Lebens­mittel mit Hanf Manchmal mehr THC als erlaubt

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Lebens­mittel mit Hanf - Manchmal mehr THC als erlaubt
Von Tee bis Schokolade – Hanf-Produkte sind im Trend. © Getty Images, Stiftung Warentest / Thomas Vossbeck (M)

Hanfhaltige Nahrungs­mittel liegen im Trend. Berauschende Wirk­stoffe dürfen sie aber praktisch keine enthalten. Doch darauf ist nicht immer Verlass. Zu diesem Ergebnis kommen sowohl das Bundes­institut für Risiko­bewertung (BfR) als auch das Chemische und Veterinär­unter­suchungs­amt Karls­ruhe in zwei Unter­suchungen. Vor allem Tees und die trendigen Produkte mit extrahiertem Cannabidiol (CBD) erwiesen sich als kritisch.

Hanf in Öl, Tees, Müslis und Riegeln

Immer öfter prangen Hanf­blätter auf den Verpackungen von Ölen, Riegeln, Schokolade, Limos und Tees. Diese Lebens­mittel werden über­wiegend aus Samen, aber auch aus Blättern und Blüten von Nutzhanf hergestellt. Die Hanfsaat kann man auch lose kaufen und sich etwa übers Müsli streuen. Neuerdings sind auch vermehrt Nahrungs­ergän­zungs­mittel und Kaugummis mit dem extrahierten Hanf-Inhalts­stoff Cannabidiol (CBD) im Umlauf. Sowohl die klassischen Lebens­mittel als auch die neuen CBD-Produkte dürfen keine berauschende Wirkung entfalten. Das heißt: Sie dürfen die EU-Referenz­werte für den in Hanf psycho­aktiv wirkenden Stoff Tetrahydrocannabinol (THC) nicht über­schreiten.

Lang­zeit­auswertung des BfR: Etliche Tees mit zu viel THC

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat Unter­suchungen von gut 200 herkömm­lichen Hanf­lebens­mitteln durch die amtliche Lebens­mittel­über­wachung im Zeitraum 2007 bis 2016 ausgewertet. Danach über­schritten etliche Produkte – insbesondere Tees – die Referenz­werte. Mögliche Folgen: Müdig­keit und einge­schränkte Reaktions­fähig­keit.

BfR ruft Anbieter zu mehr Sorgfalt auf

In vielen Hanf­lebens­mitteln wie Hanföl, Schokolade und Riegeln sind nur die Hanf­samen verarbeitet. Die Samen sind von Natur aus frei von THC, können aber durch Kontakt mit THC-haltigen Blättern oder Blüten mit dem Stoff verunreinigt sein. Das hatte das Bundes­institut für Risiko­bewertung in seiner Lang­zeit­analyse fest­gestellt und die Anbieter zu mehr Sorgfalt aufgerufen.

Blätter und Blüten enthalten THC

In Tees aus Hanf­blättern und Lebens­mitteln mit Hanf­blüten finden sich nicht selten über­mäßig hohe Gehalte an THC, ergab die BfR-Analyse. Das ist auch kein Wunder, da die Drüsen auf Hanf­blättern und -blüten von Natur aus THC enthalten – wobei die Gehalte je nach Pflanze variieren können. Blätter für Tee und Extrakte dürfen EU-weit nicht mehr als 0,2 Prozent THC aufweisen. Kürzlich musste Biohändler Dennree einen Grüntee mit Hanf wegen zu viel THC zurück­rufen.

Aktuelle Studie bean­standet CBD-Produkte

Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe hat in seiner aktuellen Unter­suchung von Hanf­produkten den Schwer­punkt auf Nahrungs­ergän­zungs­mittel und Kaugummis mit Cannabidiol (CBD) gelegt. Unterm Strich fielen 28 von insgesamt 49 Proben durch zu viel THC auf. Sie seien als „nicht sicher“ zu beur­teilen. 24 der betroffenen Produkte enthielten CBD, auch drei Hanf­tees fanden sich unter den bean­standeten Proben. Alle über­schritten die ähnlich angelegten Sicher­heits­levels der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa oder des Bundesinstituts für Risikobewertung (vormals BgVV). Klassische Hanf­lebens­mittel wie Speiseöle und Riegel bezeichnete das Amt als „unpro­blematisch“.

Nicht aufgereinigte Extrakte

Je höher der Cannabidiol-Anteil in einem CBD-Produkt sei, desto mehr THC sei erfahrungs­gemäß enthalten – „in Einzel­fällen sogar im Bereich eines normalen Joints“, heißt es aus dem Amt in Karls­ruhe. Die THC-Belastungen seien als Verunreinigungen durch die zugesetzten Cannabidiol-Extrakte zu betrachten. Die Extrakte werden aus der gesamten Hanf­pflanze gewonnen. Hersteller müssten die Extrakte bearbeiten, um reines – und somit nicht „high“ machendes – Cannabidiol abzu­trennen. Doch das unterbleibe offensicht­lich aus Kostengründen, erläutert das Amt.

Pharmakologische Eigenschaften von CBD

Das CVUA Karls­ruhe stufte zudem alle Produkte mit CBD als „nicht verkehrs­fähig“ ein, weil sie keine Zulassung als neuartige Lebens­mittel („Novel Food“) hatten. Eine derartige Zulassung oder alternativ eine Zulassung als Arznei­mittel wäre nach Einschät­zung des Bundesinstituts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) aber angebracht. Begründung: CBD habe eindeutig pharmakologische Eigenschaften – es könne etwa entspannungs­fördernd oder krampf­lösend wirken und die Wirkung von Arznei­mitteln verändern. Eine berauschende Wirkung wie THC hat reines CBD aber nicht. Mancher Anbieter umgeht die Forderung nach der Novel-Food-Zulassung, indem er CBD-Öl etwa als Aromaöl zum Riechen unter die Leute bringt.

Tipp: Verzehren Sie Hanf­produkte – vor allem Tee – nur selten. Kinder, Schwangere, Stillende sollten ganz darauf verzichten.

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UBERU am 25.11.2020 um 19:29 Uhr
Ernährungsphysiologie

Hanföl gehört in seiner Zusammensetzung der ungesättigten Fettsäuren zu den wertvollsten Lebensmitteln, die für eine gesunde Ernährung zur Verfügung stehen. Mag sein, dass jemand nach dem Essen keine Wirkung verspürt, aber das ist nach einem Apfel auch nicht kaum anders, abgesehen vom Fructosegenuß. Endzündlichen Prozessen im Körper wird ein enorm starker Widersacher entgegen gesetzt. Das Produkt wird mir bekannterweise im deutschsprachigen Raum angebaut und verarbeitet. Daher ist auch der Nachhaltigkeit mehr Rechnung getragen wie bei manchem SUPERFOOD, das überkontinetal verfrachtet wird.
Aufgrund der aufwendigen Produktionsverfahren ist ein gewisser Hochpreisanteil nachvollziehbar, aber genau auch aus dieser Sicht besonders deshalb Testadäquat, da alternativ nur werbefinanzierte Inhalte zur Verfügung steht ohne Aussagen zu Schadstoffen etc. Auf gehts, WT.

neherw am 11.10.2020 um 16:24 Uhr
Zuerst mal dagegen, abratend, gefählich,

Chemie ist nutzbar, weil in wissenschaftlichen Untersuchungen die Wirksamkeit
nachgewiesen ist.
Würde man zuerst die Nebenwirkungen nennen würden die meisten Arzneimittel,
nicht gekauft werden.
Bei der Akkupunktur musste man in Deutschland lange Untersuchungen machen,
Die in China schon lange neben der westlichen Meidzin eingesetzt wurden.
Meine Frau hatte oft sehr starke Migräne, 3 Tage weggetreten, dann Akkupunktur
über Köhnlechner in München, seit dieser Zeit keine Migräne mehr
So scheint es auch bei CBD zu sein.
Ich habe seit 11 Jahren durch Diabetes diabetische Neuropatie, teils sehr schmerzhaft. Ich nehme seit 3 Wochen CBD Öl 2x2 Tropfen 10 %, die Schmerzen sind fast weg, jeden Tag besser.
Die Medizin sollte ausbrechrechen aus dem Chemie - Käfig, das tun schon einige Äzte, noch zu wenig

Profilbild Stiftung_Warentest am 13.08.2020 um 08:35 Uhr
CBD Öl

@Kingapi: Vielen Dank für Ihre Testanregung, die wir gerne in unsere reglmäßigen Planungsrunden aufnehmen. (bp)

Kingapi am 10.08.2020 um 17:57 Uhr
CBD Öl

Wann gibt es den mal ein Test über CBD öl Mfg Joachim Apelt

fudo0165 am 11.01.2020 um 11:59 Uhr
Geschäftsmodell

Ich glaube, dass hier viele Unternehmen mithilfe der teuren cbd-Öle die Nöte von Betroffenen ausnützen. Wer derartige Produkte kauft (ich auch), hat meist schon viele andere Medizin-Produkte probiert und ist damit gescheitert. Hier wird die Not der Menschen ausgenützt und die Wirkung ist gleich NULL!