Langlaufskier Test

Anstrengend wie ein Dauerlauf oder entspannend wie Wandern kann Skilanglauf sein. Durch die Landschaft zu gleiten, klappt nur mit geeigneten Skiern.

Zur Arbeit auf den Kaunertaler Gletscher in 2 750 Meter Höhe. In Tirol, wo andere Leute Urlaub machen, arbeiteten im Frühjahr die Langlaufski-Tester. Im Schatten der Dreitausender protokollierten sie Fakten und hatten keine Zeit für Bergromantik. Skilaufen stand auf dem Prüfprogramm – in einer eigens für den Test präparierten Loipe, bei unterschiedlich guten Schneeverhältnis­sen.

Das Arbeitscamp auf der Gletscherhochfläche hat sich gelohnt. Pünktlich zur Wintersaison 2005/2006 liegen die Testergebnisse der Langlaufskier vor. Welche Skimodelle das Höhentraining am besten absolvierten, zeigt die Tabelle auf Seite 78/79. Erfreulich für die Loipenwanderer: Die meisten Skier spurten gut. Die Produktqualität ist erfreulich hoch.

Nowax, Wachs oder Nordic Skiing?

Langlaufskier Test

Zwischendurch für den Fotografen: Abfahrt in der Hocke. Zum Test gehörte, wie gut die Skier in der Loipe gleiten und Steigungen meistern.

Unterschiede gibt es trotzdem, nicht nur im Preis und Design. Wir hatten drei Typen von Langlaufskiern im Test: Nowaxmodelle, Wachsskier und Nordic-Trend-Skier. Aber was für wen? Eine Antwort auf diese Frage ist schwierig, denn die Hersteller klassifizieren die Skier selten nach Läufertypen und machen kaum Angaben zu Körpergröße und -gewicht. Vage Anhaltspunkte sind die Modellnamen: „Snow Walker“ richtet sich eher an Schneewanderer, die noch einen Blick für die Landschaft übrig haben. „Classic“ spricht eher den sportlich ambitionierten und erfahrenen Langläufer an. Auf gedruckte
Infos, auch mit Tipps für die Pflege und das Wachsen der Skier, verzichten die Anbieter im Test meist völlig.

Wer schon im Sommer mit zwei Stöcken Nordic Walking trainiert (siehe test 8/05), der dürfte genügend Kondition für den Umstieg auf die Bretter im Winter haben, auch wenn er die beiden Wanderstöcke dafür nicht benutzen kann. Nordic Trend oder Nordic Skiing heißt die Trendsportart. Vor ein paar Jahren noch Exoten, hatten wir jetzt sechs Modelle im Test.

Der neue Trend

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Kleine Schuppen als mechanische Steighilfe ersetzen das Steigwachs, das aufwendig aufgetragen werden muss.

Sichtbarer Unterschied zum normalen Langlaufski: Die Nordic-Skier sind kürzer und etwas breiter. Ihre Kons­truktion soll beim Bergaufgehen mehr Halt geben und das Zurückgleiten verhindern. Und tatsächlich: Beim Steigen können die nordischen, geschuppten Brettl mit den normalen nicht nur gut mithalten, zwei von ihnen sind sogar die besten: „sehr gut“ für Salomon Snowscape und Sporten. Anders beim Gleiten. Hier heißt es nur einmal „gut“ und zweimal „ausreichend“ (Kneissl und Sporten).

Die Skitester vom Kaunertal empfehlen die Nordic-Trend-Skier gesundheitsbe­wussten Hobbyläufern. Auch Bummler im Schnee, die abseits der Loipe Erholung beim Skiwandern suchen, sind damit gut bedient. Der Nordic-Ski ist handlicher, wendiger und leichter zu beherrschen. Das kommt weniger geübten Langläufern und auch Sportlern zugute, die vom sommerlichen Nordic Walking zum winterlichen Nordic Skiing wechseln wollen.

Mit der nordischen Alternative haben es auch schwere Läufer über 90 Kilogramm einfacher. Bei den klassischen Langlaufskiern blieben für sie oft nur die Riesenbretter über 210 Zentimeter. Nur so konnten sie ausschließen, den Ski beim Gleiten jedes Mal voll durchzutreten. Jetzt können sie die kürzeren wählen. Die maximale Länge der getesteten Modelle reicht meist bis etwa 190 Zentimeter, beim Kneissl Snow Walker nur bis 172 Zentimeter. Und Anfänger, die auf sehr schmalen Skiern weniger Halt finden, haben mit den breiteren Nordic-Skiern meist weniger Probleme.

Nowax- oder Wachsskier

Langlaufskier Test

Umfangreiche Heißwachs-
ausrüstung.

Wer den Nordic Trend (noch) nicht mitmachen will, kommt um eine andere Entscheidung nicht herum: Wachs- oder
Nowaxskier? – wobei die Bezeichnung nicht ganz korrekt ist. Denn Langlaufskier, die man nicht wachsen muss (no wax), die gibt es nicht. Auch Nowax- oder Schuppenskier müssen in den Gleitbereichen vor und hinter der Steighilfezone regelmäßig mit Gleitwachs präpariert werden (siehe Text „Bequem gleiten und steigen“). Aber der Läufer braucht vor der Loipentour kein Steigwachs aufzutragen. Bei kritischen Temperaturen um null Grad ist das eine langwierige Prozedur, die Geld, Erfahrung und Fingerspitzengefühl verlangt, schon bei der richtigen Wachswahl. Anstelle von Wachs verhindern beim Nowaxski kleine schuppenartige Vertiefungen, dass er beim Aufstieg nach hinten wegrutscht. Die Schuppen ab und an zu reinigen, ist einfacher als Steigwachs aufzuspachteln.

Für den echten Langlauffan gehört das zeitraubende Wachsen zu seinem Sport. Er weiß auch, dass ein frisch gewachster Langlaufski erst ein Stückchen eingelaufen werden muss. Auf dem ersten Kilometer kann der Ski dann „rupfen“, das heißt, er bleibt kurz im Schnee hängen. Einen weniger versierten Läufer kann das leicht aus dem Gleichgewicht bringen – und ihm den Spaß verderben.

Trotzdem: Ein optimal präparierter Wachsski ist dem besten Nowaxski überlegen. Er setzt aber dynamisches Laufen, einen sauberen Abstoß und eine gute Kondition voraus. Nowaxskier mit ihren Schuppen funktionieren dagegen bei fast jeder Schneeart. Sie sind die richtige Wahl für die breite Masse der Skilangläufer, die nicht von einem Wettkampf zum nächsten eilt. Unserem Testteam fiel jedoch das deutlich hörbare Laufgeräusch der Schuppenskier manchmal etwas unangenehm auf. Besonders auf längeren Skitouren suggeriert es einen Bremseffekt, der aber nicht unbedingt vorhanden ist.

Aufpassen beim Kaufen

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Vor dem Gleiten Wachs aufbügeln.

Wachs, Nowax oder Nordic Trend – ob man später mit den Brettern klarkommt, hängt auch von einer soliden Fachberatung beim Händler ab. Doch das Wissen über Langlauf und die passende Skiauswahl ist in den Sportfachgeschäften oft ziemlich spärlich. Das geben selbst Fachleute aus der Branche ehrlich zu. Wünschenswert wären deshalb ausführlichere Informati­onen von den Herstellern und Anbietern für die Skikäufer. Zum Beispiel auch mit Angaben über das optimale Gewicht des Benutzers für den jeweiligen Ski oder mit Hinweisen zum Transport der Langlaufskier, die für normale Halterungen auf dem Autodach oft nicht richtig passen.

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