Lebensmittelallergie Meldung

Lebensmittelallergiker haben es schwer. Fast überall im Essen können sich Allergene verstecken.

Mal eben im Supermarkt eine Tafel Schokolade zu den Einkäufen legen? Das kann ich mit meiner Nussallergie vergessen“, sagt Petra F. „Auf den Tafeln steht meist: ‚Kann Spuren von Nüssen enthalten.‘ Für mich wäre das gefährlich.“ Auf Nüsse reagiert sie allergisch und bereits kleinste Mengen davon können ihren Körper zu einer außergewöhnlichen Reak­tion veranlassen. Ihre Haut überzieht sich mit rötlichen Quaddeln, ihr Immunsystem spielt verrückt. Es kann schädigende Stoffe nicht von harmlosen Substanzen unterscheiden. Ihr Organismus produziert extrem viele Antikörper, vor allem Immunglobulin E (IgE).

Schock schon durch Spuren

Lebensmittelallergie Meldung

Auf die übertriebene Reaktion ihres Körpers verzichten Allergiker liebend gern. Deshalb meiden sie auch Spuren „ihres“ Allergens. Was aber nicht so einfach ist. Spuren sind kleinste Mengen von unbeabsichtigt in Lebensmittel gelangten Allergenen – zum Beispiel durch die Verarbeitung verschiedener Produkte wie Milch­scho­ko­lade und Nussschokolade in derselben Maschine oder auch nur im gleichen Betrieb. Weil Spuren keine Zutat sind, müssen sie nicht auf der Verpackung stehen. Es gibt keine Kennzeichnungspflicht. Allergiker müssen also mit Überraschungen rechnen. Bei unserem Spaghettitest fanden wir zum Beispiel Spuren eines hitzestabilen Hühnereiweißallergens ohne Hinweis in den Fit-for-Fun-Nudeln. Da Allergiker auf winzigste Mengen reagieren können – schlimmstenfalls mit einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen (allergischen) Schock –, sichern sich viele Hersteller freiwillig ab mit einem Satz wie „Kann Spuren von ... enthalten“. Was auch von Nachteil sein kann: Manche Betroffene verzichten im Zweifel unnötig auf Produkte, die sie vor dieser Kennzeichnung ohne Beschwerden gegessen haben. Die uneinheitliche Kennzeichnung macht Einkaufen für Allergiker zum Balanceakt.

Neue Zutatenkennzeichnung

Seit November 2005 gibt es einen Fortschritt für Lebensmittelallergiker. Auf Beschluss der Europäischen Kommission müssen die zwölf häufigsten Allergieauslöser auf der Zutatenliste erscheinen: Eier, Milch, Nüsse, Fisch, Krebstiere, Erdnüsse, Schwefeldioxid, Gluten, Soja, Sellerie, Sesam und Senf – jedenfalls dann, wenn sie als Zutat verwendet wurden.

Aber: Lose verkaufte Ware wie das Brötchen beim Bäcker oder das Essen im Restaurant muss nicht gekennzeichnet werden. Auch bei Minipackungen wie der Marmelade im Hotel dürfen die Angaben fehlen. Auch hier wäre eine genaue Kennzeichnung wichtig. Die Erfahrung zeigt: Den meisten Allergikern, die einen lebensbedrohlichen Schock erleiden, ist nicht klar, dass sie etwas gegessen haben, in dem das Allergen enthalten war.

Pseudoallergie und Unverträglichkeit

Wer nach dem Essen zum Beispiel mit Kribbeln im Mund reagiert, muss nicht an einer Allergie leiden – es kann sich dann einfach um eine Unverträglichkeit handeln. Unverträglichkeiten reichen vom starken Widerwillen gegen bestimmte Speisen bis hin zu den sogenannten Pseudoallergien. Sie sind schwieriger zu diagnostizieren als echte Allergien. Die Symptome können zwar ähnlich sein, das Immunsystem ist aber nicht beteiligt. Pseudoallergien werden durch natürlicherweise in Lebensmitteln enthaltene Stoffe wie Histamin oder durch Zusatzstoffe ausgelöst. Sie sind stark von Menge oder Konzentration der Auslöser abhängig, sodass schon Maßhalten helfen kann. Spuren werden für Pseudoallergiker deshalb nicht zum schwerwiegenden Problem.

Ein Kreuz mit den Kreuzallergien

Ein Hinweis auf eine echte Allergie gegen Lebensmittel kann eine schon bestehende Pollenallergie sein: Wer Heuschnupfen hat und ein pelziges Gefühl auf der Zunge oder Durchfall bekommt, wenn er Äpfel isst, leidet wahrscheinlich an einer Kreuz­allergie. Manche Allergene ähneln sich, weshalb bestimmte Kombinationen besonders häufig vorkommen: Birkenpol­len­allergiker sind oft gegen Äpfel und Haselnuss sensibilisiert, Beifußpollenallergiker gegen Sellerie und Karotten. Trotzdem vertragen die meisten Pollenallergiker Lebensmittel gut, weil die Sensibilisierung zwar im Blut nachweisbar ist, aber nicht zu Beschwerden führt. Schon vorbeugend Obst oder Nüsse vom Speiseplan zu streichen, ist nicht sinnvoll. Wer nur leichten Juckreiz im Mund nach dem Essen verspürt, muss nicht verzichten.

Fertiggerichte enthalten oft Allergene

Der Trend zu Fertiggerichten begünstigt das Auftreten von Allergien. Stark verar­beitete Produkte enthalten oft stark allergene Stoffe wie Erdnuss, Soja, Sellerie oder Gewürzmischungen. Ein Zusammenhang zwischen Ernährungsgewohnheiten und Allergien zeigt sich auch an ländertypischen Allergien: In den USA sind Erdnuss­allergien verbreitet, in Spanien Fischallergien. Seit mehr exotische Früchte gegessen werden, gibt es auch mehr Allergien gegen Kiwi oder Mango. Wer her­ausfinden möchte, gegen welche Nahrungsmittel er allergisch ist, sollte ein Ernährungstagebuch führen.

Hilfreiches Tagebuch

Schreiben Sie auf, was Sie essen und wann Sie welche Beschwerden bekommen. So können Sie den Kreis der möglichen Allergieauslöser einschränken. Das beim Allergologen im Blut bestimmte IgE und auch die Reaktion im Hauttest helfen weiter. Echte Klarheit bringt im Zweifelsfall nur ein Provokationstest: Zu einer allergenarmen Kost – unter anderem mit Kartoffeln, Reis, Wasser – werden dabei schrittweise einzelne Nahrungsmittel hinzugefügt, bis Beschwerden auftreten.

Allergikersiegel

Die Europäische Stiftung für Allergieforschung (ECARF) will Lebensmittelallergikern mit einem Siegel zu mehr Überblick verhelfen. Es wird für Lebensmittel vergeben, deren Kennzeichnung über die gesetzliche Norm hinausgeht und deren Hersteller Verbraucher bei Fragen zu Allergien unterstützen. Außerdem steht es für geprüfte Qualitätssicherung mit dem Ziel, auch Spuren von Allergenen auszu­schließen. Absolute Sicherheit kann es aber auch nicht garantieren. Und bisher hat erst ein Unternehmen das Siegel bekommen – ein Hersteller von Schinken.

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