Drei Fragen an test-Projektleiterin Renate Ehrns­perger

Mehr als zwei Drittel der getesteten Plüschtiere schnitten mangelhaft ab. Renate Ehrns­perger hat die Unter­suchung als Projektleiterin betreut. Im Gespräch mit test.de erklärt sie das ernüchternde Test­ergebnis und sagt, worauf Eltern beim Kauf von Kuscheltieren achten sollten.

Schad­stoffe können lang­fristig im Organismus wirken

Sie haben 30 Plüschtiere auf Sicherheit und Schad­stoffe getestet – Ihr Resümee?

Das Test­ergebnis ist enttäuschend: Wir haben 21 von 30 Stoff­tieren mit mangelhaft bewertet, entweder weil wir kritische Mengen an Schad­stoffen fanden oder weil Nähte zu schnell aufgerissen sind und die Füll­watte für die kleinen Kinder zugäng­lich war. Insgesamt können wir nur 8 Kuscheltiere empfehlen.

Welche Gefahren gehen von den „mangelhaft“ getesteten Objekten aus?

Wir müssen hier zwischen zwei Arten von Risiken unterscheiden: unmittel­bare Risiken und lang­fristige Risiken. Ein unmittel­bares Risiko stellen die instabilen Nähte dar. Die Füll­watte kann vom Kind heraus­gezogen und in den Mund gesteckt werden. Ein lang­fristiges Risiko geht von den Schad­stoffen aus. Die von uns gefundenen Schad­stoff­mengen sind nicht akut giftig. Sie können lang­fristig im Organismus wirken. Kinder nehmen die Schad­stoffe über den Mund und die Haut auf, während sie mit dem Stoff­tier spielen. Einige der gefundenen Schad­stoffe sind als krebs­erzeugend oder fort­pflan­zungs­gefähr­dend einge­stuft. Wir haben deshalb eine große Anzahl an Spielzeugen mit Mangelhaft bewertet, obwohl sie die derzeit geltenden recht­lichen Anforderungen einhielten.

Was können bzw. sollten Eltern beim Kauf und Hand­habung beachten?

Beim Einkauf sollte man sich das Plüsch­spielzeug genau anschauen. Ist es schlecht und nach­lässig verarbeitet oder riecht es unangenehm, sollte man die Finger davon lassen. Dazu kann man durch­aus auch an Nähten, Etiketten oder Knopf­augen ziehen. Geht hier schon im Laden etwas kaputt, ist das Spielzeug sicher auch den Anforderungen des Alltags nicht gewachsen. Ist das Plüschtier für ein Baby oder für ein Kleinkind, sollte man eher kurz­floriges Spielzeug kaufen, da lang­florige Produkte oft stärker haaren. Plüsch­spielzeug sollte aus hygie­nischen Gründen auch in der Wasch­maschine wasch­bar sein und es ist empfehlens­wert, es vor der Benut­zung auch tatsäch­lich zu waschen. Allerdings können PAK durch Waschen leider nicht einfach entfernt werden. Das haben wir in diesem Test exemplarisch an einigen belasteten Spielzeugen über­prüft. Auch nach drei Wäschen hatte sich der Gehalt an Chrysen oder Naph­thalin kaum verändert.

Grund­sätzlich empfehlen wir auf Prüfsiegel zu achten – zum Beispiel das GS-Zeichen oder Prüfsiegel von unabhängigen Prüf­instituten wie den TÜVs. Solche Prüfsiegel stellen meist höhere Anforderungen als das CE-Zeichen. Sie könnten eine Orientierung bieten. Das GS-Zeichen war allerdings nicht auf den getesteten Spielzeugen zu finden. Das CE-Zeichen ist für Spielzeug Pflicht, bietet aber keine Orientierung. Der Hersteller versichert damit lediglich, dass er die geltenden recht­lichen Vorgaben fürs Produkt einhält. Eine unabhängige Über­wachung wie zum Beispiel beim GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit findet hier nicht statt.

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