Natur­katastrophe, Strom­ausfall, Cyber­anschlag, Pandemie – das Bundes­amt für Bevölkerungs­schutz und Katastrophen­hilfe empfiehlt, für den Fall der Fälle Nahrungs­mittel­vorräte anzu­legen. Nicht erst seit Corona machen Anbieter via Internet Geschäfte mit der Angst und verkaufen teure Notfall­pakete. test.de verrät, was davon zu halten ist, wie Sie billiger vorsorgen können – und welche Lebens­mittel sich gut für den Vorrats­schrank eignen.

Geschäfte mit der Angst

„Notvorrat ist eine Versicherung – mit realen, essbaren Gütern“, wirbt die Schweizer Firma Sichersatt für ihre Lang­zeit­lebens­mittel. Der Online-Anbieter ration1.de verspricht, seine Konserven-Pakete seien auch „ohne Notfall ein Genuss“. Einige Anbieter − darunter manche dubiose und mit Verbindungen zu verschwörungs­ideologischen oder rechten Gruppen und Verlagen − verkaufen neben Lebens­mitteln unter anderem Toiletten­papier plus Camping­toiletten, Mund-Nase-Masken oder gar martia­lisch anmutende Pfeffer­spraybehälter in Pistolenform.

Vorbereitet auf den Notfall

Ihre Zielgruppe waren bislang vor allem sogenannte Prepper, also Menschen, die jeder­zeit mit einer Katastrophe rechnen und dementsprechend vorbereitet sein wollen – mit Notfall­ruck­säcken, Werk­zeugen zum Über­leben in der Natur, Waffen zur Selbst­verteidigung. Aber die Anbieter wittern auch bei jenen ein Geschäft, die sich vor der Corona-Pandemie eher wenig Gedanken über Krisen gemacht haben, die das öffent­liche Leben bedrohen könnten − jetzt aber potenzielle Kunden werden könnten.

Selbst einkaufen meist billiger

Die professionelle Vorsorge für den Ernst­fall hat ihren Preis, denn die Anbieter verlangen zum Teil viel Geld für ihre Vorratspakete: Knapp 300 Euro kostet zum Beispiel der 16-Tage-Notvorrat für zwei Personen von Sichersatt. Enthalten sind laut Anbieter unter anderem Milch- und Voll­leipulver, Gemüse­konserven, dazu kalorienreiche Weizenriegel. Doch wer die Produkte einzeln einkauft, kann nach unseren Berechnungen mehr als 100 Euro sparen – und zudem die Lebens­mittel nach individuellen Vorlieben auswählen.

Individuelle Bedürf­nisse berück­sichtigen

Dazu rät auch das Bundes­amt für Bevölkerungs­schutz und Katastrophen­hilfe (BBK): „Berück­sichtigen Sie bei Ihrer Planung persönliche Vorlieben, Diät­vorschriften und Allergien“, heißt es in der persönlichen Checkliste, die man auf der Internetseite des BBKs herunter­laden kann. Darin wird von einem täglichen Energiebedarf von 2 200 Kilokalorien ausgegangen. Die Tages­rationen der kommerziellen Notfall­pakete liegen oft darunter.

Konserven besser als Pulver

In der Check­liste des Bundes­amtes wird auch empfohlen, Lebens­mittel und Fertigge­richte in Gläsern und Dosen einzulagern, weil sie bereits gekocht sind und nicht mehr zubereitet werden müssen. Was manchem nicht bewusst sein dürfte: Für getrock­nete Produkte wird zusätzlich Flüssig­keit benötigt, die womöglich vom dringend benötigten Trink­wasser abge­zweigt werden muss. Ein Mensch kann ungefähr drei Wochen ohne Nahrung auskommen, aber höchs­tens vier Tage ohne Flüssig­keit. Da ist jeder Tropfen wert­voll. Das BBK schätzt den Getränkebedarf eines Erwachsenen auf 1,5 Liter pro Tag – plus einem halben Liter für die Zubereitung von Grund­nahrungs­mitteln wie Nudeln, Reis oder Kartoffeln.

Vorrat für 10 Tage im Krisenfall ausreichend

Manche Notfall­paket-Anbieter brüsten sich mit der langen Halt­barkeit ihrer Produkte, an die Konserven aus dem Lebens­mittel­handel nicht heran­kämen. Doch wer einkauft, was ihm sowieso gut schmeckt, kann den Vorrat ebenso gut regel­mäßig verbrauchen und erneuern – und sich teure Extrem-Lang­zeit­nahrung sparen. Das BBK erachtet übrigens einen 10-Tage-Vorrat für den Krisenfall als ausreichend. Spätestens danach sollte eine Grund­versorgung der Bevölkerung wieder gewähr­leistet sein. Bei den kommerziellen Anbietern geht es oft erst mit 30-Tage-Paketen los.

Tipps für die Bevor­ratung

Neben dem BBK gibt auch das Bundes­ministerium für Ernährung (BMEL) auf seiner Seite ernaehrungsvorsorge.de Rat zum Vorrat. Mithilfe des Vorratskalkulators kann jeder dort seinen individuellen Bedarf ausrechnen – egal ob Fleisch­esser oder Vegetarier. Nach Einschät­zung des BMEL sollte „ein ausreichender (Not-) Vorrat an Lebens­mitteln für etwa 10 Tage (...) in jedem Haushalt vorhanden sein“. Das helfe nicht nur in Notfällen, sondern mache auch das tägliche Leben leichter, da Vorrats­haltung Zeit spare − und auch Geld, etwa indem man auf Sonder­angebote setzt.

Diese Lebens­mittel eignen sich gut für den Vorrats­schrank

Für die Vorrats­haltung bestens geeignet sind Konserven mit Fisch wie etwa Thunfisch, Obst oder Gemüse. Apfelmus und Apfelmark, Rotkohl oder getrocknete Tomaten halten sich auch im Glas lange. Trockenes wie Reis, Mehl, Zucker, Salz, Kekse, Knäckebrot, Linsen, Bohnen, Instant­brühe, aber auch Pasta wie Spaghetti sind ebenfalls gut zu bevor­raten. Die Vorräte kühl, trocken und dunkel lagern. Sie sollten alle paar Wochen auf Schädlings­befall kontrolliert werden. Produkte mit langer Halt­barkeit stehen am besten hinten im Regal, bald Fälliges vorn.

Diese Meldung ist erst­mals am 21. Juni 2017 auf test.de erschienen. Sie wurde am 3. November 2020 aktualisiert.

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