Sprechende Kuscheltiere und Spieluhren sind als Einschlafhilfe beliebt. Doch am Ohr entpuppen sie sich als gefährliche Krachmacher. Das zeigen unsere Messungen.

Vorsicht vor Spielzeugpistolen und Silvesterknallern: Bei Kindern können sie zu lebenslangen Hörschäden führen. Diese Warnung ist landläufig bekannt. Dass aber auch Rasseln und sprechende Kuscheltiere oft viel lauter sind, als für Kinderohren gut ist, wissen die wenigsten. Die Schmusebeigaben fürs Bettchen machen nah am Kopf so viel Lärm, dass sie eine ernste Gefahr fürs Gehör der Kleinen sein können.

Zum Beispiel ein harmlos aussehendes Spielzeugmikrofon mit bunten Tasten. Das eingebaute Elektronikmodul spielt auf Knopfdruck bis zu acht verschiedene Melodien. Aber in welcher Lautstärke! Der kleine Lautsprecher erzeugt 2,5 Zentimeter vom Kinderohr entfernt sogar den Lärmpegel eines Düsenflugzeugs. Der Dezibelwert liegt mit 122 dB(A) über der Schmerzschwelle von 120 dB(A). Wegen der Form des Mikrofons kann diese Lärmquelle sogar in die Ohrmuschel gesteckt werden – dann mit noch ohrenbetäubenderem Ergebnis.

Ernste Gefahr fürs Gehör

Lautes Spielzeug Meldung

In 25 Zentimeter Abstand ist der Pegel des kleinen Kindermikrofons etwa so laut wie ein Presslufthammer: 93 dB(A). Auch er liegt noch über einem kritischen Bereich: Ab 85 bis 89 dB(A) sind ernste Gefahren für das Gehör möglich. Eine Schädigung des Gehörs ist unabwendbar, wenn die Lärmquelle lange einwirkt. In einer Distanz von einem halben Meter haben die Tester noch 83 db(A) ermittelt, etwa so laut wie normaler Straßenverkehr.

Die europäische Norm zur Sicherheit von Spielzeug, die EN 71-1, sieht verschiedene Richtwerte für Spitzenschalldruckpegel vor, aber meist im Abstand von 50 Zentimetern. Wenig praxisnah, denn viele Spielsachen lärmen direkt neben dem Ohr. Die Grenze von 85 dB, ab der eine Gehörgefährdung eintritt, ist dort schnell übertroffen. Höchste Zeit, die Spielzeugnorm besser der Realität anzupassen.

Wer Lärmpegel vergleicht, muss immer beachten, dass das Dezibel eine logarithmische Verhältniszahl ist. Erhöht sich der Pegel nur um 3 Dezibel, verdoppelt sich sogleich die Gefährdung des Gehörs. Oder anders erklärt: Eine zweistündige Lärmberieselung mit 86 dB(A) ist einer vierstündigen mit 83 dB(A) gleichzusetzen. Eine Belastung mit 105 dB(A) gefährdet das Gehör schon nach knapp fünf Minuten wie acht Stunden Lärm mit 85 dB(A).

Hörverlust und Tinnitus drohen

Lautes Spielzeug Meldung

Im Prüflabor wurde der Schallpegel der Spielsachen gemessen. Die Messung erfolgte mit einem Kunstkopf in unterschiedlichen Abständen.

Kinder und Jugendliche umgeben sich in ihrer Freizeit mit immer höheren Lärmpegeln. Da sind sich Ärzte längst einig. Die Gefährdung durch Freizeitlärm überschreitet oft jene am Arbeitsplatz. Elektroakustisch verstärkte laute Musik strapaziert das Innenohr von Säuglingen und Kleinkindern. Innenohrschäden mit vor­übergehendem und dauerndem Hörverlust und Tinnitus, also Rauschen, Klingeln und Pfeifen im Ohr, können die Folge sein. Ans Ohr gehaltene Spielzeughandys sind genauso laut wie kleine Trompeten oder Knackfiguren aus Metall. Ein Schalldruckpegel von 125 dB(A) ist mit ihnen schnell erreicht. Fachleute stufen Schallpegelwerte über dieser Grenze als gehörgefährdend ein, auch wenn die Lärmquelle nur für kurze Zeit wirksam ist.

Dicht am Kunstkopf gemessene Pegel von über 100 dB(A) für eine Handtrommel oder ein Spielzeugtelefon sind erschreckend, aber nicht so überraschend wie bei Plastikrasseln und quäkenden Kuscheltieren. Mit diesen Spielsachen machen Erwachsene Kindern gern eine Freude. Dicht neben dem Ohr wird aus dem Spaß ein höchst gefährlicher Krachmacher.

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