Laufschuhe kaufen Test

Auswahl. Ein optimaler Schuh muss zur Anatomie, zum Laufstil und zu den Trainings­bedingungen des Läufers passen.

Profis können Frei­zeitläufern helfen, das optimale Schuh­werk zu finden. Kleine Fach­geschäfte beraten oft besser als große Sport­fachhändler.

Laufen ist kinder­leicht. Passende Schuhe kaufen, schnüren: Los gehts. Wird Laufen zum Sport, sollte der Mensch auf seine Bedürf­nisse besonders achten. Seine Knie- und Hüftgelenke, Sehnen und Muskeln setzt er hohen Kräften aus. Er braucht Schuhe mit der richtigen Dämpfung für seinen Trainings­stand, mit passenden Stützen für seinen Körperbau und Laufstil sowie mit geeigneten Sohlen für den Unter­grund, auf dem er läuft.

Hunderte Laufschuhe von etwa 40 Anbietern füllen die Regale des Fach­handels. Ohne professionelle Beratung finden Frei­zeit­sportler nur mit Glück Modelle, die für sie optimal geeignet sind. Wie hilft der Fach­handel bei der Auswahl?

Laufschuhe kaufen Test

Laufband­analyse. Nur knapp die Hälfte der Fach­geschäfte setzt die Technik ein.

Im Auftrag der Stiftung Warentest baten fünf geschulte Tester als Kunden bei 16 Anbietern in Berlin, Hamburg und München um eine Lauf­analyse, eine ausführ­liche Beratung und kauf­ten jeweils ein empfohlenes Paar Laufschuhe. Ein Ortho­päde und ein Biomechaniker – unsere Fach­gut­achter – über­prüften, ob die Schuhe für die Kunden geeignet waren.

Die Tester unterschieden sich in Alter, körperlicher Konstitution und Trainings­pensum (Testkäufer-Typen) – unter ihnen ein sehr gut trainierter 45-Jähriger mit Normalfüßen und Laufstil ohne Auffälligkeiten. Ihm empfehlen die Experten einen Neutralschuh. Der wenig geübten Läuferin, deren Spreiz- und Hohlfuß beim Auftreten nach innen kippt, raten sie zu einem Stabilschuh mit Stütze und Dämpfung.

Ergebnis des Tests: 11 der 16 Händler verkaufen gut geeignete Schuhe. Die kleinen Laufläden beraten tendenziell besser als die über­regionalen Sport­fachhändler. Besonders gut waren die Empfehlungen bei Spree­läufer in Berlin und beim Nien­dorfer Lauf­laden in Hamburg. Insgesamt zahlten unsere Tester für die empfohlenen Schuhe zwischen 80 und 180 Euro. In München war das Preis­niveau in den Laufläden im Schnitt höher als in Berlin und Hamburg.

Die Füße keines Blicks gewürdigt

Laufschuhe kaufen Test

Anprobe. Der Verkäufer sollte am Fuß des Kunden prüfen, ob der Schuh passt. Laufschuhe sollten im Zehen­bereich eine Daumenbreite Luft haben, aber fest sitzen.

Weitere Erkennt­nis aus dem Test: Eine gute Beratung ist nicht in jedem Fall eine Garantie dafür, einen guten Laufschuh zu bekommen – und umge­kehrt. In Einzel­fällen verkauften Händler mit mittel­mäßiger Beratung Schuhe, die in der Pass­form wie auch den biomecha­nischen Eigenschaften für die Test­kunden optimal waren.

Die Verkäufer sollten das Abroll­verhalten beim Laufen und den Laufstil der Kunden analysieren. Vor allem in diesem Punkt zeigten sie Schwächen. Nur knapp die Hälfte der Geschäfte setzte ein Laufband mit Monitor ein. Nur jeder dritte Berater betrachtete den Kunden beim Laufen auf stabilem Unter­grund. Beides zusammen, darin sind sich Experten einig, erlaubt die best­mögliche Analyse.

Auch alte Schuhe verraten viel. Ihre Abnut­zungs­merkmale lassen Rück­schlüsse zu, auf den Laufstil zum Beispiel. Die Test­kunden waren vorbereitet: Sie hatten immer ein genutztes Paar dabei. Doch dafür interes­sierte sich nur jeder zweite Verkäufer, und ein Drittel warf nicht einmal einen Blick auf die Füße des Kunden. Eine Empfehlung gaben sie trotzdem ab.

Ob der neue Schuh passt – auch das müssen die Verkäufer am Fuß prüfen, machten sie aber nicht immer. Vor allem in den über­regionalen Fach­geschäften scheint es Berührungs­ängste zu geben.

Keine Ahnung von der Achilles­sehne

Einige Berater zeigten mehr oder weniger deutlich, dass sie keine Lust hatten, Fragen zu beant­worten. Auffällig oft kam das bei Karstadt Sports vor.

Mitunter waren die Verkäufer nicht kundig genug für die Zusatz­fragen der Test­kunden. Während fast alle beim Thema Blasen­bildung eine Antwort versuchten, wussten viele keinen Rat zu Problemen mit der Achilles­sehne. Auch zu Knie­schmerzen fiel etlichen nicht viel ein.

„Komm, wenn du Probleme hast“

Es kommt vor, dass sich ein Läufer an gut geeignete Laufschuhe erst gewöhnen muss. Mitunter stützen sie die Füße auf neue Weise, es läuft sich in ihnen anders als in ausgetretenen Vorgängern. Zwei Wochen oder einige Dutzend gejoggte Kilo­meter kann es dauern, bis ein Sportler sich in Laufschuhen wohl­fühlt.

In Fach­geschäften weiß man das. Viele tauschen Laufschuhe um oder nehmen sie zurück, wenn der Kunde damit nicht klar kommt. Gesetzliche Pflicht ist das nicht, sondern Kulanz. Es verwundert nicht, dass nur wenige Verkäufer das Thema von sich aus ansprechen. Manche bleiben vage: „Komm vorbei, wenn du Probleme hast.“ Andere haben feste Fristen. So erlaubte der Hamburger Lauf­laden eine Rück­gabe inner­halb von 14 Tagen, Lunge inner­halb von drei Wochen. Auch die Großen waren groß­zügig. Runners Point wirbt mit einer Zufrieden­heits­garantie und einem Rück­gaberecht von vier Wochen. Sport­scheck bietet eine Kundenkarte, die ein Rück­gaberecht inner­halb von sechs Wochen garan­tiert.

Auch Zusatz­infos können beim Kauf wert­voll sein: wie der Läufer mit Kraft­training körperliche Defizite ausgleichen kann zum Beispiel, Tipps zur Pflege und zur richtigen Schnürung. Und dann gehts los.

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