Laufräder im Test Test

Schon knapp Dreijäh­rige pesen mit ihren Laufrädern um die Ecken, halten die Balance, springen auf und wieder ab. Die Stiftung Warentest hat im Laufrad-Test 15 kleine Flitzer auf die Prüf­strecke geschickt – darunter Modelle von Early Rider, Hudora, Kokua und Puky. Sie kosten zwischen 35 und 209 Euro. Fazit: Oft bremsen Schad­stoffe in Griffen, Sätteln oder Reifen den Fahr­spaß. Nur drei Kinder­laufräder kommen mit einem guten Qualitäts­urteil ins Ziel, elf sind mangelhaft.

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TestLaufräder im Testtest 12/2018
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Sichere Flitzer und unsichere Gefährten

Kinder­laufräder sollten stabil, sicher und frei von Schad­stoffen sein. 15 Modelle hat die Stiftung Warentest ins Rennen um das beste Qualitäts­urteil geschickt − elf Laufräder aus Metall, drei aus Holz sowie ein Laufrad aus Kunststoff. Das Ergebnis ist bedenk­lich: 11 der 15 Laufräder im Test sind mangelhaft: Sie enthalten zu viele Schad­stoffe. Ein Laufrad ist befriedigend, drei sind gut.

Das bietet der Kinder­laufrad-Test der Stiftung Warentest

Test­ergeb­nisse. Unsere Tabelle enthält Bewertungen für 15 Laufräder, unter anderem von Puky, Hudora und Kokua. Die Testnote setzt sich zusammen aus den Prüf­punkten Fahren, Sicherheit und Halt­barkeit, Hand­habung und Schad­stoffe. Drei Laufräder sind gut, eins befriedigend und elf mangelhaft – sie enthalten zu viele Schad­stoffe.

Kauf­beratung, Hintergrund und Tipps. Wir gebenTipps für den Einkauf von Laufrädern und für sicheres Fahren. Wir erklären, ab wann Kinder Laufrad fahren können und worauf Eltern bei Sitz und Lenker achten sollten. Außerdem sagen wir, wohin sich Kunden wenden können, die eines der mangelhaften Räder gekauft haben.

Heft­artikel. Wenn Sie das Thema frei­schalten, erhalten Sie Zugriff auf das PDF zum Testbe­richt aus test 12/2018.

Kinder­laufräder ohne Bremsen

Die ausgewählten Modelle kommen ohne Bremsen aus. Bremsen bieten nicht mehr sondern – im Gegen­teil – oft weniger Sicherheit. Grund: Klein­kinder sind oft noch nicht alt genug, um zu erkennen, wann und wie sie bremsen müssen. Sie können die Brems­kraft oft nicht sicher dosieren, so dass das Rad blockieren kann. Oder sie haben nicht genügend Kraft, sie richtig einzusetzen. In einem zehn Jahre zurück­liegenden Test zeigte sich zudem: Bei Laufrädern ohne Lenker­anschlag kann sich der Brems­zug um den Lenker wickeln. Auch das ist gefähr­lich. Eltern sollten deshalb die Bremse eher entfernen und Ihr Kind mit den Füßen bremsen lassen (Tipps).

Video: Kinder­laufräder im Test

Selbst teure Räder namhafter Anbieter schneiden mangelhaft ab.

PAK sind die größten Spiel­verderber

Die elf mangelhaften Laufräder enthalten kritische Mengen an Schad­stoffen in Griffen, Sätteln oder Gummi­mänteln der Luft­reifen − einige Modelle sogar in all diesen Teilen. Meist handelt es sich um poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe, kurz PAK. Einige können krebs­erzeugend, frucht­schädigend oder erbgutver­ändernd wirken. Im Sattelbe­zug eines Kinder­laufrads fand die Stiftung Warentest zudem das bedenk­liche Flamm­schutz­mittel TCPP (siehe Kasten unten).

Schad­stoffe besonders kritisch in Griffen und Sätteln

Akut giftig sind die gefundenen Mengen nicht. Die Substanzen können aber lang­fristig im Organismus wirken, wenn die Kleinen sie über die Haut aufnehmen. Das gilt vor allem für die acht Laufräder mit Schad­stoffen in Griffen oder Sätteln. Kurven die Kinder mit den Rädern herum, umschließen sie die Griffe über längere Zeit. Ist es draußen warm, berühren ihre Körper mit bloßer Haut oft auch den Sattel.

Fast alle Gummi­reifen mangelhaft

Mit den Reifen kommen Kinder meist weniger in Kontakt, doch manche drehen zum Beispiel gern an ihnen mit den Händen. Das berück­sichtigt auch die Europäische Chemikalien­agentur. Sie zählt das komplette Laufrad zu Kinder­spielzeug, das auf bestimmte PAK geprüft werden sollte − einschließ­lich der Bereifung. Die Stiftung Warentest hat sie analysiert. Sieben der acht Laufräder, die luft­gefüllte Gummi­reifen haben, enthielten so viel PAK, dass sie die Note Mangelhaft erhielten. Besser schnitt hier nur ein Laufrad ab. Das schlechte Abschneiden der Luft­reifen ist auch deshalb schade, weil sie meist mehr Grip haben als Kunst­stoff­reifen, oft auch besser federn und auf unbe­festigten Wegen fahren. In den Kunst­stoff­reifen der anderen Räder wiesen die Tester keine oder nur geringe PAK-Gehalte nach.

Vom Labor in die Kita

Um die Fahr­eigenschaften der Laufräder im Test zu prüfen, hat eine Kitagruppe rund Drei- bis Vierjäh­riger jedes Laufrad im Auftrag der Stiftung Warentest ausprobiert. Mit sicht­lichem Spaß und ausgerüstet mit Fahr­radhelmen fuhren die Jungen und Mädchen auf Wegen, kurvten um aufgestellte Hütchen herum, pflügten durch Sand, holperten über Rasen und einen Hügel hinunter. Die Prüfer haben die Kinder aufmerk­sam beob­achtet, ihre Fahr­manöver, Vorlieben und Probleme protokolliert.

Tritt­bretter kommen gut an

Es fiel auf: Bei freier Auswahl stürzten sich die Kleinen bevor­zugt auf die poppig bunten Flitzer. Sie zogen liegende Laufräder am Lenker hoch, schwangen das Bein über den Sattel oder stiegen über den Rahmen auf. Am einfachsten gelang das bei den Modellen, die einen sehr nied­rigen Einstieg haben. Auch Tritt­bretter kamen gut an − insgesamt sieben Laufräder im Test sind damit ausgestattet. „Ohne Tritt­brett finde ich doof“, sagte ein Kitakind. „Wenn ich schnell fahre, muss ich dann die Füße hoch­halten.“

Besonders wendig ohne Lenk­anschlag

Bei Slalom­fahrten um Verkehrs­kegel erwiesen sich Räder ohne Lenk­anschlag als besonders wendig. Bei ihnen lässt sich der Lenker um 360 Grad drehen. Eine enge Einschlags­begrenzung kann unsicheren Kindern zwar Halt geben, erschwert aber das Kurvenfahren. So stellten sich die Kinder zum Beispiel mit einem Laufrad, dass eine besonders enge Lenker­einschlags­begrenzung hat, oft auf die Füße und hoben das Vorderrad einfach um die Kegel herum. An Seiten­ständern können Kinder sich die Finger klemmen. Und wirk­lich notwendig sind sie nicht. Meist legen die Kleinen ihre Laufräder einfach ab.

Diese Schad­stoffe vermiesen den Fahr­spaß

Vor allem das PAK-Problem bekommen die Anbieter nicht in den Griff beziehungs­weise aus Griffen, Sätteln und Gummi­reifen heraus.

Eine eigene Norm für Kinder­laufräder gibt es nicht. Da bereits kleine Kinder mit ihnen fahren und spielen, setzt die Stiftung Warentest für die untersuchten Griffe, Reifen und Sättel Grenz­werte an, die für Kinder­spielzeug gelten. Bei der Bewertung der gefundenen PAK ist die Stiftung Warentest strenger als das Europäische Chemikalienrecht. Die Tester orientieren sich am freiwil­ligen GS-Zeichen für Geprüfte Sicherheit, für das Flamm­schutz­mittel TCPP ziehen sie die Spiel­zeug­richt­linie heran. Aus Gründen der Vorsorge sollten kritische Substanzen so nied­rig wie möglich oder − wenn tech­nisch vermeid­bar − gar nicht vorhanden sein. Vier Laufräder im Test beweisen , dass es ohne Schad­stoff­probleme geht. Selbst Gummi­reifen lassen sich mit geringerer PAK-Belastung herstellen.

Folgende Schad­stoffe hat die Stiftung Warentest gefunden:

Poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe (PAK). Sie sind ein Gemisch aus hunderten Einzel­stoffen. Sie gelangen oft durch verunreinigte Weichmacheröle oder Rußpartikel in Kunststoffe und Gummi­materialien. Einige der gefundenen PAK wie etwa Chrysen können Krebs erzeugen, Benzo[a]pyren zum Beispiel auch frucht­schädigend und erbgutver­ändernd wirken. Die Gummi­reifen von sieben Laufrädern enthielten zu hohe Gehalte derart bedenk­licher oder anderer PAK oder in der Summe zu viel PAK. Oft fand sich auch Naph­thalin. Es steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Sieben Laufräder waren damit belastet − in Griffen oder im Sattel, drei sogar in beidem.

Flamm­schutz­mittel. Sie sollen Brände verhindern beziehungs­weise verlang­samen. Im Sattelbe­zug des Bike­star wiesen die Analysen sehr hohe Mengen an TCPP – Tris-2-chloriso­propylp­hosphat – nach. Der Gehalt über­schreitet den EU-Grenz­wert für TCPP in Klein­kinder­spielzeug um ein Vielfaches. Für diese Substanz bestehen Bedenken hinsicht­lich seines krebs­erzeugenden Potenzials.

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