil sie sich von Etikett oder Aufmachung getäuscht fühlen. Die meisten Beschwerden konnten noch nicht bearbeitet werden, zurzeit befinden sich 900 Meldungen in der Auswertung. Nicht immer aber handelt es sich laut Verbraucherzentralen dabei um relevante Täuschungen. Immerhin stehen schon 72 Produkte online, deren Aufmachung die Mitarbeiter als kritikwürdig eingestuften.

Aroma statt echtem Fruchtsaft

Lebensmittelklarheit.de Meldung

Foto: Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.

Foto: Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.

Am häufigsten beschweren sich Verbraucher über Produkte, deren Etiketten und Aufmachung mehr versprechen als der Inhalt tatsächlich bietet. So enthielt zum Beispiel das Getränk Bonaqa Pfirsich-Maracuja statt Maracujasaft nur natürliches Maracuja-Aroma. Viele Verbraucher ärgern sich auch über unklare Herkunftangaben. Die Verbraucherschützer prangerten zum Beispiel eine Sylter Salatsoße an, die weder auf Sylt hergestellt worden sei noch einer Sylter Tradition entspreche. Für reichlich Unmut unter Verbrauchern sorgen auch Werbeaussagen wie „ohne Geschmackverstärker“, obwohl Zutaten mit ähnlicher Wirkung im Zutatenverzeichnis stehen.

Positiv: Hersteller reagieren auf Kritik

Insgesamt 27 Hersteller haben auf die Kritik der Verbraucher reagiert. Sie kündigten an, die Aufmachung oder sogar die Rezeptur ihrer Produkte zu verändern. So soll ein Orangen-Curry-Ketchup bald auch wirklich Orangenschalen enthalten, eine Bananenschokolade echte Banane.

200 000 Euro zusätzlich

Die Kapazitäten der Mitarbeiter der Verbraucherzentralen reichen nicht, um den Ansturm an Meldungen sofort zu bearbeiten. Das Bundesministerium für Verbraucherschutz hat jetzt zusätzlich 200 000 Euro bereit gestellt, um das Personal und die Speicherkapazitäten für das Internetportal aufzustocken. Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes Gerd Billen betonte, dass das Internetportal für Transparenz sorge und keinen Internetpranger darstelle. Das hatte die Industrie vor dem Start befürchtet.

Auch Stiftung Warentest entlarvt Etikettenschwindel

Auch die Stiftung Warentest entlarvt in ihren Lebensmitteltests immer wieder Produkte, die unzureichend gekennzeichnet sind und den Verbraucher sogar täuschen:

  • 9 von 25 Erdbeerjogurts kamen im Prüfpunkt Deklaration über die Note ausreichend nicht hinaus, weil notwendige Informationen fehlten oder zu viel versprochen wurde.
  • Unter 22 Balsamicos ermittelten die Tester viele Produkte, die nicht die geschützte geografische EU-Angabe „Aceto Balsamico di Modena“ verdienten.
  • Bei den meisten Smoothies monierte die Stiftung Warentest, dass die auf der Packung übergroß abgebildeten Früchte nur zu Bruchteilen im Getränk steckten.
  • Bei den Würzölen fielen unter anderem Öle negativ auf, die statt der erwarteten edlen Trüffeln oder Steinpilze nur Aromen enthielten.

Einen Überblick über Kennzeichnungsverstöße aus den Tests der vergangenen Jahre verschafft der Artikel Etikettenschwindel.

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