Läuse­mittel im Test

Läuse­mittel im Test: Was gegen Kopf­läuse hilft

28.08.2018
Läuse­mittel im Test - Was gegen Kopf­läuse hilft
© Getty Images / Catherine Delahaye

Liebend gern nisten sie sich auf Kinder­köpfen ein. Läuse­mittel versprechen Abhilfe. Mit einigen gelingt das gut, aber nicht alle können wir nach unserer Unter­suchung empfehlen.

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Vor genau einem Jahr, nach den Sommer­ferien, begannen die Probleme in Klasse 7b. „Es gab einen Zwischenfall mit Läusen“, stand in der Mail, die der Klassen­lehrer der Berliner Schule allen Eltern schickte. Und weiter: „Bitte über­prüfen Sie Ihr Kind.“ Das sollte die Ausbreitung eindämmen. Bloß machten wohl nicht alle mit. Jedenfalls blieben die Zeiten lausig.

Eltern diskutierten im Klassen-Chat. „Haben bei Jaqueline 2 Läuse entdeckt“, steht dort. Oder: „Leider sind wir mit Lina nun auch betroffen.“ Schnell wimmelte der Chat vor Läusen. Sie verdrängten alle anderen Themen in Nischen. „Vielleicht können wir uns in Kammerjägergruppe umbe­nennen“, unkte ein Vater.

Immer wieder kommt es in Deutsch­lands Schulen und Kitas zu Ausbrüchen, oft direkt nach den Sommer­ferien. Läuse über­tragen hier­zulande keine Krankheiten und sind kein Hinweis auf schlechte Hygiene. Doch es schüttelt – und juckt – viele beim bloßen Gedanken an die Kopf­krabbler.

Sechs Läusekiller positiv bewertet

Wir haben zwölf viel­verkaufte Mittel bewertet, die Abhilfe gegen Läuse versprechen. Unsere Experten sichteten Studien zur Wirk­samkeit sowie Daten zu den Risiken. Aufgrund neuerer, aussagekräftiger Forschungs­ergeb­nisse haben sie in unserer Arznei­mittel­daten­bank mehrere Bewertungen gegen­über früheren geändert. Als Mittel der Wahl empfehlen sie nun drei Präparate mit dem Wirk­stoff Dimeticon. Fast genauso gut eignen sich zwei Mittel mit altbekannten Insektengiften sowie eines mit Mineralöl (Testergebnisse: Läusemittel).

Für alle Läusekiller gilt: Damit sie sicher wirken, müssen Nutzer sie korrekt anwenden – also die Gebrauchs­anleitung genau beachten. Unver­zicht­bar ist bei jeder Behand­lung zusätzlich ein Läusekamm, um tote wie über­lebende Plage­geister „auszukehren“. Mehr Informationen zum Erkennen und Behandeln erhalten Sie unter Kopfläuse erkennen und bekämpfen.

Öl ist der beste Wirk­stoff

Grob lassen sich bei Läuse­mitteln zwei Wirk­prinzipien unterscheiden. Das erste: Öl erstickt die Blutsauger. So funk­tionieren auch die drei Mittel, die im Test ganz vorn liegen: Dimet 20, EtoPril und Jacutin Pedicul Fluid. Sie enthalten das synthetische Öl Dimeticon. Wichtig bei öligen Präparaten ist, Kinder während der Behand­lungs- und Einwirk­zeit von Brandquellen wie offenem Feuer oder glimmenden Ziga­retten fern­zuhalten. Manche Mittel entflammen leicht. Es gab bereits schwere Unfälle.

Das zweite Wirk­prinzip: Insektengift lähmt die Nerven der Läuse. So ist es bei Gold­geist forte und InfectoPedicul, die sich als fast genauso gut geeignet erwiesen wie die drei besten Öle. Aber Läuse werden zunehmend resistent, also widerstands­fähig gegen die Gifte. Das heißt: Die Parasiten können die Behand­lung eher über­leben.

Aus Mangel an Belegen

Mehrere Mittel bewerten wir als nur mit Einschränkung geeignet, zwei sogar als wenig geeignet. Die Wirk­samkeit der beiden Schluss­lichter, Jacutin Pedicul Spray und SOS Läuse-Shampoo, ist nicht ausreichend mit hoch­wertigen klinischen Studien an Menschen belegt. Beim Jacutin-Spray drohen zudem Neben­wirkungen.

Im Klassen-Chat der 7b schreiben einige Eltern über Haus­mittel wie Essig oder Sauna. Wir können kein Haus­mittel empfehlen, vor allem nicht zur alleinigen Behand­lung. Auch für sie mangelt es an über­zeugenden wissenschaftlichen Belegen.

Manche Mittel finanziert die Kasse

Die von uns empfohlenen Läuse­mittel kosten etwa 9 bis 26 Euro pro Flasche. Für volle Wirkung sind sie groß­zügig aufzutragen, da leert sich eine Flasche leicht in ein bis zwei Behand­lungen. Fünf der sechs besten Präparate können Ärzte Kindern verordnen. Dann zahlt sie die Krankenkasse.

Manchmal kommen Eltern gar nicht um einen Arzt­besuch herum: Mitunter verlangen Kitas und Schulen ein Attest, dass das Kind läusefrei ist. Für alle anderen ist der Weg zum Arzt spätestens dann ratsam, wenn die zweite Selbst­behand­lung das Problem nicht beheben konnte.

Läusekiller in Aktion

Läuse­mittel im Test - Was gegen Kopf­läuse hilft
Viktoria, 5, brachte Läuse aus der Kita mit. „Ich war schon verunsichert, aber die Behand­lung klappte gut“, sagt die Mutter. © Carsten Bergmann

Viktoria, 5, ertrug ihre erste Läusekur vor zwei Jahren mit Fassung. „Ich glaube, dass Kinder Läuse meistens gar nicht so besonders eklig finden“, sagt die Mutter. „Auch ich habe versucht, ruhig zu bleiben, und so haben wir das Ganze gut über­standen.“

Hanno ist gerade mitten­drin. Für unser Magazin fotografiert werden möchte der Zehnjäh­rige nicht, aber Publikum bei seiner Behand­lung „geht klar“. Er sitzt in einer Berliner Altbau­wohnung am Küchentisch, vor sich einen aufgeschlagenen Comic. Hinter ihm steht seine Mutter und zückt die Waffen. Groß­zügig verteilt sie Läuse­mittel auf Hannos Kopf, massiert es ein, bis alle Haare glänzen.

Nach 10 Minuten Einwirk­zeit folgt für gut 15 Minuten Waffe zwei: ein Läusekamm mit langen, dichten Metall­zinken. Damit nimmt sich die Mutter Strähne für Strähne vor, von der Kopf­haut bis zu den Spitzen. Zweimal ziept es, Hanno quiekt auf. Ansonsten konzentriert er sich auf seinen Comic. Nach insgesamt weniger als einer halben Stunde wird das Mittel ausgespült und trudelt in den Badewannen­abfluss. In einigen Tagen folgt eine zweite Behand­lung. Dann hat Hanno es erst einmal geschafft.

Läuse lieben Menschen­köpfe

Läuse­mittel im Test - Was gegen Kopf­läuse hilft
„Läuse sind kein Drama, verschwinden aber nicht von allein. Wichtig ist eine zweimalige Behand­lung – mit Läuse­mittel plus Läusekamm.“ © OSTKREUZ / Frank Schinski

Solange Hanno Haare hat, ist er vor einer neuen Besiedlung nicht gefeit. „Außer Einsied­lern und Leuten mit Glatze kann jeder Läuse bekommen“, sagt Jan Krüger. Er sitzt der Deutschen Pediculosis Gesell­schaft vor, die von Läusen genervte Eltern vor zwölf Jahren ins Leben riefen. Mit Sauber­keit hat ein Befall nichts zu tun. „Es muss sich keiner deswegen schämen, was Eltern und Kindern schon mal viel Stress nimmt.“

Läuse und Menschen blicken auf eine lange Geschichte zurück, quasi eine alte Liebe, wenn auch einseitig. Die Mini­parasiten finden auf haarigen Häuptern alles, was sie brauchen. Erstens Nahrung, indem sie dort winzige Mengen Blut abzapfen. Zweitens lauschige Plätz­chen für ihre Eier, genannt Nissen, die sie dicht an den Haarwurzeln fest­kleben. Und drittens Auslauf.

„Erwachsene Läuse klettern gern herum, daher werden sie so leicht über­tragen“, sagt Jan Krüger. „Es reicht, wenn zwei Menschen die Köpfe zusammen­stecken, sodass sich Haare berühren – und schwups geht die Laus ein Haus weiter.“ Das machen die Tierchen mit reiner Bein­arbeit. Sie können weder fliegen noch springen.

Kinder bauen viele Läusebrü­cken

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Oda, 13, hatte kürzlich Läuse. Nicht so schlimm, findet sie. „Schließ­lich kann sie jeder kriegen und wir bekamen sie gut weg.“ © Carsten Bergmann

Oda ist schon 13 und hatte erst kürzlich wieder persönlich mit Läusen zu tun. Die Viecher erwischten sie wohl in der Schule. „Etwas nervig“ sei das gewesen, sagt das Mädchen, aber sonst nicht weiter wild.

Dass es Kinder und junge Teen­ager besonders oft trifft, liegt an ihrer sozialen Ader. Beim Spielen, Toben, Tuscheln, Kuscheln bauen sie den Läusen Brücken, auch wenn sie Kopf an Kopf Filme auf dem Smartphone schauen oder Selfies machen.

Mädchen trifft es öfter als Jungen, wohl da sie mehr die Köpfe zusammen­stecken. Auch lange Haare erleichterten den Über­tritt, sagt Krüger. „Da hilft ein Zopf oder eine Hoch­steck­frisur. Findet ein Kind ganz kurze Haare cool, ist das praktisch. Ich würde aber nie wegen Läusen Zwang ausüben.“

Ein komplettes Läuse-Schul­jahr

Knapp neun Monate lang hielten Läuse die Klasse 7b in Atem. „Vielleicht sollte lang­sam ein Attest vorgelegt werden“, schrieb eine Mutter im Chat. Andere Eltern machten Vorschläge wie „Selfie-Verbot“, „Zopf­pflicht“ und vor allem: „Schaut alle nach!“ Ein Vater brachte es auf den Punkt: „Es ist sinn­los, wenn nur einige und nicht alle Kinder kontrolliert werden.“ Sonst könnten die Unbe­handelten den übrigen laufend Läuse weitergeben – „ein Teufels­kreis!“

Wie wahr. Trotzdem lief die Welle weiter. Zu guter Letzt schlug der Klassen­lehrer strenge Töne an: Alle Kinder, auch die Jungs, seien von den Eltern zu über­prüfen, als konzertierte Aktion. Vielleicht zog das. Jedenfalls gab es keine neuen Fälle. Das war kurz vor den Sommer­ferien. Ende eines Läuse-Schul­jahrs.

Tipp: Details zu unserem Vorgehen und den getesteten Mitteln finden Sie in unserer Medikamentendatenbank.

28.08.2018
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