Laut­sprecher Test

Fliegender Wechsel. Die Box über­nimmt vom Smartphone: Ordentlicher Klang für alle statt Ohrs­töpsel-Sound für einen.

Fliegender Wechsel. Die Box über­nimmt vom Smartphone: Ordentlicher Klang für alle statt Ohrs­töpsel-Sound für einen.

Stereo­anlage war gestern, heute tönt Musik aus Funk­laut­sprechern. Sie verschaffen Songs vom Smartphone, aber auch Musik von der Fest­platte und aus dem Internet eine große Bühne.

Etwa alle dreißig Jahre krempelt die Musik­industrie unser Wohn­zimmer um. In den 60er Jahren bediente sie uns mit Schall­platten. Passend dazu prägten Tonmöbel mit einge­bautem Platten­spieler das Wohn­zimmer. Später schrumpften CDs die Musik­anlage. Streaming, also Musik als Daten­strom, lässt sie nun ganz verschwinden.

Spotify und andere Internet­dienste streamen, ebenso das Smartphone und der Media­server im Heimnetz­werk. Ziel dieses Daten­stroms und Quelle guten Klanges sind aktive Funk­laut­sprecher. Aktiv meint, dass im Laut­sprecher­gehäuse ein Verstärker steckt.  Die Drahtlostechnik kommt an. Der Absatz solcher Laut­sprecher hat sich 2013 gegen­über 2012 mehr als verdoppelt.

Neue Technik: Guter Ton

Ästhetisch betrachten viele den Verzicht auf eine separate Musik­anlage als Gewinn. Schön, dass 12 der 14 geprüften Funk­laut­sprecher zu Preisen zwischen 197 und 655 Euro mindestens gut klingen. Bei kleinen Gehäusen schien das früher unmöglich. Elektronik und Laut­sprecherbau haben die Grenze verschoben Guter Ton - so geht's. Nur sehr kleine Funk­laut­sprecher scheitern noch am guten Klang – zum Beispiel der Sony SA-NS300, den wir 2012 prüften.

Funk­laut­sprecher spielen klang­lich in der gleichen Liga wie Mini- und Mikro-HiFi-Anlagen. Gehen die aufs Alten­teil, sind Funk­laut­sprecher ein prima Ersatz. Kraft­vollen Party­sound für große Räume, präzisen Bass oder den filigranen Hoch­ton eines Sinfonie­orchesters schaffen sie aber nicht. Das erfordert deutlich kräftigere Anlagen und auch bessere Laut­sprecher.

Sound: Stafette

Im Alltag beein­drucken Funk­laut­sprecher vor allem durch die Kopp­lung mit dem Smartphone und mit weiteren Boxen. Wer etwa in der Bahn einem Hörbuch lauschte oder in Salsa-Rhythmen schwelgte, hört zuhause einfach über den Funk­laut­sprecher weiter. Der Sound folgt sogar von Zimmer zu Zimmer, wenn mehrere Laut­sprecher gekoppelt werden. Acht Modelle im Test ermöglichen das („Mehr­raumnut­zung“ in Testergebnisse Funklautsprecher).

So vernetz­bar über­zeugen Funk­laut­sprecher selbst Audiophile. Sie stellen die Box nicht in den Salon, vielleicht aber als Zweitlaut­sprecher in die Küche. Beim Kochen reicht der Ton auch für Anspruchs­volle mit den sprichwörtlichen goldenen Ohren.

Beim Kauf zählt aber mehr als der Ton. Es stellen sich Fragen wie: Klappt Stereo? Wie verbinden sich die Funk­laut­sprecher mit den Musikspeichern im Heimnetz und mit Musik­diensten im Internet?

Ohne Kabel: Funk und USB

Laut­sprecher Test

Aktiv: Tasten und Anschlüsse satt

Funk ist bei Funk­laut­sprechern der bevor­zugte Anschluss. Die Musik oder andere Inhalte kommen als Daten­strom aus dem Internet, vom Smartphone oder vom Media­server im Heimnetz­werk. Wichtig: Die Box muss zur Musikquelle passen.

  • Internet­radio. Dazu verbindet der Nutzer die Funk­laut­sprecher per WLan mit dem DSL-Router. Mit den Boxen von Harman Kardon und Philips geht das nicht.
  • Smartphone. Hier dominieren Bluetooth und WLan. Bose sowie Bowers & Wilkins können nur Apple Airplay.
  • Media­server. Dazu sollte die Box den Stan­dard DLNA beherr­schen („Funk­verbindung“ in Glossar)

Die Alternativen zum Funk sind USB-Stick und -Fest­platte, Cinch- oder Klinken­buchsen beispiels­weise für den doch noch nicht ausrangierten CD-Spieler oder aber Digitalaudio zum Anschluss einer Heim­kino­anlage. So viel ist klar: Vor dem Musikhören steht das Nach­denken über die Anschlüsse. Ohne Stereo­anlage wird es nicht einfacher, nur weil Funk­laut­sprecher fast ohne Kabel auskommen. Ein Strom­kabel haben aber alle.

Wohn­zimmer: Technik verschwindet

Das Doppel aus Funk­laut­sprecher und Streaming hilft auch beim Entrümpeln. Zusammen mit der nicht mehr erforderlichen CD-Samm­lung und der Stereo­anlage verschwinden auch Fernbedienungen aus dem Wohn­zimmer. Nur vier Boxen im Test haben noch eine. Die anderen sind nur über Smartphone-Apps zu steuern.

Die Vision von der unsicht­baren Technik bleibt jedoch Utopie. Die Boxen klingen mit etwas Luft ringsum am besten. Im Wohn­zimmer landen sie oft im Regal. Da fallen sie nicht weiter auf, klingen jedoch schlechter als frei­stehend. Das trifft besonders auf die Sonos Play:1 zu. Wer sie beispiels­weise zwischen Büchern versteckt, verschlechtert den Sound deutlich.

Stehen Laut­sprecher nahe an der Wand, ist deren Bass­wieder­gabe in Gefahr. Beispiel Panasonic: Die Box entlässt tiefe Töne über ein sogenanntes Bass­reflex­rohr, und zwar nach hinten. Bei Wandmontage versperrt das Mauer­werk den Ausgang des Bass­reflex­rohrs. Bässe klingen dann mulmig. Den besten Tiefton bieten Samsung, Sonos Play:5 und die beiden Anlagen von Teufel.

Stereo: Heikles Dreiecks­verhältnis

Funk­laut­sprecher tragen im Zimmer wenig auf, wenn sie als Solo­box daher­kommen. Die Folge: Eine Box allein produziert keinen echten Stereo­sound. Wer den will, wählt Teufel Raum­feld Cube oder Philips Fidelio E2. Beide werden im Set mit je zwei Boxen verkauft. Stereo inklusive.

Tipp: Die Laut­sprecher vorn rechts und links aufstellen. Sie bilden die Basis eines gleich­schenk­ligen Dreiecks. Dessen Spitze markiert den perfekten Hörplatz im „Stereo-Dreieck“. Da sind die Violinen des Sinfonie­orchesters links und die Kontrabässe rechts zu hören – wie im Konzert­saal.

Kleiner Wermuts­tropfen: Bei Philips Fidelio und Teufel Raum­feld Cube verbindet ein Kabel die Laut­sprecher. Das wirkt für Funk­laut­sprecher antiquiert. Mit einer zweiten Box des gleichen Anbieters liefern fünf weitere Laut­sprecher im Test echtes Stereo („Stereo mit zweiter Box möglich“ in Testergebnisse: Funklautsprecher). Sie verbinden sich per Funk. Bei Peak und Pure kommentierten unsere Prüfer das Ankoppeln des zweiten Laut­sprechers aber mit „unkomfortabel“ und „unzu­verlässig“. Bei Pure störte sie, dass eine der Boxen erst verzögert auf An- und Umschalten reagierte.

Ohne zweite Box gibt es wie bei Sonos Play:1 gar kein, bestenfalls nur Schmalspur-Stereo aus den zwei im Gehäuse vereinten Laut­sprecher­systemen. Der für Stereo ideale Hörplatz liegt dann nur wenige Zenti­meter vor diesen Laut­sprechern.

Zweite Box: Teuer, auch beim Strom

Laut­sprecher Test

Mit Energie. Funk­laut­sprecher kabellos? Alle brauchen Strom aus der Steck­dose.

Stereo mit einem separat zu erwerbenden zweiten Funk­laut­sprecher geht ins Geld. Zusätzlich verdoppelt sich auch die Strom­rechnung. Drei Stunden Musik, eine Stunde ohne Signal und 20 Stunden Ruhe­zustand täglich kosten pro Jahr zwischen 3 Euro bei Peaq und rund 21 Euro bei Sonos Play:5. Mit dem zweiten Aktivlaut­sprecher verdoppeln sich diese Kosten – allerdings auch der Spaß am Musikhören.

Dieser Artikel ist hilfreich. 53 Nutzer finden das hilfreich.