Lachen als Therapie Special

Lachen ist gesund. Sogar Schmerz kann es mindern.

Es ist nicht nur ein leerer Spruch: Humor kann Kranksein erträglicher machen – und sogar heilen helfen. test.de sagt, warum Lachen gut für die Gesundheit ist. Und im Interview erklärt Eckart von Hirsch­hausen, Arzt und Gründer der Stiftung „Humor hilft heilen“, wie sich Humor trainieren lässt.

Gutgelaunt lebt länger

Kennen Sie den? Elefant und Mäuschen gehen spazieren. Als die Maus müde wird, nimmt der Elefant sie auf seinen Rücken. Nach einer Stunde piepst sie von oben herunter: „Na, was ist? Sollen wir mal tauschen?“

Wem dieser Witz zumindest ein Schmunzeln entlockt, der hat heute schon etwas für seine Gesundheit getan. Diverse Studien zeigen: Humor und Lachen sind eine Wohl­tat für Körper und Geist, sie beugen Krankheiten vor und können sogar helfen, sie zu heilen: Frohnaturen erkälten und verletzen sich zum Beispiel seltener als griesgrämige Zeitgenossen. Auch ihr Risiko, im Alter einen Herz­infarkt zu erleiden, ist geringer. Sind sie doch einmal krank, berichten humorvolle Menschen von weniger Symptomen – bei Atemwegs­beschwerden ebenso wie bei Herz-Kreis­lauf-Problemen oder multipler Sklerose. Erhebungen mit Senioren legen gar nahe, dass die gutgelaunten unter ihnen länger leben.

Lachen bewegt 300 Muskeln

Lachen als Therapie Special

Lachen Sie gemein­sam. Albern Sie mit den Kleinen herum, lassen Sie sich von guter Laune anste­cken.

Wer herz­haft lacht, tut seinem Körper nach­weislich etwas Gutes. Vom Mund­winkel bis zur Bauch­decke: Forscher schätzen, dass ein ausgelassenes Gekicher etwa 300 Muskeln akti­viert. Direkt danach lockern sich diese so sehr wie nach einem Entspannungs­training. Auch die schlanke Linie profitiert. Denn beim intensiven Lachen strömt viel mehr Sauer­stoff als sonst in die Lungen, verteilt sich im Körper. Das fördert unter anderem den Fett­stoff­wechsel. Positiv wirkt sich Froh­sinn auch auf den Hormon­haushalt und das Immun­system aus. Strömt nämlich dauer­haft zu viel des Stress­hormons Kortisol durch die Blutbahn, begüns­tigt das körperliche Probleme – von der einfachen Erkältung bis hin zu schweren Herz-Kreis­lauf-Beschwerden.

Mr. Bean als Schmerz­mittel

Wie Heiter­keit körperlichem Stress entgegen­wirkt, zeigt ein Versuch des US-Mediziners Lee Berk und seiner Kollegen: Nachdem Probanden einen lustigen Comic­film gesehen hatten, sank ihr Kortisolspiegel deutlich. In ähnlicher Weise kommt die Immun­abwehr auf Touren, wenn wir lachen: Im Körper von Studien­teilnehmern einer anderen Berk’schen Unter­suchung bildeten sich nach einem humorigen Video vermehrt Blut­zellen, die Entzündungen und Viren abwehren können. Selbst akute Schmerzen scheint Lachen zu mildern: Das legt ein Test des Psycho­logen Willibald Ruch von der Universität Zürich nahe. Probanden sahen eine Folge der britischen Comedy-Serie „Mr. Bean“. Davor, direkt danach und 20 Minuten später mussten sie ihre Hand in Eiswasser tauchen. Ergebnis: Nach dem Film dauerte es deutlich länger, bis sie ein Stechen oder Ziepen empfanden.

Mit Humor fällt Kranksein leichter

Während Lachen unmittel­bar auf den Körper wirkt, beein­flusst eine humorvolle Lebens­einstellung vor allem die Psyche und fördert die Gesundheit eher indirekt. Forscher nehmen an, dass sich Fröhliche gesünder verhalten, also mehr bewegen und bewusster essen. Das schützt sie mitunter vor Erkrankungen und lässt sie etwaige Leiden leichter über­stehen. Dazu kommt: Fröhliche Zeitgenossen sind über­all will­kommen, weil sie gute Stimmung verbreiten. Sie haben vermutlich mehr soziale Kontakte als mürrische Menschen und erhalten somit auch mehr Beistand im Alltag oder bei Krankheiten. Nicht jede Humorform funk­tioniert jedoch als sozialer Schmier­stoff. Witze auf Kosten anderer und Zynismus isolieren und gelten auch als wenig gesund­heits­förderlich.

Heitere Unterhaltung lenkt von eigenen Leiden ab

Wer sein Augen­merk bewusst auf die freudigen Dinge des Lebens lenkt oder die eigene Misere mit einem Augen­zwinkern betrachten kann, gewinnt auch Abstand zu seinen Problemen – und empfindet sie seltener als über­mäßige Belastung. Ängste und Leid treten eher in den Hintergrund. Cartoons, Filmkomödien oder heitere Lektüre schaffen außerdem ganz simpel eines: Sie lenken vom eigenen Leiden ab.

Immer mehr Ärzte setzen auf Humor

Lachen als Therapie Special

Miss­geschicke im Alltag: Üben Sie, zu lachen statt sich zu ärgern.

Wunder voll­bringen kann die Kraft der positiven Gedanken zwar nicht. Mediziner sehen Lachen und Humor inzwischen aber durch­aus als Ergän­zung zu klassischen Behand­lungs­methoden an. Immer mehr Ärzte, Psycho­therapeuten und Kliniken setzen inzwischen auf diesen Ansatz. „Das gemein­same Lachen mit dem Doktor oder dem Kranken­pfleger sendet ein wichtiges Signal. Es zeigt Patienten: Hier darfst du trotz Deiner Krankheit fröhlich, hier darfst du Mensch sein“, sagt Barbara Wild. Die Psychiaterin und Psycho­therapeutin leitet die auf Psychiatrie und Psycho­somatik spezialisierte Fliedner-Klinik in Stutt­gart. Sie setzt Humor bewusst in ihrer Arbeit mit psychisch Kranken ein. Zudem begleitet sie derzeit ein Projekt am Robert-Bosch-Kranken­haus in Stutt­gart. Dort nehmen Patienten mit chro­nischen Herz­erkrankungen an einem Humortraining teil. Das Credo der Medizinerin: „Humor und Lachen lässt sich üben. Man muss sich nur erlauben, die Aufmerk­samkeit den heiteren Dingen des Lebens zuzu­wenden.“

Den Blick für die Komik im Alltag schärfen

Ihre Patienten lernen in einem mehr­wöchigen Training, gezielt lustige Situationen oder Momente zu schaffen und den Blick für die Komik im Alltag zu schärfen. „Das Training heilt die Patienten nicht“, räumt Ärztin Wild ein. „Aber es fördert die selbst­stärkenden Kräfte und einen besseren Umgang mit der Krankheit.“

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