Lebens­mittel-Liefer­dienste

Verpackungs­müll: Von Papiertüte bis Einmal-Kühlbox

04.10.2018
Lebens­mittel-Liefer­dienste - Wie gut sind Bringmeister, AmazonFresh & Co?
Pappe, Styropor, Folie. MyTime.de verbraucht sehr viel Verpackungs­material. © Stiftung Warentest

Wenn Kunden ihre Lebens­mittel ausgepackt haben, verwandelt sich ein Groß­teil des Schutz­materials in Müll. Wir haben den Verpackungs­aufwand bewertet.

Lebens­mittel-Liefer­dienste Testergebnisse für 10 Lebens­mittel-Liefer­dienste 10/2018

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Online gekaufte Lebens­mittel kommen auf verschiedene Arten zum Kunden nach Hause – im Post­paket aus Pappe, in Tüten oder in Mehrweg-Trans­portkisten. Häufig schützen Folien aus Kunststoff oder Pack­papier Empfindliches wie Eier oder Glasflaschen zusätzlich vor Bruch. Gekühltes wie Räucher­fisch liegt etwa in Styroporboxen auf Kühlakkus. Im Test verursachten die Anbieter unterschiedliche Mengen und Materialien an Müll.

Sehr gut: Food.de nimmt die Mehr­wegboxen wieder mit. Der Lieferant vermeidet Verpackungs­müll. Er bringt Lebens­mittel in einer großen Mehr­wegbox, packt alles aus und nimmt die Kiste wieder mit. Er erhält als einziger die Note sehr gut im Prüf­punkt Verpackungs­abfall. Allerdings fehlte es im Test an Kühlung. Lachs, Mozzarella und Schlagsahne waren oft mit Temperaturen von 15 Grad und mehr deutlich zu warm.

Gut: Drei Anbieter liefern in Papiertüten. Bringmeister, Rewe Liefer­service und AmazonFresh trans­portieren die Lebens­mittel fast ausschließ­lich in Tüten in die Haushalte. Größe, Dicke und Zahl der einge­setzten Papiertüten variiert. Rewe verteilte 13 der georderten Produkte auf fünf dünne Tüten. Das ist viel, erfüllt aber seinen Zweck. Wie die Ökobilanz der Papiertüten ausfällt, hängt von ihrer Weiternut­zung ab. Die Deutsche Umwelt­hilfe rechnet vor, dass eine Papiertüte im Durch­schnitt erst nach drei- bis viermaliger Verwendung an die Klima­bilanz einer erdöl­basierten Plastiktüte heran­reicht. Das liegt daran, dass die Herstellung der Papiertüten aufwendig ist. Sie erfordert viel Holz, Energie und Chemie. Für Tüten aus frischen Fasern gehen mehr Rohstoffe drauf als für Tüten aus recyceltem Altpapier. Die Altpapiertüten reißen allerdings leichter. Im Vergleich zu Kunststoff hat Papier immer die Vorteile, dass es sich gut recyceln lässt und – sollte es in die Umwelt geraten – dort eher schnell verrottet. Im Test bewerten wir daher die fast ausschließ­liche Lieferung in Papiertüten als gut, weil es sich sortenrein sammeln lässt.

Lebens­mittel-Liefer­dienste - Wie gut sind Bringmeister, AmazonFresh & Co?
Tüten-Parade. Rewe Liefer­service verteilt 13 Produkte auf fünf Tüten. © Stiftung Warentest

Befriedigend: teils mit Papier, teils mit Plastik. Einige Onlinehändler verpacken die Lebens­mittel teils in Papier, teils in Kunststoff. Der Müll­mix ist mühsam zu sortieren. Auch AllyouneedFresh wickelt einiges in Plastikfolie, bevor es in dünne Tüten kommt. Sie sollen aus Zucker­rohr bestehen und sind aus ökologischer Sicht gewöhnlichen Plastiktüten aus Erdöl nicht über­legen. Zucker­rohr­tüten etwa zerfallen nur schwer auf dem Kompost und in der Biogas­anlage. Experten raten, sie über den Hausmüll in die Müll­verbrennung zu geben. Zucker­rohr wächst oft in tropischen Mono­kulturen.

Lebens­mittel-Liefer­dienste - Wie gut sind Bringmeister, AmazonFresh & Co?
Alu-Plastik-Kühlbox. Natur.com verpackt Kühl­ware unöko­logisch. © Stiftung Warentest

Lebens­mittel-Liefer­dienste Testergebnisse für 10 Lebens­mittel-Liefer­dienste 10/2018

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Ausreichend und mangelhaft: Pappe, Styropor, Folie und Verbundmaterial. MyTime.de und Amorebio verschi­cken Pakete mit viel Pappe, Styropor und Folie: ausreichend. Zusammen­geklebte Materialien lassen sich schlecht trennen, wie bei der Einweg-Kühlbox von Natur.com. Sie bestand aus Luft­pols­terfolie mit Aluminium-Schicht. Alu kann solo leichter recycelt werden als im Verbund. Dieser Verpackungs­abfall ist mangelhaft.

Tipp: Fragen Sie den Liefer­dienst, ob er Müll gratis mitnimmt. Fast alle im Test machen das, außer MyTime.de und Real.

04.10.2018
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