Lebens­mittel­kenn­zeichnung Meldung

Nähr­wert­kenn­zeichen helfen, gesund einzukaufen.

Grün oder rot? Neue Skalen auf der Vorderseite von Lebens­mitteln sollen helfen, Lebens­mittel mit güns­tiger und weniger güns­tiger Nähr­stoff­zusammenset­zung zu erkennen. Mit dem Nutri-Score etwa lassen sich Produkte wie Joghurts und Limonaden schnell vergleichen. Seit März 2019 sind die ersten Lebens­mittel mit diesem neuen, freiwil­ligen Kenn­zeichnungs­element auf dem deutschen Markt. Nun hat auch das staatliche Max-Rubner-Institut (MRI) ein Modell zur Nähr­wert­kenn­zeichnung vorgelegt.

Was das Max-Rubner-Institut vorschlägt

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Mit der Wabenform setzt das Max-Rubner-Institut auf bewährte Formen­sprache.

Der Entwurf des MRI setzt anders als die meisten anderen Kenn­zeichnungs­systeme – darunter auch der Nutri Score – nicht auf Ampel­farben. Statt­dessen sollen wabenförmige Felder zu fünf Inhalts­stoffen (gesättigte Fett­säuren, Fett, Salz, Zucker und Energie) in verschiedenen Stufen der Farbe Blaugrün Orientierung bieten. Dabei gilt: Je dunkler der Farbton, desto gesünder. Eilige Käufer können sich außerdem an einem Sterne-System orientieren, entliehen bei der Bewertung von Hotels: Lebens­mittel erhalten hier von einem Stern bis fünf Sterne – je mehr Sterne ein Produkt trägt, umso güns­tiger ist es zusammengesetzt. Mit dem Entwurf will das Rubner-Institut eine Brücke bauen zwischen „den verschiedenen Interessen, die bei der Einführung einer Nähr­wert­kenn­zeichnung zu berück­sichtigen sind“, so das Institut. Sie solle im Ideal­fall für alle einen gang­baren Weg darstellen.

Ernährungs­ministerin will Verbraucher befragen

Bundes­ernährungs­ministerin Julia Klöckner (CDU) hat für den Sommer zusätzlich „eine wissenschaftlich fundierte, valide und repräsentative Verbraucherbefragung mit einer Hand­voll Systeme“ angekündigt. Es gehe darum heraus­zufinden, welches Kenn­zeichnungs­modell für die Verbraucher tatsäch­lich verständlich sei und von ihnen gewünscht werde, so die Ministerin in einer Presse­mitteilung. „Das Ergebnis, das etwa Anfang Herbst fest­stehen wird, werden wir empfehlen und der EU zur Notifizierung vorlegen, um die erforderliche Rechts­sicherheit bei der Anwendung durch die Unternehmen garan­tieren zu können.“

Was ist der Nutri-Score?

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Hinter dem Nutri-Score stehen sowohl Verbraucherschützer als auch Marken wie Danone.

Im Gegen­satz zum MRI-Modell setzt der Nutri-Score auf Mehr­farbigkeit: Eine fünf­stufige Farb­skala von A bis E, die auf der Vorderseite von Lebens­mitteln stehen kann. So soll der Nutri-Score Kunden helfen, sich gesünder zu ernähren. Sie sollen auf einen Blick erkennen können, ob ein Lebens­mittel oft auf dem Tisch landen darf oder ob es eher die Ausnahme bleiben sollte. Ein hervorgehobenes A zum Beispiel steht für einen hohen ernährungs­physiologischen Wert und ein E bedeutet, dass dieses Lebens­mittel nach­teilig ist. Das Konzept für den Nutri-Score haben unabhängige Ernährungs­wissenschaftler aus Frank­reich und England entwickelt. Studien bestätigen, dass Verbraucher diese Nähr­wert­kenn­zeichnung als verständlich empfinden und dass sie ihre Lebens­mittel­auswahl positiv beein­flussen kann. Auch der Verbraucherzentrale Bundes­verband sowie Verbraucherschützer aus weiteren Ländern Europas befür­worten den Nutri-Score. In Frank­reich tragen bereits seit 2017 einige verarbeitete Lebens­mittel den Nutri-Score, in Belgien und Spanien seit 2018.

Bisher Produkte von Danone, Iglo und Bofrost

Seit März 2019 bietet auch der deutsche Handel erste Lebens­mittel mit Nutri-Score an, zum Beispiel Danones „Frucht­zwerge“. Beim Tiefkühl­kost­hersteller Iglo finden Kunden die Kenn­zeichnung auf der Website für ihre Produkte; der Heimliefer­dienst Bofrost hat seine Produkte im Online-Shop entsprechend ausgezeichnet. Wie in Frank­reich, Belgien und Spanien ist der Nutri-Score auch in Deutsch­land eine freiwil­lige Aktion von Lebens­mittel­anbietern.

Einst­weilige Verfügung gegen Iglo

Am 16. April 2019 hat das Land­gericht Hamburg eine einst­weilige Verfügung (411 HKO 9/19) gegen Iglo erlassen, um die Kenn­zeichnung von Verpackungen für vier Produkte mit dem Nutri-Score zu unterbinden. Laut eines Sprechers sind folgende Produkte betroffen: Filegro Traditioneller Ofen-Back­fisch, Schlemmer-Filet mit Rahm­spinat, Blatt-Spinat und Chicken Nuggets Cheese. Nach Einschät­zung des Land­gerichts verstoße die Darstellung des Nutri-Scores auf diesen Produkten gegen europäische Vorschriften zur Lebens­mittel­kenn­zeichnung und sei daher im geschäftlichen Verkehr unzu­lässig. Den Antrag auf einst­weilige Verfügung hatte der Schutz­verband gegen Unwesen in der Wirt­schaft e. V. mit Sitz in München gestellt.

So wird der Nutri-Score berechnet

Für die ernährungs­physiologische Einordnung von Lebens­mitteln verrechnen die Anbieter güns­tige und ungüns­tige Nähr­stoffe. Die Basis für die Nutri-Score-Berechnung hat das französische Gesund­heits­ministerium veröffent­licht. Negativ zu Buche schlagen Kalorien, Zucker, gesättigte Fett­säuren und der Salz­bestand­teil Natrium. Für diese Nähr­stoff­gruppen gibt es jeweils eine bestimmte Punkt­zahl – von 0 (optimal) bis 40 (schlecht). Für vorteilhafte Ballast­stoffe, Eiweiß, Obst, Gemüse und Nüsse werden umge­kehrt wieder Punkte abge­zogen – von 0 (nichts vorhanden) bis 15 (viel der vorteilhaften Nähr­stoffe). Je nied­riger das Gesamt­ergebnis, desto besser. Es bestimmt, welcher Buch­stabe hervorgehoben wird. Der Nutri-Score wird nicht für Portionen, sondern für 100 Gramm oder 100 Milliliter eines Produkts berechnet. Das Bewertungs­systeme für Getränke ist strenger als für alle anderen Lebens­mittel.

Tabelle Kategorien Nutri-Score

Für Lebens­mittel: Gesamt­punkt­zahl

Dieser Buch­stabe ist hervorgehoben

Für Getränke: Gesamt­punkt­zahl

-15 bis -1 Punkte

A

Gilt nur für Wasser

0 bis 2 Punkte

B

-15 bis 1 Punkte

3 bis 10 Punkte

C

2 bis 5 Punkte

11 bis 18 Punkte

D

6 bis 9 Punkte

19 Punkte und mehr

E

10 und mehr Punkte

      Berechnungs­beispiele für konkrete Produkte

      Auf den „Frucht­zwergen“ sticht ein hell­grünes B hervor – das signalisiert, dass dieses Produkt zum regel­mäßigen Verzehr geeignet ist. Bei Produkten, die eher unausgewogen zusammengesetzt sind wie Danone Dany Schoko + Sahne, blinkt dann ein gelbes C. Hier die Berechnung dahinter:

      Danone Frucht­zwerge

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      Negative Komponenten: + 4 Punkte (Energie, Gesamt­zucker, gesättigte Fett­säuren)
      Positive Komponenten: - 3 Punkte (Protein)
      Gesamt­rechnung: 4 - 3 = 1
      Nutri-Score: B

      Danone Dany Schoko + Sahne

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      Negative Komponenten: + 7 Punkte (Energie, Gesamt­zucker, gesättigte Fett­säuren)
      Positive Komponenten: - 1 Punkt (Protein)
      Gesamt­rechnung: 7 - 1 = 6
      Nutri-Score: C

      Eine Über­sicht über die detaillierte Berechnungen für diese zwei Beispiele sowie für weitere Produkte finden Sie in der Tabelle Nutri-Score.

      Die Nachteile des Nutri-Scores

      Der Nutri-Score hat auch Lücken: So fließen manche positive Inhalts­stoffe wie Omega-3-Fett­säuren und Vitamine nicht in die Bewertung ein. Und einigen an sich empfehlens­werten Mono­produkten dürfte die Kenn­zeichnung nicht gerecht werden: Olivenöl zum Beispiel bekäme wegen seines Fett­anteils von 100 Prozent Minus­punkte, aber für seine vorteilhaften ungesättigten Fett­säuren keine Plus­punkte. Außerdem können Verbraucher im Geschäft nicht nach­voll­ziehen, wie die Berechnung zustande gekommen ist. Sie müssen sich im Internet über die Berechnungs­grund­lage informieren – das ist mühsam.

      Der Unterschied zwischen Nutri-Score und Ampel

      In Groß­britannien können die Anbieter von Lebens­mitteln den Anteil bestimmter Nähr­werte nach einem Ampelsystem kenn­zeichnen. Das heißt, dass die Gehalte an gesättigten Fett­säuren, Zucker und Salz pro 100 Gramm jeweils durch eine der drei Ampel­farben ausgedrückt werden. Bei Grün ist nur wenig enthalten, bei Gelb mäßig viel und Rot steht für kritische Mengen. Im Vergleich zu diesem Ampel­system ist der Nutri-Score integrativer: Er verrechnet nicht einzelne Komponenten eines Lebens­mittels, sondern mehrere. Welt­weit existieren noch viele weitere Modelle der Lebens­mittel­kenn­zeichnung, wie das Health Star Rating System in Australien oder das Heart Symbol aus Finnland.

      Welche Lebens­mittel­kenn­zeichnung gilt in Deutsch­land?

      In Europa und somit auch in Deutsch­land gilt die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV). Seit Ende 2016 müssen auf allen verpackten Lebens­mitteln sieben Nähr­werte tabellarisch angegeben sein – der Energiegehalt sowie die Gehalte an Fett, gesättigten Fett­säuren, Kohlenhydraten, Zucker, Eiweiß und Salz. Die einheitliche Bezugs­größe auf 100 Gramm oder 100 Milliliter macht den Vergleich von Produkten einer Kategorie möglich. Die Nachteile: Die Angaben stehen nicht auf einen Blick verständlich auf der Frontseite eines Produkts, zudem ziehen sie in der Regel kein Fazit.

      Die Suche nach der optimalen Kenn­zeichnung

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      Auch der Bund für Lebens­mittel­recht und Lebens­mittel­kunde geht mit einem Vorschlag ins Rennen.

      Das Max-Rubner-Institut hat neben dem Nutri-Score noch weitere Kenn­zeichnungs­systeme aus dem Ausland ausgewertet und bewertet keines als optimal. Dem Nutri-Score bescheinigt das MRI immerhin, dass er „auf fundierten und wissenschaftlich halt­baren Erkennt­nissen der Verbraucher­forschung“ beruhe und nicht irreführe. Es lägen Nach­weise vor, dass der Nutri-Score „vom Durch­schnitts­verbraucher verstanden werden“ könne. Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde BLL, der künftig Lebens­mittel­verband Deutsch­land heißen soll, hat im Namen der deutschen Lebens­mittel­industrie ein eigenes Modell zur Nähr­wert­kenn­zeichnung vorgeschlagen. Danach sollen Kreis­diagramme die Mengen an Kalorien, Fett, Zucker und Salz eines Produkts im Verhältnis zur empfohlenen Tages­menge darstellen. Die Bezugs­größe soll grund­sätzlich 100 Gramm oder 100 Milliliter sein.

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      Diese Meldung ist erst­mals am 19. April 2019 auf test.de erschienen. Sie wurde am 28. Mai 2019 aktualisiert.

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