Grüner, natur­getreuer Apfel auf dem Etikett, aber nur ein Fantasiearoma im Wasser – so wurde das Getränk Volvic Apfel lange verkauft. Dafür gab es reichlich Kritik, auch von der Stiftung Warentest. Jetzt hat die Firma Danone Waters Deutsch­land sich nach­träglich vor Gericht verpflichtet, das aromatisierte Wasser Volvic Apfel nicht mehr mit der früheren Aufmachung und Deklaration zu vermarkten. Geklagt hatte der Verbraucherzentrale Bundes­verband wegen Irreführung.

Klage geht auf Unter­suchung der Stiftung Warentest zurück

Lebens­mittel­kenn­zeichnung Meldung

Links das alte Produkt „Volvic Apfel“, rechts das neue „Volvic Touch Apfel­geschmack“.

Volvic Apfel gehörte lange zu den bekann­testen Wässern mit Geschmack: Auf den Flaschen prangte das Foto eines reifen, grünen Apfels nebst Bezeichnung „Apfel“; im Zutaten­verzeichnis stand „Apfelaroma“ (siehe Foto). Doch Aufmachung und Kenn­zeichnung passten nicht zum Inhalt der Flaschen: Volvic Apfel enthielt statt Apfelaroma, das voll­ständig aus Aroma­stoffen des Apfels bestehen muss, ein Fantasiearoma mit nicht natürlichen Aroma­stoffen. Das hatten Labor­analysen der Stiftung Warentest im Jahr 2013 bei der Prüfung von Wässern mit Geschmack ergeben. Für die Tester war das Verbraucher­täuschung, ebenso die Aufmachung: Der Name Volvic Apfel sowie die natur­getreue Abbildung des Apfels auf der Flaschenfront lasse Frucht­bestand­teile erwarten. Denn in den Leitsätzen für Erfrischungsgetränke des Deutschen Lebensmittelbuchs steht: „Natur­getreue Abbildungen von Früchten werden nur dann verwendet, wenn der jeweilige Frucht­saft und/oder das jeweilige Frucht­mark enthalten sind.“

Wo Apfel drauf steht, sollte auch Apfel drin sein

Die Tester bean­standeten weitere Produkte aus gleichen Gründen. Der Befund der Stiftung Warentest sowie Anfragen von Verbrauchern zu Volvic Apfel haben den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) eigenen Angaben zufolge veranlasst, gegen den Anbieter Danone Waters Deutsch­land zu klagen. Der Gegen­stand: Der Verbraucher werde beim Anblick der Flasche in die Irre geführt, da er ein Getränk mit Apfel­bestand­teilen erwarte. Zudem entspreche die Angabe von „Apfelaroma“ nicht der EU-Aromen­ver­ordnung, da das Produkt keine Aroma­stoffe aus dem Apfel enthalte.

Zunächst Entscheidung für Danone Waters Deutsch­land

In einer ersten Verhand­lung vor dem Land­gericht Frank­furt am Main hatte Danone Waters Deutsch­land den Rechts­streit zunächst für sich entschieden: In der Urteils­verkündung vom April 2014 hieß es, dass der verständige Verbraucher eine klares, farbloses Getränk wahr­nehme und keineswegs ein Getränk mit Apfelsaft oder Apfelmark erwartete. Die Bezeichnung „Apfel“ plus Apfel­abbildung sowie das „Apfelaroma“ im Zutaten­verzeichnis wiesen in erster Linie auf den Geschmack hin.

Am Ende gewinnen die Verbraucherschützer

Die Verbraucherschützer nahmen das Urteil nicht hin und gingen in die nächste Instanz, also vor das Ober­landes­gericht Frank­furt am Main. „Das Gericht brachte in der mündlichen Verhand­lung zum Ausdruck, dass es unserer Auffassung folgen werde“, sagt Susanne Einsiedler, die beim Verbraucherzentrale Bundes­verband den Rechts­streit betreut hat. Schließ­lich hat sich Danone Waters Deutsch­land per Unterlassungs­erklärung vor dem Ober­landes­gericht Frank­furt am Main verpflichtet, das Produkt Volvic Apfel in seiner früheren Aufmachung und Kenn­zeichnung nicht mehr auf den Markt zu bringen. Das betrifft laut Protokoll der Öffentlichen Sitzung etwa das Foto eines Apfel nebst Schrift­zug „Apfel“ und den Begriff „Apfelaroma“ im Zutaten­verzeichnis – sofern keine Aroma­stoffe aus dem Apfel enthalten sind.

Bei Verstoß gegen die Selbst­verpflichtung droht Vertrags­strafe

Sollte sich der Anbieter nicht an die Absprache halten, wäre eine Vertrags­strafe zu zahlen. Das Unternehmen erklärte sich bereit, die Kosten des Rechts­streits zu über­nehmen. „Das Ergebnis verbuchen wir als großen Erfolg für eine bessere Lebens­mittel­kenn­zeichnung“, sagt Susanne Einsiedler vom vzbv. Doch bedauert sie, dass sich das Gericht wegen der freiwil­ligen Kosten­über­nahme von Danone Waters Deutsch­land nicht mehr im Rahmen einer Kosten­begründung schriftlich zur Sache äußern müsse.

Präzedenzfall Teekanne – BGH-Urteil steht noch aus

In einem vergleich­baren Rechts­streit, den der vzbv gegen die Firma Teekanne führte, liegt seit Juni 2015 ein Urteil des Europäischen Gerichts­hofs (EuGH) zum aromatisierten Früchtetee „Felix Himbeer-Vanille-Abenteuer“ vor. Danach dürfen Anbieter auf einer Lebens­mittel­verpackung keine Zutaten abbilden, die das Produkt laut Zutaten­liste nicht enthält. Mit der Entscheidung folgt der EuGH der Argumentation des vzbv. Der Sach­verhalt: Auf der Verpackung des aromatisierten Früchte­tees „Felix Himbeer-Vanille-Abenteuer“ waren Himbeeren und Vanilleblüten abge­bildet, obwohl der Tee laut Zutaten­verzeichnis weder natürliche Vanille- noch Himbeer­bestand­teile enthielt. Nach Ansicht des EuGH kann eine Etikettierung, die nicht vorhandene Zutaten darstellt, Käufer irreführen. Ob sich der Bundes­gerichts­hof (BGH) bei seiner noch ausstehenden nationalen Entscheidung dieser Auffassung anschließen wird, ist aber noch offen.

Auf „Volvic Apfel“ folgt „Volvic Touch Apfel­geschmack“

Inzwischen wird Volvic Apfel nicht mehr auf der Internetseite von Volvic beworben, auch bei einer exemplarischen Sichtung in Berliner Supermärkten fand sich das Produkt nicht mehr. Statt­dessen wird dort ein Wasser mit Geschmack namens „Volvic Touch Apfel­geschmack“ angeboten. Auf der Vorderseite ist ein stilisierter, gezeichneter Apfel abge­bildet – direkt daneben findet sich das Wort „Apfel­geschmack“. Im Zutaten­verzeichnis steht an letzter Stelle „natürliches Aroma“. Ein natürliches Aroma muss nicht aus Äpfeln hergestellt sein, sondern nur aus natürlichen pflanzlichen oder tierischen Ausgangs­stoffen gewonnen werden – mit einem zulässigen Verfahren. „Die Aufmachung und die Kenn­zeichnung von Volvic Touch Apfel­geschmack ist jetzt etwas klarer; auf die Abbildung eines Apfels könnte aber auch verzichtet werden“, sagt Susanne Einsiedler vom Verbraucherzentrale Bundes­verband.

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