Kurse Businessknigge Test

Ob als Bewerber, Kunde oder Chef – wer im Job gut und stilsicher auftritt, hat es leichter. Nachhilfe in Sachen Benimm versprechen sogenannte Businessknigge-Kurse und Etikette-Seminare. Ihr Ziel: Sie wollen das richtige Verhalten für heikle Jobsituationen vermitteln, zum Beispiel bei Begrüßung, Meeting und Geschäftsessen. Die Stiftung Warentest hat zehn Kurse getestet. Fazit: Lohnenswerte Kurse gibt es schon ab 40 Euro.

Gutes Benehmen lässt sich lernen

Wenn Ihr Kollege in der Sitzung niest, wünschen Sie ihm dann „Gesundheit“, ja oder nein? Auf dem Flur treffen Sie Ihren Abteilungsleiter und gleichzeitig Ihre Kollegin. Wen begrüßen Sie zuerst? Geben Sie Ihrem Vorstand die Hand? Wer die Fragen richtig beantworten kann, hat Glück. Dann entgeht er mit hoher Wahrscheinlichkeit den vielen kleinen Fettnäpfchen, die jeder Job täglich bereithält.

Gute Manieren zählen zu den persönlichen und sozialen Schlüsselkompetenzen, auch Soft Skills genannt. Oft sind Soft Skills, Auftreten und Kleidung ebenso wichtig wie die Fachkenntnisse selbst. Das gilt für den Bewerber im Vorstellungsgespräch wie für den Anzeigenleiter, der mit Kunden essen geht. Dieser muss auch noch wissen, wann er die Serviette auf den Schoß legt und welches Besteck er zuerst benutzt. Obwohl Benehmen und Stilsicherheit stark von der eigenen Erziehung und Persönlichkeit abhängen, kann jeder hier noch dazulernen.

In heiklen Situationen gut verhalten

Kurse für Businessknigge oder Businessetikette versprechen: „Mit Stil und Etikette zum Erfolg“ oder auch „Mehr Erfolg durch sicheres Auftreten“. Ihr Ziel ist es, richtiges Verhalten für heikle Jobsituationen zu vermitteln, gleich ob bei Begrüßung, Meeting oder Geschäftsessen. Doch lässt sich das tatsächlich in ein oder zwei Tagen lernen?

Die Stiftung Warentest hat geprüft, was diese Kurse bieten. Zunächst fiel auf: Nur etwa ein Drittel der 30 ursprünglich ausgewählten Kurse kam in den Test. Der Grund: Einige Seminare waren schon sehr lange vorher ausge­bucht, viele aber fielen aus. Geschulte Tester besuchten die zehn Kurse in der Endauswahl, natürlich nicht ersichtlich als Tester der Stiftung Warentest. Die Kurse kosteten zwischen 40 und 1 490 Euro und dauerten zwischen 7 und 15 Stunden.

Anrede wichtiger als Hummerzange

Erstaunliches Fazit des Tests: Zwei ganz unterschiedliche Kurse sind besonders positiv aufgefallen. Das betrifft das eintägige Seminar der Handwerkskammer zu Leipzig für günstige 49 Euro und die zweitägige Weiterbildung der Haufe Akademie, das längste und zum Preis von 1 490 Euro teuerste Angebot im Test. Beide überzeugten sowohl in den Prüfpunkten Inhalt als auch Didaktik und boten somit eine „sehr hohe“ Qualität der Kursdurchführung (siehe Tabelle).

Welche Inhalte die Kurse behandeln sollten, zeigt die Checkliste der Stiftung Warentest. Fünf Seminare haben alle oder die meisten wichtigen Themen behandelt. Auch deshalb gab es in diesen Fällen für die Qualität des Inhalts ein „hoch“ oder „sehr hoch“. In Zeiten häufigen Jobwechsels sind die korrekten Formen der Begrüßung und Anrede (siehe Tipps) wichtiger als der gekonnte Umgang mit dem Hummerbesteck.

Viele Vorträge, wenig Übungen

Wer sein Verhalten ändern möchte, muss üben können. Ob es die Möglichkeit dazu gab, schlug sich im Prüfpunkt Didaktik nieder. Vorbildlich hat das der Leipziger Kurs „Business-Knigge: Moderne Umgangsformen im Beruf“ umgesetzt. Für das knifflige Thema Vorstellung und Rangordnung etwa hatten die Teilnehmer rund 50 Minuten Zeit. Sie tauschten sich aus, bearbeiteten ein Übungsblatt und spielten Begrüßung und Vorstellung im Rollenspiel durch.

In jedem zweiten Kurs mussten sich die Teilnehmer – oft Mitarbeiter aus Vertrieb, Bank- und Personalbereich – vor allem Vorträge anhören. Praktische Übungen kamen zu kurz, so auch bei der privaten Knigge Akademie – als einziges Seminar überzeugte es weder inhaltlich noch didaktisch. Hier fehlten so wichtige Themen wie Fragen der Rangordnung, Distanzzonen oder nonverbale Kommunikation. Die Knigge Akademie ist auch deshalb Schlusslicht bei der Kursdurchführung.

Brot nicht vor der Bestellung aufessen

Vom korrekten Gebrauch des Schneckenlöffels hängen heute nur noch wenige Karrieren ab. Doch wer mit Geschäftspartnern oder Vorgesetzten essen geht, sollte wissen, dass er den Brotkorb nicht vor der Bestellung leer isst und den Olivenkern mit der Gabel an den Tellerrand schiebt.

Eintägige Kurse müssen das Thema Geschäftsessen nicht zwingend behandeln. Wenn sie es aber tun, sollten die Teilnehmer nicht nur Übungsblätter zur Besteckfolge erhalten, sondern das Essen auch in realistischer Umgebung üben. Jedenfalls nicht so wie im Kurs der Münchner Volkshochschule: Da mussten die Teilnehmer mit dem Alubehälter des Pizza-Services im Klassenraum üben. Der Test zeigt: Am besten lassen sich Sitzhaltung und Umgang mit Fischmesser und Weißweinglas in einem guten Restaurant trainieren, so wie in den teuren Kursen von Convent und Haufe. Mittlerweile hat die Haufe Akademie den zweitägigen Kurs mit Dinner durch einen Ein-Tages-Kurs mit einem Business-Lunch ersetzt (siehe Tabelle).

Kurse bringen Spaß

Es gibt lohnenswerte Kurse auch für Selbstzahler. Das hat der Test gezeigt. Fast allen Testern haben die Kurse Spaß gemacht und sie haben dazugelernt. Zum Beispiel, dass es Freiherr von Knigge um Achtung und Toleranz ging. Und dass die meisten Regeln nicht starr sind. So wünschen die Tester zwar nicht mehr jedem Nieser sofort „Gesundheit“ (siehe Tipps). Wenn es aber zur Situation passt, können sie es auch im Job dennoch tun.

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