Last-Minute-Heirat Für wen sich das Jawort vor Silvester steuerlich lohnt

Last-Minute-Heirat - Für wen sich das Jawort vor Silvester steuerlich lohnt
Ja sagen. Kurz vor Jahres­wechsel herrscht bei den Standes­ämtern Hoch­konjunktur. © Adobe Stock / OceanProd

Lässt sich ein Paar noch vor Silvester trauen, kann es sich so den meist güns­tigeren Splitting­tarif rück­wirkend für das ganze Jahr sichern. Wir sagen wie.

Staat spendiert Steuer­vorteile

Nicht nur für Reisewil­lige ist „Last-Minute“ ein Synonym für „Geld sparen“. Auch heirats­willige Paare, die ihre Reise in eine gemein­same Zukunft als Ehepaar planen, wissen: Mit einer Hoch­zeit lässt sich eine Menge Geld sparen – noch auf den letzten Drücker. Allein der 15-Minuten-Termin im Standes­amt entscheidet darüber, ab wann der Staat Steuer­vorteile spendiert. Nur wer verheiratet oder verpart­nert ist, darf bei der Einkommensteuererklärung mit einem Kreuzchen im Vordruck die Zusammen­ver­anlagung wählen. In diesem Fall wird das gemein­same Einkommen nach dem meist güns­tigeren Splitting­tarif besteuert. Er gilt nicht erst ab dem Monat der Heirat, sondern rück­wirkend für das gesamte Jahr.

Unser Rat

Steuer­vorteil ermitteln.
Sie wollen wissen, welche Steuer­vorteile der Trau­schein bringt? Lesen Sie beide in Ihren jüngsten Steuer­bescheiden Ihr „zu versteuerndes Einkommen“ ab. Geben Sie jeder das entsprechende Einkommen in den Internet­rechner Bmf-steuerrechner.de ein und wählen Sie „allein­stehend“. Ermitteln Sie einzeln Ihre Steuerlast. Vergleichen Sie die Summe mit dem Ergebnis, das der Rechner bei Ihrem zusammenge­rechneten Einkommen und „verheiratet“ beziehungs­weise „verpart­nert“ auswirft. Das Ergebnis ist Ihr Splitting­vorteil.
Steuerklassen optimieren.
Vergleichen Sie selbst, welche Steuerklassen­kombination für Sie optimal ist. Dabei hilft Ihnen der Rechner des Bundes­finanz­ministeriums im Internet: Bmf-steuerrechner.de. Faust­regel: Der Partner mit dem höheren Verdienst wählt die Steuerklasse III, sofern er am Gesamt­einkommen einen Anteil von mindestens 60 Prozent hat.
Geschenke verschieben.
Verheiratete genießen Privilegien bei der Erbschaft- und Schenkung­steuer. Mit größeren Geld- oder Sach­geschenken unter­einander sollten Sie daher bis nach der Heirat warten.

Hoch­konjunktur bei Standes­ämtern

Dem Finanz­amt ist es egal, ob ein Paar den Gang zum Standes­amt in den beliebten Frühlings- und Sommermonaten antritt oder erst im Dezember. Selbst Paare, die sich am Silvestertag das Jawort geben, gelten steuerlich rück­wirkend seit Jahres­anfang als verheiratet. Kein Wunder also, dass sich viele Heirats­willige im Herbst kurz­fristig zu einer Last-Minute-Heirat entschließen. Deshalb herrscht in den Tagen vor Silvester bei den Standes­ämtern noch einmal Hoch­konjunktur.

Ratgeber der Stiftung Warentest

Last-Minute-Heirat - Für wen sich das Jawort vor Silvester steuerlich lohnt

Eine Heirat ist für viele Paare Ausdruck ihrer Zusammen­gehörig­keit. Die Ehe ist jedoch nicht nur ein Symbol der Liebe, sondern auch ein recht­liches Konstrukt. In gut lesbaren und verständlichen Texten führt der Finanztest-Ratgeber Sich trauen durch die recht­lichen und finanziellen Aspekte der Eheschließung. Die Rechts­anwältin Ruth Bohnenkamp erklärt mit anschaulichen Beispielen, worauf junge Paare, Patchwork-Familien oder Partner im Renten­alter achten sollten und was bei gleich­geschlecht­lichen Paaren und bina­tionalen Ehen zu berück­sichtigen ist. Das Buch hat 176 Seiten und ist für 19,90 Euro (E-Book oder PDF: 15,99 Euro) im test.de-Shop erhältlich.

Welche Paare profitieren von dem Sprint zur Ehe?

Lohnt sich eine Hoch­zeit steuerlich? Wie viel Steuern sparen wir? Was ändert sich noch? Der Gang zum Standes­amt wirft auch Fragen auf. Wir klären einige steuerliche Aspekte:

Wie viel Steuern können wir durch den Splitting­tarif sparen?

Das hängt von der Höhe Ihrer beiden Einkommen und vom Gefälle zwischen Ihren Einkommen ab. Richt­schnur: Je höher der zusammenge­rechnete Verdienst ist und je größer der Unterschied zwischen den beiden Einkommen der Partner, desto größer ist der Splitting­vorteil.

Beispiel Splitting­vorteil: Je größer das Einkommens­gefälle zwischen den Part­nern, desto größer der Steuerbonus: Hat etwa sie ein Brutto­gehalt von 60 000 Euro im Jahr und ihre Part­nerin 20 000 Euro, haben die beiden Ende November 2021 geheiratet, sparen sie etwa 1 200 Euro Einkommensteuer. Bei höherem Gesamt­einkommen des Paares und einem größeren Unterschied sind es noch mehr. Verdient ein Partner 100 000 Euro und der andere gar nichts, spart das Paar 8 680 Euro.

Anders sieht es aus, wenn beide Partner fast gleich viel verdienen. Dann zahlt sich der Gang zum Standes­amt kaum aus. Verdienen beide 30 000 Euro, bringt eine Heirat null Steuerersparnis. Doch für viele kann es sich mit Blick auf die Finanzen lohnen, im Schnee zum Standes­amt zu gehen.

Wann erhalten wir den Steuer­vorteil, wenn wir heiraten?

Wenn Sie beide Angestellte sind und vor dem 1. Dezember heiraten, können Sie noch am selben Tag beim Finanz­amt Ihre Steuerklassen ändern lassen. Möglich ist dies immer nur bis zum 30. November des laufenden Jahres. Klappt der Wechsel vorher, gibt es schon im Dezember mehr Netto­gehalt. Statt der bisherigen Steuerklassen I und I können Sie die Kombination III und V wählen. Der Ehepartner mit dem höheren Verdienst nimmt die Klasse III. Dadurch werden sämtliche Frei­beträge, die einem von Ihnen zustehen, dem besser Verdienenden zuge­ordnet. Erfährt der Arbeit­geber recht­zeitig vom Steuerklassen­wechsel, kann er ihn beim Dezem­bergehalt berück­sichtigen.

Falls dies nicht klappt, hängt der Zeit­punkt der Steuererstattung davon ab, wie viel Zeit Sie sich mit Ihrer gemein­samen Steuererklärung lassen. Wenn Sie die Steuererstattung für eine Hochzeits­feier im Mai oder Juni einge­plant haben, sollten Sie möglichst schnell nach Silvester mit der Vorbereitung der Erklärung anfangen und sie beim Finanz­amt abgeben.

Ausnahme: Anders müssen Sie bei den Steuerklassen kalkulieren, wenn einer von Ihnen bald Lohn­ersatz­leistungen wie Arbeits­losen- oder Krankengeld, Eltern- oder Mutter­schafts­geld bekommen wird. Dann sollte derjenige, der die Leistung erhält, einen Wechsel zur Steuerklasse III erwägen, auch wenn er weniger verdient. Die Klasse III bringt die höchsten staatlichen Leistungen, weil die Höhe der Zahlung in diesen Fällen vom Netto­einkommen abhängt. Damit sich der Wechsel tatsäch­lich günstig auswirkt, müssen Sie unbe­dingt auf die Fristen achten. Paare, die Nach­wuchs planen, passen die Steuerklassen sogar am besten schon vor der Schwangerschaft an.

Was ändert sich, wenn ich ein Kind mit in die Ehe bringe?

Bei Kinder­geld und Kinder­frei­beträgen ändert sich für Sie durch eine Heirat nichts. Der Eltern­teil, bei dem ein Kind wohnt, erhält das Kinder­geld weiter wie bisher. Änderungen ergeben sich jedoch, wenn Sie bisher allein mit Kind gelebt und einen Entlastungs­betrag für Allein­erziehende erhalten haben. Dieser Frei­betrag fällt ab dem Folgemonat der Heirat weg, bei Heirat im Dezember also ab Januar des darauf­folgenden Jahres. Haben Sie ein ähnliches hohes Einkommen wie Ihr Partner, kann der Wegfall des Entlastungs­betrags zu Steuer­nachteilen führen – trotz Splitting­tarif.

Kann ich Unterhalt an meinen Partner weiter absetzen?

Nein, ab der Heirat bilden Sie mit Ihrem Partner recht­lich eine Solidar­gemeinschaft. Sie sind einander dann zum Unterhalt verpflichtet. Gewähren Sie Ihrem Partner Geld- und Sach­leistungen, weil dieser kein oder nur wenig eigenes Einkommen hat, erkennt das Finanz­amt diese ab der Heirat nicht mehr als außergewöhnliche Belastung an. Verdient nur einer von Ihnen, profitieren Sie als Paar nach der Hoch­zeit aber auf jeden Fall vom Splitting­tarif. Das führt trotz Wegfall der außergewöhnlichen Belastungen in der Regel zu einer Steuerersparnis.

Welche Steuer­vorteile gibt es bei Erbschaften und Schenkungen?

Sie haben als Verheiratete große Vorteile, wenn Sie sich etwas schenken oder vererben. Jedem Ehepartner steht ein Frei­betrag in Höhe von 500 000 Euro zu. Hinzu kommen noch weitere Frei­beträge, zum Beispiel einer für den Zugewinn­ausgleich. Ohne Heirat gewährt das Finanz­amt Lebens­part­nern nur 20 000 Euro Frei­betrag und eine ungüns­tigere Steuerklasse. Die Steuersätze sind zum Teil doppelt so hoch wie für Verheiratete. Gerade für Vermögende zahlt sich der Gang zum Standes­amt steuerlich aus – ab dem Ja.

Mehr zum Thema

  • Steuerklasse ändern Das ist Ihre optimale Steuerklasse

    - Ob Heirat, Kind, Karriere oder Jobverlust – oft lohnt sich ein Steuerklassen­wechsel. Lesen Sie, welche Steuerklasse für Sie die richtige ist und was es zu beachten gibt.

  • Steuercheck 2020 Die besten neuen Steuertipps

    - Steuern kann man vielfältig sparen – mit Jobti­cket, E-Auto vom Chef oder einer ökologischen Sanierung daheim. Die Regeln für die Steuererklärung 2020.

  • Heiraten Was für eine Ehe spricht – und was Unver­heiratete wissen sollten

    - Eine Hoch­zeit bringt neben recht­lichen und steuerlichen Vorteilen auch Pflichten mit sich. Was dabei zu beachten ist – und wie auch Unver­heiratete Partner und Kinder...