Lebens­mittel-Liefer­dienste

Verpackungs­müll: Von Papiertüte bis Einmal-Kühlbox

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Lebens­mittel-Liefer­dienste - Wie gut sind Bringmeister, AmazonFresh & Co?
Pappe, Styropor, Folie. MyTime.de verbraucht sehr viel Verpackungs­material. © Stiftung Warentest

Wenn Kunden ihre Lebens­mittel ausgepackt haben, verwandelt sich ein Groß­teil des Schutz­materials in Müll. Wir haben den Verpackungs­aufwand bewertet.

Lebens­mittel-Liefer­dienste Testergebnisse für 10 Lebens­mittel-Liefer­dienste 10/2018

Inhalt

Online gekaufte Lebens­mittel kommen auf verschiedene Arten zum Kunden nach Hause – im Post­paket aus Pappe, in Tüten oder in Mehrweg-Trans­portkisten. Häufig schützen Folien aus Kunststoff oder Pack­papier Empfindliches wie Eier oder Glasflaschen zusätzlich vor Bruch. Gekühltes wie Räucher­fisch liegt etwa in Styroporboxen auf Kühlakkus. Im Test verursachten die Anbieter unterschiedliche Mengen und Materialien an Müll.

Sehr gut: Food.de nimmt die Mehr­wegboxen wieder mit. Der Lieferant vermeidet Verpackungs­müll. Er bringt Lebens­mittel in einer großen Mehr­wegbox, packt alles aus und nimmt die Kiste wieder mit. Er erhält als einziger die Note sehr gut im Prüf­punkt Verpackungs­abfall. Allerdings fehlte es im Test an Kühlung. Lachs, Mozzarella und Schlagsahne waren oft mit Temperaturen von 15 Grad und mehr deutlich zu warm.

Gut: Drei Anbieter liefern in Papiertüten. Bringmeister, Rewe Liefer­service und AmazonFresh trans­portieren die Lebens­mittel fast ausschließ­lich in Tüten in die Haushalte. Größe, Dicke und Zahl der einge­setzten Papiertüten variiert. Rewe verteilte 13 der georderten Produkte auf fünf dünne Tüten. Das ist viel, erfüllt aber seinen Zweck. Wie die Ökobilanz der Papiertüten ausfällt, hängt von ihrer Weiternut­zung ab. Die Deutsche Umwelt­hilfe rechnet vor, dass eine Papiertüte im Durch­schnitt erst nach drei- bis viermaliger Verwendung an die Klima­bilanz einer erdöl­basierten Plastiktüte heran­reicht. Das liegt daran, dass die Herstellung der Papiertüten aufwendig ist. Sie erfordert viel Holz, Energie und Chemie. Für Tüten aus frischen Fasern gehen mehr Rohstoffe drauf als für Tüten aus recyceltem Altpapier. Die Altpapiertüten reißen allerdings leichter. Im Vergleich zu Kunststoff hat Papier immer die Vorteile, dass es sich gut recyceln lässt und – sollte es in die Umwelt geraten – dort eher schnell verrottet. Im Test bewerten wir daher die fast ausschließ­liche Lieferung in Papiertüten als gut, weil es sich sortenrein sammeln lässt.

Lebens­mittel-Liefer­dienste - Wie gut sind Bringmeister, AmazonFresh & Co?
Tüten-Parade. Rewe Liefer­service verteilt 13 Produkte auf fünf Tüten. © Stiftung Warentest

Befriedigend: teils mit Papier, teils mit Plastik. Einige Onlinehändler verpacken die Lebens­mittel teils in Papier, teils in Kunststoff. Der Müll­mix ist mühsam zu sortieren. Auch AllyouneedFresh wickelt einiges in Plastikfolie, bevor es in dünne Tüten kommt. Sie sollen aus Zucker­rohr bestehen und sind aus ökologischer Sicht gewöhnlichen Plastiktüten aus Erdöl nicht über­legen. Zucker­rohr­tüten etwa zerfallen nur schwer auf dem Kompost und in der Biogas­anlage. Experten raten, sie über den Hausmüll in die Müll­verbrennung zu geben. Zucker­rohr wächst oft in tropischen Mono­kulturen.

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Alu-Plastik-Kühlbox. Natur.com verpackt Kühl­ware unöko­logisch. © Stiftung Warentest

Lebens­mittel-Liefer­dienste Testergebnisse für 10 Lebens­mittel-Liefer­dienste 10/2018

Ausreichend und mangelhaft: Pappe, Styropor, Folie und Verbundmaterial. MyTime.de und Amorebio verschi­cken Pakete mit viel Pappe, Styropor und Folie: ausreichend. Zusammen­geklebte Materialien lassen sich schlecht trennen, wie bei der Einweg-Kühlbox von Natur.com. Sie bestand aus Luft­pols­terfolie mit Aluminium-Schicht. Alu kann solo leichter recycelt werden als im Verbund. Dieser Verpackungs­abfall ist mangelhaft.

Tipp: Fragen Sie den Liefer­dienst, ob er Müll gratis mitnimmt. Fast alle im Test machen das, außer MyTime.de und Real.

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 21.03.2022 um 12:48 Uhr
Lebensmittel-Lieferdienste

@qmetheus: Ihre Nachfrage nehmen wir gerne als Testwunsch auf und leiten ihn an das zuständige Planungsgremium weiter. Ob und wie schnell sich diese Anregung realisieren lässt, können wir Ihnen leider nicht genau sagen. Auf jeden Fall haben wir Ihren Wunsch registriert.

qmetheus am 21.03.2022 um 08:29 Uhr
Neuer Test

Liebe Stiftung Warentest,
In den letzten vier Jahren hat sich einiges getan, gerade Corona hat bekannterweise einen signifikanten Einfluss auf auf Lieferdienste und die Bereitschaft, noch mehr online zu bestellen gehabt.
Insofern wäre es doch mal wieder Zeit für einen aktualisierten Test, oder?
Schöne Grüße

Marvin_042 am 22.07.2020 um 06:46 Uhr
Aktualisierung notwendig

Hallo,
Ich denke es wäre an der Zeit für eine Neuauflage von diesem Test.
Meine eigenen subjektiven Erfahrungen in diesem Jahr haben speziell für Real gezeigt, dass sich hier scheinbar vieles zum positiven entwickelt hat. Ich persönlich würde dem Lieferdienst eine Wesentlich bessere Note geben und viele Kritikpunkte konnte ich nicht nachvollziehen.
Deswegen würde mich ein erneuter Test sehr interessieren.

GuessWhat am 27.04.2020 um 19:05 Uhr
Erfahrungsbericht

Ein sicher nicht repräsentativer persönlicher kurzer Erfahrungsbericht: Aus coronatechnisch gegebenen Anlass versuchte ich mich an Lebensmittel-Lieferdiensten. Obwohl in einer Großstadt wohnend möchten nur Getnow, Rewe und Real liefern.
Rewe hat die nächsten drei Wochen keinerlei Lieferfenster. Getnow hätte wieder in einem Monat. Real innerhalb weniger Tage. Also fällt die Wahl auf Real.
Das komplette Supermarktangebot inkl. günstiger Eigenmarke steht zur Auswahl. Auch Getränke(kisten) und TK-Artikel.
Geliefert wird mit Liefery. 30 min vor Ankunft eine SMS, man sei gleich da. Und das stimmt. Pünktlich im Lieferfenster kommt der Bote. Nett, hilfsbereit ... er hat sich sein Trinkgeld verdient.
Trotz Erlaubnis zum Austausch wird kein Brot geliefert. Schade, aber noch OK. Alles andere kommt in bester Qualität, unbeschädigt und TK-Artikel in Styroporboxen, aus denen das Trockeneis zwar mittlerweile verdunstet ist, aber das Eis ist noch immer gefroren.
Real --> in meinem Fall top!

achmedh am 17.01.2020 um 11:16 Uhr
Lebensmittel-Lieferdienste

Ich nutze aus gesundheitlichen Gründen,seit vielen Jahren die verschiedenen Lieferdienste.Früher Kaiser`s jetzt EDEKA.Beide unter dem Namen Bringmeister,nach dem Ende von Kaiser`s hat Edeka das System von Kaiser`s übernommen.Auch meine Daten,Gutschriften und die Bezahlart wurden übernommen.Auch bei REWE bin ich schon lange Kunde im Onlineshop.Ich nutze beide Lieferdienste im Wechsel,und bin voll zufrieden damit.Ich möchte dieses Angebot nicht mehr missen !