Drei Jahre lang haben sich die Experten der Kommission „Finanzierung Lebenslanges Lernen“ überlegt, woher das Geld kommen soll, um den Bürgern das Lernen vom Vorschulalter bis zum Ruhestand möglich und schmackhaft zu machen. Ihr Fazit haben sie nun in ihrem Schlussbericht gezogen: Nicht das eine allumfassende, sondern viele kleine, für bestimmte Zielgruppen entwickelte Finanzierungsmodelle weisen nach Ansicht der Bildungsexperten den Weg Deutschlands in die Wissensgesellschaft.

Die fünfköpfige Kommission unter dem Vorsitz von Dieter Timmermann, Professor für Bildungsökonomie, -planung und -politik an der Universität Bielefeld, hatte 2001 von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) den Auftrag bekommen, neue Strategien für die Finanzierung Lebenslangen Lernens zu entwickeln. Seit Ende Juli liegt nun ihr über 300 Seiten starker Schlussbericht vor. Darin betonen sie die Bedeutung des Lebenslangen Lernens für jeden einzelnen Bürger und die Gesellschaft insgesamt.

Deutschland hängt hinterher

Die Kommission nimmt alle Akteure, die mit Weiterbildung zu tun haben, in die Pflicht: Unternehmen, die öffentliche Hand und jeder Einzelne müssten ihr Scherflein beitragen, um Lebenslanges Lernen zur Selbstverständlichkeit zu machen. Denn genau das sei es noch nicht: So seien die Teilnehmerzahlen an allgemeiner Weiterbildung seit den 70er Jahren kontinuierlich gestiegen, der Trend aber rückläufig. Von 1997 bis 2000 ist die Teilnehmerzahl demnach um 2,4 Millionen zurückgegangen – und zwar unabhängig von der beruflichen Qualifikation und dem Alter der Teilnehmer, schreiben die Experten.

Folgerichtig hänge Deutschland, so die Experten, im internationalen Vergleich hinterher: „Allgemein hat sich gezeigt, dass die meisten europäischen Partnerländer Deutschland in der Entwicklung eines Systems des Lebenslangen Lernens zum Teil weit voraus sind“, schreiben sie. Für den Bericht hatten die Kommissionsmitglieder auch die Bildungssysteme Frankreichs, Englands, Dänemarks, Schwedens und Italiens untersucht, um Anregungen für die eigene Arbeit zu erhalten.

Empfehlungen als Gesamtpaket zu sehen

In aller Kürze fordern die Experten der Kommission, dass:

  • Länder und Kommunen die Grundversorgung an Angeboten allgemeiner, politischer und kultureller Weiterbildung gewährleisten sollen
  • das Nachholen schulischer und beruflicher Abschlüsse von Erwachsenen mit geringen finanziellen Mitteln per Zuschüsse und Darlehen gefördert wird
  • der Staat Anreize zum „Bildungssparen“ schafft
  • Vereinbarungen zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern gefördert werden
  • die Bundesagentur für Arbeit Bildungsgutscheine besonders für benachteiligte Berufsgruppen flexibler ausgibt
  • Migranten einen Rechtsanspruch auf und eine Teilnahmepflicht bei Integrationsmaßnahmen erhalten
  • Weiterbildung noch weitgehender steuerlich absetzbar gemacht wird
  • die institutionellen Rahmenbedingungen verbessert werden
  • die wissenschaftliche Forschung zu Lebenslangem Lernen ausgebaut wird
  • das in mehreren Bundesländern erfolgreich erprobte Modell der Studienzeitkonten auf die Weiterbildung übertragen wird
  • und die vorgeschlagenen Maßnahmen sinnvoll in das Geflecht der bestehenden Bund-Länder-Kompetenzen eingegliedert werden sollen

Die Kommissionsexperten wollen ihre Empfehlungen als Gesamtpaket verstanden wissen und raten von einem Herausgreifen einiger weniger der vorgeschlagenen Finanzierungsinstrumente ab. Ob dieser Wunsch in Erfüllung geht, werden sie erfahren, wenn der Schlussbericht die parlamentarischen Mühlen passiert hat: Die Bundesregierung hat den Bericht zunächst an den Präsidenten des Deutschen Bundestages weitergegeben.

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