Lebens­mittel Meldung

Natur­katastrophe, Strom­ausfall, Cyber­anschlag – das Bundes­amt für Bevölkerungs­schutz und Katastrophen­hilfe rät, sich für den Fall der Fälle einen Nahrungs­mittel­vorrat anzu­legen. Im Internet machen verschiedene Anbieter Geschäfte mit der Angst und verkaufen teure Notfall­pakete. test.de erklärt, woran „Prepper“ beim Bevor­raten denken sollten – und ob Rund­umpakete wirk­lich sinn­voll sind.

Geschäfte mit der Angst

„Sind Sie vorbereitet? In diesen unruhigen Zeiten sollte jeder einen soliden Notvorrat im Haus haben“, heißt es auf der Home­page des Anbieters notvorsorge.com, der neben Lang­zeit­lebens­mitteln auch Atem­schutz­masken und Macheten verkauft. Die Schweizer Sichersatt AG wirbt: „Notvorrat ist eine Versicherung – mit realen, essbaren Gütern!“ Die Firma Survicamp verschickt derzeit Flyer, auf denen in großen, drohenden Lettern „14 Tage Strom­ausfall“ steht – der Anbieter bewirbt damit „Lang­zeit-Lebens­mittel für die ganze Familie“. Zielgruppe sind zum einen Prepper, also Menschen, die jeder­zeit mit einer Katastrophe rechnen und dementsprechend vorbereitet sein wollen – mit Notfall­ruck­säcken, Werk­zeugen zum Über­leben in der Natur, Waffen zur Selbst­verteidigung. Aber die Anbieter wittern auch bei jenen ein Geschäft, die sich bislang wenig Gedanken über Krisen gemacht haben, die das öffent­liche Leben bedrohen könnten.

Selbst einkaufen meist billiger

Die Vorsorge für den Ernst­fall hat ihren Preis, denn die Anbieter verlangen viel Geld für ihre Vorratspakete: Zirka 280 Euro kosten zum Beispiel vegetarische 30-Tage-Notfall­packs für eine Person. Enthalten ist laut Anbieter Survicamp unter anderem sehr viel Essen in Pulverform, dazu Müsliriegel, ein paar Konserven­dosen, Voll­korn­brot. Wer die Produkte einzeln einkauft, das Pulver teils durch Konserven ersetzt, kann bis zu 100 Euro sparen – und die Lebens­mittel nach individuellen Vorlieben auswählen. Dazu rät auch das Bundes­amt für Bevölkerungs­schutz und Katastrophen­hilfe (BBK): „Berück­sichtigen Sie bei Ihrer Planung persönliche Vorlieben, Diät­vorschriften und Allergien“, heißt es in der "persönlichen Checkliste", die man auf der Internetseite des BBKs herunter­laden kann. Darin wird von einem täglichen Energiebedarf von 2 200 Kilokalorien ausgegangen. Die Tages­rationen der kommerziellen Notfall­pakete liegen oft darunter.

Konserven besser als Pulver

In der Check­liste des Bundes­amtes wird auch empfohlen, Gemüse, Hülsenfrüchte und Fertigge­richte in Gläsern und Dosen einzulagern, weil sie bereits gekocht sind und nicht mehr zubereitet werden müssen. Für getrock­nete Produkte wird zusätzlich Flüssig­keit benötigt, die womöglich vom dringend benötigten Trink­wasser abge­zweigt werden muss. Ein Mensch kann ungefähr drei Wochen ohne Nahrung auskommen, aber höchs­tens vier Tage ohne Flüssig­keit. Da ist jeder Tropfen wert­voll. Das BBK schätzt den Getränkebedarf eines Erwachsenen auf 1,5 Liter pro Tag – plus einem halben Liter für die Zubereitung von Grund­nahrungs­mitteln wie Nudeln, Reis oder Kartoffeln.

Vorrat für 14 Tage im Krisenfall ausreichend

Viele Notfall­paket-Anbieter brüsten sich mit der außergewöhnlich langen Halt­barkeit ihrer Produkte: „Mind. 15 Jahre halt­bar (mit Garantie)“. Konserven aus dem Lebens­mittel­handel kämen da nicht heran. Doch wer einkauft, was ihm sowieso gut schmeckt, kann den Vorrat ebenso gut regel­mäßig verbrauchen und erneuern – und sich teure Extrem-Lang­zeit­nahrung sparen. Das BBK erachtet übrigens einen 14-Tage-Vorrat für den Krisenfall als ausreichend. Spätestens danach sollte eine Grund­versorgung der Bevölkerung wieder gewähr­leistet sein. Bei den kommerziellen Anbietern geht es oft erst mit 30-Tage-Paketen los. Tipps für die Bevor­ratung gibt neben dem BBK auch das Bundes­ministerium für Ernährung und Land­wirt­schaft auf www.ernaehrungsvorsorge.de. Mit Hilfe eines Vorratskalkulators kann man dort seinen individuellen Bedarf ausrechnen.

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