Report aus Vietnam: Die Realität hinter Nike-Schuhen

Sportgigant Nike nahm nicht am CSR-Test teil. Dafür sammelte unser Reporter in Vietnam Geschichten: Er interviewte Arbeiter großer Nike-Zulieferbetriebe. Ihre Namen und Gesichter müssen zum Schutz anonym bleiben.

Löhne am Minimum: Um Arbeit in Ho-Chi-Minh-Stadt zu finden, ließ die 40-jährige Frau L. ihre Kinder bei ihren Eltern zurück. Nun stellt sie täglich Gummisohlen für Nike her. „Ich möchte meinen Kindern ein besseres Leben geben, vor allem Bildung“, sagt sie. Dafür muss sie kräftig sparen. Höhere Schulbildung kostet bis zu 53 Euro pro Semester. Frau L. verdient im Monat maximal 70 Euro – wenn der fordernde Produktionsplan erfüllt wurde. Für sie selbst bleiben am Monatsende nur neun Euro übrig. Kleidung oder die Fahrt zur Familie kann sie sich selten leisten.

Spiel mit der Gesundheit: Frau B., 32 Jahre, hat regelmäßig Kopf- und Magenschmerzen. Sie weiß, die Arbeit im Klebebereich der Fabrik ist Schuld. Der Kleber stinkt, haftet ihr an Haut und Sachen. Schmerzmittel helfen kaum. „Was kann ich schon tun, als es zu akzeptieren?“, fragt sie. Dafür, dass sie mit gefährlichen Stoffen arbeitet, erhält sie pro Monat einen Zuschlag von vier Euro und Schutzkleidung. Bei der Sohlenproduktion wird mit vielen Chemikalien hantiert. Folge bei Arbeitern sind oft Atemprobleme, Hautkrankheiten und Unfruchtbarkeit, wie Ärzte aus örtlichen Krankenhäusern bestätigen.

Streiken verboten: Bis März 2008 war Herr T., 27 Jahre, Gruppenleiter in der Ching-Luh-Fabrik. Dann wurde er gefeuert, „so wie Hundert andere Leiter auch“. Grund: Er unterstützte seine Gruppe, die damals mit 20 000 anderen für höhere Löhne demonstrierte. Es kam zu Kämpfen, Polizisten brachen letztlich den Streik. Die Gewerkschaft unterstützte die Arbeiter nicht. Laut Nike gab es keine Entlassungen und die Polizei kam nur zum Schutz.

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