Lebens­mittel mit Hanf Meldung

Von Tee bis Schokolade – Hanf-Produkte sind im Trend.

Hanfhaltige Nahrungs­mittel liegen im Trend. Berauschende Wirk­stoffe dürfen sie aber praktisch keine enthalten. Doch darauf ist nicht immer Verlass. Zu diesem Ergebnis kommen sowohl das Bundes­institut für Risiko­bewertung (BfR) als auch das Chemische und Veterinär­unter­suchungs­amt Karls­ruhe in zwei Unter­suchungen. Vor allem Tees und die trendigen Produkte mit extrahiertem Cannabidiol (CBD) erwiesen sich als kritisch.

Hanf in Öl, Tees, Müslis und Riegeln

Immer öfter prangen Hanf­blätter auf den Verpackungen von Ölen, Riegeln, Schokolade, Limos und Tees. Diese Lebens­mittel werden über­wiegend aus Samen, aber auch aus Blättern und Blüten von Nutzhanf hergestellt. Die Hanfsaat kann man auch lose kaufen und sich etwa übers Müsli streuen. Neuerdings sind auch vermehrt Nahrungs­ergän­zungs­mittel und Kaugummis mit dem extrahierten Hanf-Inhalts­stoff Cannabidiol (CBD) im Umlauf. Sowohl die klassischen Lebens­mittel als auch die neuen CBD-Produkte dürfen keine berauschende Wirkung entfalten. Das heißt: Sie dürfen die EU-Referenz­werte für den in Hanf psycho­aktiv wirkenden Stoff Tetrahydrocannabinol (THC) nicht über­schreiten.

Lang­zeit­auswertung des BfR: Etliche Tees mit zu viel THC

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat Unter­suchungen von gut 200 herkömm­lichen Hanf­lebens­mitteln durch die amtliche Lebens­mittel­über­wachung im Zeitraum 2007 bis 2016 ausgewertet. Danach über­schritten etliche Produkte – insbesondere Tees – die Referenz­werte. Mögliche Folgen: Müdig­keit und einge­schränkte Reaktions­fähig­keit.

BfR ruft Anbieter zu mehr Sorgfalt auf

In vielen Hanf­lebens­mitteln wie Hanföl, Schokolade und Riegeln sind nur die Hanf­samen verarbeitet. Die Samen sind von Natur aus frei von THC, können aber durch Kontakt mit THC-haltigen Blättern oder Blüten mit dem Stoff verunreinigt sein. Das hatte das Bundes­institut für Risiko­bewertung in seiner Lang­zeit­analyse fest­gestellt und die Anbieter zu mehr Sorgfalt aufgerufen.

Blätter und Blüten enthalten THC

In Tees aus Hanf­blättern und Lebens­mitteln mit Hanf­blüten finden sich nicht selten über­mäßig hohe Gehalte an THC, ergab die BfR-Analyse. Das ist auch kein Wunder, da die Drüsen auf Hanf­blättern und -blüten von Natur aus THC enthalten – wobei die Gehalte je nach Pflanze variieren können. Blätter für Tee und Extrakte dürfen EU-weit nicht mehr als 0,2 Prozent THC aufweisen. Kürzlich musste Biohändler Dennree einen Grüntee mit Hanf wegen zu viel THC zurück­rufen.

Aktuelle Studie bean­standet CBD-Produkte

Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe hat in seiner aktuellen Unter­suchung von Hanf­produkten den Schwer­punkt auf Nahrungs­ergän­zungs­mittel und Kaugummis mit Cannabidiol (CBD) gelegt. Unterm Strich fielen 28 von insgesamt 49 Proben durch zu viel THC auf. Sie seien als „nicht sicher“ zu beur­teilen. 24 der betroffenen Produkte enthielten CBD, auch drei Hanf­tees fanden sich unter den bean­standeten Proben. Alle über­schritten die ähnlich angelegten Sicher­heits­levels der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa oder des Bundesinstituts für Risikobewertung (vormals BgVV). Klassische Hanf­lebens­mittel wie Speiseöle und Riegel bezeichnete das Amt als „unpro­blematisch“.

Nicht aufgereinigte Extrakte

Je höher der Cannabidiol-Anteil in einem CBD-Produkt sei, desto mehr THC sei erfahrungs­gemäß enthalten – „in Einzel­fällen sogar im Bereich eines normalen Joints“, heißt es aus dem Amt in Karls­ruhe. Die THC-Belastungen seien als Verunreinigungen durch die zugesetzten Cannabidiol-Extrakte zu betrachten. Die Extrakte werden aus der gesamten Hanf­pflanze gewonnen. Hersteller müssten die Extrakte bearbeiten, um reines – und somit nicht „high“ machendes – Cannabidiol abzu­trennen. Doch das unterbleibe offensicht­lich aus Kostengründen, erläutert das Amt.

Pharmakologische Eigenschaften von CBD

Das CVUA Karls­ruhe stufte zudem alle Produkte mit CBD als „nicht verkehrs­fähig“ ein, weil sie keine Zulassung als neuartige Lebens­mittel („Novel Food“) hatten. Eine derartige Zulassung oder alternativ eine Zulassung als Arznei­mittel wäre nach Einschät­zung des Bundesinstituts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) aber angebracht. Begründung: CBD habe eindeutig pharmakologische Eigenschaften – es könne etwa entspannungs­fördernd oder krampf­lösend wirken und die Wirkung von Arznei­mitteln verändern. Eine berauschende Wirkung wie THC hat reines CBD aber nicht. Mancher Anbieter umgeht die Forderung nach der Novel-Food-Zulassung, indem er CBD-Öl etwa als Aromaöl zum Riechen unter die Leute bringt.

Tipp: Verzehren Sie Hanf­produkte – vor allem Tee – nur selten. Kinder, Schwangere, Stillende sollten ganz darauf verzichten.

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