Last-Minute-Heirat Special

Kurz vor dem Jahres­wechsel herrscht bei den Standes­ämtern noch einmal Hoch­konjunktur. Lässt sich ein Paar vor Silvester trauen, gilt es steuerlich für das gesamte Jahr rück­wirkend als verheiratet und kann sich so den meist güns­tigeren Splitting­tarif sichern. test.de zeigt, wie sich Heirats­willige mit einer Hoch­zeit auf den letzten Drücker einige Tausend Euro Ersparnis sichern.

Ab wann der Staat Steuer­vorteile spendiert

Nicht nur für Reisewil­lige ist „Last-Minute“ ein Synonym für „Geld sparen“. Auch heirats­willige Paare, die ihre Reise in eine gemein­same Zukunft als Ehepaar planen, wissen: Mit einer Hoch­zeit lässt sich eine Menge Geld sparen – noch auf den letzten Drücker. Allein der 15-Minuten-Termin im Standes­amt entscheidet darüber, ab wann der Staat Steuer­vorteile spendiert. Nur wer verheiratet oder verpart­nert ist, darf bei der Einkommensteuererklärung mit einem Kreuzchen im Vordruck die Zusammen­ver­anlagung wählen. In diesem Fall wird das gemein­same Einkommen nach dem meist güns­tigeren Splitting­tarif besteuert. Er gilt nicht erst ab dem Monat der Heirat, sondern rück­wirkend für das gesamte Jahr.

Am Jahres­ende herrscht bei den Standes­ämtern Hoch­konjunktur

Last-Minute-Heirat Special

Dem Finanz­amt ist es egal, ob ein Paar den Gang zum Standes­amt in den beliebten Frühlings- und Sommermonaten antritt oder erst im Dezember. Selbst Paare, die sich am Silvestertag das Jawort geben, gelten steuerlich rück­wirkend seit Jahres­anfang als verheiratet. Kein Wunder also, dass sich viele Heirats­willige im Herbst kurz­fristig zu einer Last-Minute-Heirat entschließen. Deshalb herrscht in den Tagen vor Silvester bei den Standes­ämtern noch einmal Hoch­konjunktur.

Ratgeber der Stiftung Warentest

Last-Minute-Heirat Special

Eine Heirat ist für viele Paare Ausdruck ihrer Zusammen­gehörig­keit. Die Ehe ist jedoch nicht nur ein Symbol der Liebe, sondern auch ein recht­liches Konstrukt. In gut lesbaren und verständlichen Texten führt der Finanztest-Ratgeber Sich trauen durch die recht­lichen und finanziellen Aspekte der Eheschließung. Die Rechts­anwältin Ruth Bohnenkamp erklärt mit anschaulichen Beispielen, worauf junge Paare, Patchwork-Familien oder Partner im Renten­alter achten sollten und was bei gleich­geschlecht­lichen Paaren und bina­tionalen Ehen zu berück­sichtigen ist. Das Buch hat 176 Seiten und ist für 19,90 Euro (E-Book oder PDF: 15,99 Euro) im test.de-Shop erhältlich.

Antworten auf die fünf wichtigsten Steuerfragen von Heirats­kandidaten

1. Wie viel Steuern können wir durch den Splitting­tarif sparen?

Das hängt von der Höhe Ihrer beiden Einkommen und vom Gefälle zwischen Ihren Einkommen ab. Richt­schnur: Je höher der zusammenge­rechnete Verdienst ist und je größer der Unterschied zwischen den beiden Einkommen der Partner, desto größer ist der Splitting­vorteil.

Beispiel Splitting­vorteil: Ein Partner hat ein zu versteuerndes Jahres­einkommen von 40 000 Euro, der andere eines von 20 000 Euro. Heiraten die beiden noch in diesem Jahr, sparen sie 458 Euro Einkommensteuer. Bei einem Einkommen von 60 000 Euro und einem von 30 000 Euro erhöht sich der Vorteil schon auf 913 Euro. Noch größer wird der Vorteil bei noch höherem Gesamt­einkommen und einer höheren Differenz zwischen den Part­nern: Erzielt ein Partner 80 000 Euro und der andere nur 20 000 Euro, spart das Paar 2 435 Euro.

Anders sieht es aus, wenn beide Partner fast gleich viel verdienen. Dann zahlt sich der Gang zum Standes­amt kaum aus. Verdienen beide 30 000 Euro, bringt eine Heirat null Steuerersparnis. Doch für viele kann es sich mit Blick auf die Finanzen lohnen, im Schnee zum Standes­amt zu gehen.

Ihren Splitting­vorteil können Sie anhand eines Steuer­rechners grob selbst ermitteln (Unser Rat). Aber Achtung: Das zu versteuernde Einkommen des Vorjahres taugt nur dann als Berechnungs­basis, wenn es in diesem Jahr ähnlich hoch ausfällt.

2. Wann erhalten wir den Steuer­vorteil, wenn wir heiraten?

Wenn Sie beide Angestellte sind und vor dem 1. Dezember heiraten, können Sie noch am selben Tag beim Finanz­amt Ihre Steuerklassen ändern lassen. Möglich ist dies immer nur bis zum 30. November des laufenden Jahres. Klappt der Wechsel vorher, gibt es schon im Dezember mehr Netto­gehalt. Statt der bisherigen Steuerklassen I und I können Sie die Kombination III und V wählen. Der Ehepartner mit dem höheren Verdienst nimmt die Klasse III. Dadurch werden sämtliche Frei­beträge, die einem von Ihnen zustehen, dem besser Verdienenden zuge­ordnet. Erfährt der Arbeit­geber recht­zeitig vom Steuerklassen­wechsel, kann er ihn beim Dezem­bergehalt berück­sichtigen.

Falls dies nicht klappt, hängt der Zeit­punkt der Steuererstattung davon ab, wie viel Zeit Sie sich mit Ihrer gemein­samen Steuererklärung lassen. Wenn Sie die Steuererstattung für eine Hochzeits­feier im Mai oder Juni einge­plant haben, sollten Sie möglichst schnell nach Silvester mit der Vorbereitung der Erklärung anfangen und sie beim Finanz­amt abgeben.

Ausnahme: Anders müssen Sie bei den Steuerklassen kalkulieren, wenn einer von Ihnen bald Lohn­ersatz­leistungen wie Arbeits­losen- oder Krankengeld, Eltern- oder Mutter­schafts­geld bekommen wird. Dann sollte derjenige, der die Leistung erhält, einen Wechsel zur Steuerklasse III erwägen, auch wenn er weniger verdient. Die Klasse III bringt die höchsten staatlichen Leistungen, weil die Höhe der Zahlung in diesen Fällen vom Netto­einkommen abhängt. Damit sich der Wechsel tatsäch­lich günstig auswirkt, müssen Sie unbe­dingt auf die Fristen achten. Paare, die Nach­wuchs planen, passen die Steuerklassen sogar am besten schon vor der Schwangerschaft an.

3. Was ändert sich, wenn ich ein Kind mit in die Ehe bringe?

Bei Kinder­geld und Kinder­frei­beträgen ändert sich für Sie durch eine Heirat nichts. Der Eltern­teil, bei dem ein Kind wohnt, erhält das Kinder­geld weiter wie bisher. Änderungen ergeben sich jedoch, wenn Sie bisher allein mit Kind gelebt und einen Entlastungs­betrag für Allein­erziehende erhalten haben. Dieser Frei­betrag fällt ab dem Folgemonat der Heirat weg, bei Heirat im Dezember also ab Januar 2016. Haben Sie ein ähnliches hohes Einkommen wie Ihr Partner, kann der Wegfall des Entlastungs­betrags ab 2016 zu Steuer­nachteilen führen – trotz Splitting­tarif.

4. Kann ich Unterhalt an meinen Partner weiter absetzen?

Nein, ab der Heirat bilden Sie mit Ihrem Partner recht­lich eine Solidar­gemeinschaft. Sie sind einander dann zum Unterhalt verpflichtet. Gewähren Sie Ihrem Partner Geld- und Sach­leistungen, weil dieser kein oder nur wenig eigenes Einkommen hat, erkennt das Finanz­amt diese ab der Heirat nicht mehr als außergewöhnliche Belastung an. Verdient nur einer von Ihnen, profitieren Sie als Paar nach der Hoch­zeit aber auf jeden Fall vom Splitting­tarif. Das führt trotz Wegfall der außergewöhnlichen Belastungen in der Regel zu einer Steuerersparnis.

5. Welche Steuer­vorteile gibt es bei Erbschaften und Schenkungen?

Sie haben als Verheiratete große Vorteile, wenn Sie sich etwas schenken oder vererben. Jedem Ehepartner steht ein Frei­betrag in Höhe von 500 000 Euro zu. Hinzu kommen noch weitere Frei­beträge, zum Beispiel einer für den Zugewinn­ausgleich. Ohne Heirat gewährt das Finanz­amt Lebens­part­nern nur 20 000 Euro Frei­betrag und eine ungüns­tigere Steuerklasse. Die Steuersätze sind zum Teil doppelt so hoch wie für Verheiratete. Gerade für Vermögende zahlt sich der Gang zum Standes­amt steuerlich aus – ab dem Ja.

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