Kurse Auto­CAD Test

In vielen Jobs ist der kompetente Umgang mit der Software Auto­CAD ein Muss. Für Einsteiger gibt es gute Kurse für weniger als 600 Euro.

Ohne Auto­CAD läuft an Patrick Payers Arbeits­platz gar nichts. Der 34-jährige ist Bauzeichner bei der Müller-Kalchreuth Planungs­gesell­schaft in Berlin und entwirft am Computer mithilfe der Software zum Beispiel Entwässerungs­kanäle oder Leitungen für Trink­wasser. „Aus groben Entwürfen fertige ich für unsere Ingenieure maßstabs­getreue, zweidimensionale Zeichnungen an“, sagt Payer. „Das ist mein täglich Brot.“ Patrick Payer hat den Umgang mit Auto­CAD während seiner Berufs­ausbildung zum Bauzeichner gelernt. Für all diejenigen, die im Rahmen von Studium oder Ausbildung noch keine Gelegenheit hatten, das Programm kennen­zulernen, gibt es Weiterbildungen zum Thema.

Sieben Kurse für Einsteiger im Test

Die Stiftung Warentest hat sieben Kurse für Einsteiger getestet. Preisspanne: zwischen 143 und 2 090 Euro. Dauer: drei bis fünf Tage. Zu den Anbietern im Test gehörten Handwerks­kammern (HWK), Industrie- und Handels­kammern (IHK), kommerzielle Bildungs­institute und eine Volks­hoch­schule (VHS). Das Ergebnis ist erfreulich: Im wichtigsten Prüf­punkt Kurs­durch­führung – hier wurden die Inhalte, ihre Vermitt­lung und das Lehr­material bewertet – erreichten vier Kurse eine hohe Qualität. Drei davon lagen preislich unter 600 Euro.

In vielen Jobs und Branchen gefragt

Kurse Auto­CAD Test

Rechnergestütztes Konstruieren oder Computer Aided Design, kurz CAD, kommt heute in fast allen Zweigen der Technik zum Einsatz. Der kompetente Umgang mit CAD-Programmen wie dem verbreiteten Auto­CAD der Firma Auto­desk ist damit für viele Berufs­tätige ein Muss – ob Architekt, Zahn­techniker, Fein­optiker, Ingenieur oder Tischler. In ihren Anfängen waren CAD-Anwendungen lediglich Hilfs­mittel zum tech­nischen Zeichnen. Inzwischen ist in den allermeisten Anwendungen die dritte Dimension hinzugekommen. Das macht die Konstruktion komplexer Produkte in 3D am Computer möglich.

Wer einen Auto­CAD-Einsteigerkurs belegen möchte, sollte eines wissen: In der Regel handelt es sich dabei um berufs­über­greifende Schu­lungen. Sprich: Architekten, Tischler und Ingenieure lernen miteinander. Spezielle Comput­erkennt­nisse sind dafür nicht erforderlich. Die Teilnehmer sollten aber eine tech­nische Zeichnung lesen können. Je nach Fach­gebiet kann das der Grund­riss eines Gebäudes oder die Darstellung eines mecha­nischen Bauteils sein.

Nach der Schulung sollten die Kurs­besucher in der Lage sein, selbst­ständig Zeichnungen mithilfe von Auto­CAD zu erstellen, und zwar in 2D Checkliste. Wer das Zeichnen von 3D-Entwürfen mit Auto­CAD lernen möchte, muss einen Aufbaukurs belegen Tipps. Hier gibt es auch berufs­spezi­fische Angebote.

Inhalt­lich gut oder sehr gut

Kurse Auto­CAD Test

Inhalt­lich machten alle Kurse im Test ihre Sache gut oder sogar sehr gut. Die Dozenten behandelten die für Einsteiger zentralen Themen, gaben einen Über­blick über Umfang und Aufbau des Programms und gingen auf gängige Befehle, Funk­tionen und Bedien­möglich­keiten ein.

Nicht immer ganz so gut gelang die Vermitt­lung der Inhalte, also die metho­dische und didaktische Gestaltung des Unterrichts. Vor allem die beiden kommerziellen Bildungs­institute im Test – Computer-Systeme Dipl.-Ing. Thorsten Kebel und Mensch und Maschine – zeigten hier Schwächen. Besonders wichtig, damit die Teilnehmer nach der Schulung selbst­ständig mit Auto­CAD arbeiten können: Die Kurs­besucher müssen das, was der Dozent vor der Gruppe via Beamer demons­triert, an ihrem eigenen Computer­arbeits­platz nach­machen können und viel Gelegenheit zum Üben bekommen. Dabei sollten die Aufgaben­stel­lungen zunehmend komplexer werden und möglichst die verschiedenen beruflichen Hintergründe der Teilnehmer berück­sichtigen. Das war jedoch bei den beiden kommerziellen Bildungs­anbietern im Test nicht hinreichend der Fall.

Die Übungen dort blieben durchweg simpel und hatten wenig Bezug zur beruflichen Praxis der Teilnehmer. Bei Computer-Systeme Dipl.-Ing. Thorsten Kebel kam hinzu, dass insgesamt zu wenig geübt wurde. Bei Mensch und Maschine wurden die Übungen nicht in allen Fällen ausgewertet und die Lösungen nicht immer in der Gruppe besprochen.

Lehr­material über­zeugte nicht über­all

Gut gemachtes Lehr­material kann entscheidend zum Lern­erfolg beitragen. Bestenfalls gibt es ein klar gegliedertes, zusammenhängendes Skript mit Seiten­zahlen.

Vorbild­lich waren die Unterlagen, die es bei der IHK Akademie Schwaben und bei Computer-Systeme Dipl.-Ing. Thorsten Kebel gab. Dort bekamen die Kurs­besucher ein rund 240-seitiges Schulungs­buch des Herdt-Verlags an die Hand. Damit ließ sich der Unter­richt gut nachbereiten.

In zwei Fällen war die Qualität des Lehr­materials jedoch sehr nied­rig: Bei der VHS Marzahn-Hellers­dorf in Berlin erhielten die Teilnehmer lediglich eine unsortierte Blatt­samm­lung. Als Nach­schlage­werk für die Zeit nach dem Kurs waren diese Papiere nicht geeignet. Ähnlich beim Elbcampus Kompetenzzentrum HWK Hamburg: Dort händigte die Lehr­kraft nur einige unkommentierte Zeichnungen zum Üben aus.

Kursorganisation klappte prima

Nichts zu meckern gab es bei der Kursorganisation. Die klappte über­all prima. Steigern könnten sich die Anbieter aber bei der Kunden­information: In einigen Kurs­ankündigungen fehlte zum Beispiel ein Hinweis darauf, dass es sich um berufs­über­greifende Lehr­gänge handelt. Außerdem dürften die Kurs­anbieter bei telefo­nischen Anfragen gern etwas auskunfts­freudiger sein.

Erfreulich waren die Allgemeinen Geschäfts­bedingungen (AGB) der Verträge, die unsere Test­personen mit den Anbietern abschlossen: Deutliche Mängel in den Vertrags­bedingungen entdeckte unser Rechts­gut­achter nur in einem Fall, und zwar beim IHK-Bildungs­zentrum Dresden. Der Anbieter behielt sich unter anderem vor, Kurs­termine zu verschieben, ohne dass er den Teilnehmern dafür triftige Gründe nennen muss. Das ist nicht in Ordnung.

An einer Auto­CAD-Schulung Interes­sierte sollten bei der Kurs­suche stets Alternativen zu ihrem Wunschanbieter und -termin recherchieren. In unserem Test wurden nämlich einige Kurse abge­sagt oder auf später verschoben. Zur Begründung hieß es meist, es gäbe zu wenige Anmeldungen. Unser Eindruck: Das Kurs­angebot erscheint größer als es tatsäch­lich ist. Die Anbieter wollen vermutlich auf dem Markt präsent sein und offerieren deshalb mehr Schu­lungen, als sie durch­führen können.

Nach dem Kurs noch lange kein Profi

Wer einen Einstiegs­kurs absol­viert hat, ist noch lange kein CAD-Profi. Die Teilnehmer beherr­schen danach aber grund­legende Arbeits­weisen und können tech­nische Zeichnungen in 2D mit Auto­CAD erstellen.

Auch für Bauzeichner Patrick Payer hört das Lernen trotz jahre­langer Praxis mit Auto­CAD nicht auf. Wenn er mal nicht weiter weiß, schaut er in das Hand­buch des Herstel­lers Auto­desk oder sucht ein Internetforum zum Thema auf Tipps. „Oder ich frage einfach einen Kollegen“, sagt er – und lacht.

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