Kwitt und Co Special

Das Ausführen einer herkömm­lichen Über­weisung ist aufwendig. Man benötigt die 22-stel­lige Iban des Empfängers, muss am PC ein Formular ausfüllen – und es dauert mindestens einen Tag, bis das Geld ange­kommen ist. Mit der neuen P2P-Über­weisung per Smartphone soll Geldsenden einfacher und schneller gehen – so werben die Anbieter. Wir sagen, wie der schnelle Geld­versand funk­tioniert, was er kostet und geben Tipps für die Nutzung.

Banken integrieren Funk­tion in ihre Apps

Der digitale Zahlungs­dienst­leister Paypal bietet seinen Kunden schon länger an, per P2P (kurz für: „von Person zu Person“) Geld an Freunde zu schi­cken. Seit Jahres­beginn haben nun auch Banken eine P2P-Funk­tion in ihre Banking-Apps aufgenommen. So werben die Sparkassen intensiv mit ihrem Dienst Kwitt, die Smartphone-Bank N26 spricht von Moneybeam und die Volks­banken nennen ihre Funk­tion einfach Geld senden & anfordern. Der deutsche Paypal-Konkurrent Paydirekt zog schließ­lich Anfang Juli nach und ermöglicht in einer Beta-Phase seinen Nutzern ebenfalls den schnellen Geld­versand. Außerdem versuchen verschiedene Start-Ups wie Cringle, Lendstar oder Elopay mit reinen P2P-Apps zu über­zeugen.

In sechs Schritten zum Geld­versand

Grund­sätzlich erfolgt die Zahlung mittels „P2P“ bei allen Anbietern nach ähnlichen Schritten:

  1. Besorgen Sie sich die Hand­ynummer oder E-Mail-Adresse des Empfängers. Speichern Sie diese im Adress­buch Ihres Handys ab.
  2. Laden Sie sich die App des entsprechenden Anbieters herunter und öffnen Sie sie.
  3. Registrieren Sie sich in der jeweiligen App beziehungs­weise loggen Sie sich (bei Banking-Apps) mit ihren Log-In-Daten ein.
  4. In der App werden Ihnen die Kontakte aus Ihrem Adress­buch ange­zeigt. Wählen Sie den Empfänger aus.
  5. Geben Sie den gewünschten Betrag ein. Je nach Anbieter können Sie noch einen Text oder ein Bild hinzufügen.
  6. Bestätigen Sie abschließend die Zahlung.

Iban weiterhin nötig

Im Detail wird es aber kompliziert. Denn letzt­lich benötigt der Anbieter weiterhin die Iban des Empfängers. Ist dieser beim selben Dienst registriert, ist seine Iban mit seinem angegebenem Kontaktmerkmal (Hand­ynummer/E-Mail-Adresse) verknüpft. Die App ordnet dem Kontakt also die passende Iban zu – der Sender muss also die Konto­daten des Empfängers nirgends eingeben. Anders läuft es, wenn der Empfänger nicht beim selben Dienst registriert ist. VR Banking App, Paypal, Lend­star und Elopay bieten die Nutzung der P2P-Funk­tion in diesem Fall gar nicht an. Bei den anderen Diensten erhält der Empfänger per SMS oder E-Mail einen Link. Hier muss er seine Iban dann manuell eingeben.

Wie klassische Über­weisung oder Last­schrift

Die Iban benötigen die Dienste deshalb, weil sie letzt­lich mit bekannten Methoden wie Über­weisung oder Last­schrift arbeiten. So führen etwa die Banking-Apps eine simple Über­weisung von ihrem Giro­konto an das Giro­konto des Empfängers aus. Genauso arbeitet auch der Zahlungs­dienst­leister Paydirekt. Hier verknüpfen Sie bei der Registrierung Ihr Paydirekt-Account mit Ihrem Giro­konto. Aktuell ist die Funk­tion allerdings nur für einen Teil der teilnehmenden Banken frei­geschaltet. Weitere Institute sollen in Kürze folgen. Eine laufend aktualisierte Über­sicht finden Sie auf der Seite von Paydirekt.

Wichtig: Da der Geld­versand letzt­lich wie eine klassische Über­weisung funk­tioniert, dauert es ein bis zwei Werk­tage, bis das Geld auf dem Konto des Empfängers ist. Ausnahme: Sind Sender und Empfänger bei derselben Bank, erfolgt die Zahlung sofort.

So funk­tioniert es bei Paypal

Über einen anderen Weg fließt das Geld bei Paypal. Hier heißt die Sache „Geld senden an Familie und Freunde“ – und funk­tioniert genauso wie das Bezahlen via Paypal im Onlineshop. Sie wählen, ob der gewünschte Betrag von Ihrer Kreditkarte, Ihrem Giro­konto oder Ihrem Paypal-Guthaben abge­bucht werden soll. Entscheiden Sie sich für das Giro­konto, müssen Sie Paypal zuvor ein Last­schrift­mandat erteilen. Der Empfänger erhält das Geld dann sofort als Guthaben in seinem Paypal-Konto gutgeschrieben.

Nachteil: Um das Geld außer­halb von Paypal verwenden zu können, muss der Empfänger es von seinem Paypal-Guthaben auf sein Giro­konto abbuchen. Dies dauert ebenfalls mindestens ein bis zwei Werk­tage.

Verschiedene Verfahren bei reinen P2P-Apps

Cringle. Mit unterschiedlichen Methoden erfolgt der Geld­versand bei den Start-Ups, die reine P2P-Apps anbieten. Cringle – der Anbieter koope­riert unter anderem mit der DKB – arbeitet zum Beispiel mit einem Last­schrift­verfahren. Der Nutzer erteilt dem Anbieter bei der Registrierung ein Last­schrift­mandat und dieser bucht bei jeder Zahlung den betreffenden Betrag von seinem Giro­konto ab. Gleich­zeitig über­weist Cringle dann das Geld auf das Konto des Empfängers.

Lend­star. Diese Methode ist bis zu einem Betrag von 30 Euro auch bei Konkurrent Lend­star möglich. Ansonsten erfolgt die Zahlung hier aber ähnlich wie bei den Banking-Apps per Direkt­über­weisung. Lend­star verbindet sich dafür mit Ihrer Bank und Sie durch­laufen den selben Prozess mit Log-In und Tan wie bei einer normalen Über­weisung per Online­banking.

Elopay. Auf ein Guthaben­system setzt hingegen Elopay. Hier müssen Sie Ihr Elopay-Konto zunächst mithilfe bekannter Zahlungs­methoden aufladen. Bei Zahlung wird das betreffende Geld dann von Ihrem Guthaben abge­zogen und dem Elopay-Guthaben des Empfängers gutgeschrieben. Will dieser das Geld dann verwenden, muss er es wie bei Paypal zunächst auf sein Giro­konto buchen.

Schutz durch bekannte Tan-Verfahren

Mit verschiedenen Sicher­heits­verfahren versuchen die Anbieter Miss­brauch zu verhindern.

Identifikation. So muss der Nutzer sich bei allen Apps entweder beim Einloggen oder zum Abschließen der Zahlung per Pass­wort, Pin oder Finger­abdruck identifizieren.

Zahlungs­limits. Bei einigen Apps gibt es Zahlungs­limits. Diese sind allerdings sehr unterschiedlich. In den Banking-Apps und auch bei Lend­star sind etwa P2P-Über­weisungen bis zum normalen Über­weisungs­limit Ihres Giro­kontos möglich. Paypal setzt hingegen kein grund­sätzliches Limit. Bei Paydirekt sind bis zu 200 Euro pro P2P-Über­weisung erlaubt, Cringle und Elopay gestatten hingegen nur 100 Euro pro Monat. Bei Elopay ist für eine Erhöhung eine Legitimation nötig.

Tan-Verfahren. Die Banking-Apps und auch Paydirekt nutzen zudem ab bestimmten Beträgen das vom herkömm­lichen Online­banking bekannte Tan-Verfahren. Bei Kwitt und in der VR Banking App kann der Nutzer zum Beispiel bis zu 30 Euro ohne Tan-Abfrage über­weisen – und wird von den Anbietern auch über jede Zahlung informiert. So kann der Nutzer reagieren, wenn eine Zahlung erfolgt, die er selbst nicht veranlasst hat.

Kein Käufer­schutz – vers­endetes Geld ist weg

Der bei Paypal und Paydirekt bekannte Käufer­schutz greift allerdings nicht, da die Funk­tion nicht für die Abwick­lung von Verkäufen gedacht ist. Ist das Geld also einmal vers­endet, lässt es sich nicht mehr zurück­holen.

Augen auf im P2P-Zahlungs­verkehr

Erst bei der eigenen Bank checken. Bietet die Bank, bei der Sie Ihr Giro­konto führen, in ihrer App eine P2P-Funk­tion an, ist dies meist die einfachste Lösung. Klären Sie außerdem vorab, welche Dienste Freunde und Familie nutzen. Hat der Empfänger nämlich nicht dieselbe App, muss die jeweilige App ihn erst per SMS oder E-Mail auffordern, seine Iban mitzuteilen. In manchen Fällen lässt sich der Empfänger dann auch gar nicht erst im Adress­buch auswählen.

Nutzen Sie P2P generell nur für Zahlungen an Menschen, die Sie kennen. Einmal über­wiesen, ist das Geld nämlich weg. Paypal bietet für solche Fälle die Funk­tion „Geld senden für Waren und Dienst­leistungen“ an. Hier gilt der bekannte Paypal Käufer­schutz. Dafür sind allerdings Gebühren fällig. Dass Sie dabei aber auch als Verkäufer nicht vor Betrug geschützt sind, zeigt ein aktueller Fall.

Probieren Sie P2P zunächst im Freundes­kreis aus. Zahlungen, die Sie sonst per Online-Über­weisung durch­führen würden, sind mit P2P deutlich einfacher. Wie weit sich die P2P-Über­weisungen in Ihren Alltag integrieren lassen, müssen Sie selbst austesten. Gerade bei kleinen Beträgen lohnt sich P2P meistens nicht, da der Austausch von Bargeld hier einfacher und schneller geht.

Bedenken Sie mögliche Kosten. Zahlungen mittels P2P sind zwar meist kostenlos, dies gilt aber nicht, wenn Sie ein Konto­modell haben, bei dem für jede normale Online-Über­weisung eine Gebühr fällig wird. Nutzen Sie P2P über Ihre Banking-App oder über andere Anbieter, bei denen der Geld­versand per Direkt­über­weisung erfolgt, fällt auch hier eine Gebühr an. In diesem Fall verwenden Sie besser Anbieter wie Paypal oder Elopay, die nicht mit Direkt­über­weisungen arbeiten.

Achten Sie bei P2P-Zahlungen mit Last­schrift­verfahren darauf, dass Ihr Giro­konto gedeckt ist. Ist dies nicht der Fall, platzt die Last­schrift. Da der Anbieter das Geld dann aber bereits an den Empfänger über­wiesen hat, müssen Sie den entsprechenden Betrag nach­zahlen. Zusätzlich wird Ihnen die Gebühr für die notwendige Rück­last­schrift in Rechnung gestellt.

Dieses Special ist erst­mals am 26. September 2017 auf test.de erschienen. Es wurde am 27. September 2017 aktualisiert.

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