Kundenrechte beim Friseur Meldung

Streit um Haar­schnitte und Färbungen landet häufig vor Gericht. Mal ist die Farbe falsch, mal brechen nach dem Färben die Haare ab - und manchmal stirbt sogar die Kopf­haut ab, wenn der Friseur schlampt. Wann es Schaden­ersatz und Schmerzens­geld gibt, erklärt test.de.

Nicht in diesem Ton!

Ombré Style ­lila – diesen Farbton hatte sich eine Kundin ausgesucht. Der Friseur legte los, hatte aber nicht bedacht: Dieser Ton ist bei dunklem Haar nicht möglich. Auch zwei Nachbehand­lungen gingen schief. Das Haar war stark ­angegriffen, die Spitzen mussten gekürzt werden. Die Frau verlangte ihre 200 Euro zurück – und das Amts­gericht Coburg gab ihr recht. Zusätzlich musste ihr der Salon 50 Euro Schmerzens­geld zahlen (Az. 12 C 1023/13).

Tipp: Sie wollen lieber selbst färben? Auf der Themenseite Haarfarbe, Tönung und Strähnchen finden Sie Tests von Haarfärbe­mitteln.

Strähn­chen mit Risiko

Friseure sind verpflichtet, Kunden über die Risiken des Färbens aufzuklären. Im Streitfall müssen sie die Aufklärung beweisen – durch Zeugen­aussage zum Beispiel. Als ein Friseur das nicht konnte, sprach das Land­gericht Mönchengladbach seiner Kundin 300 Euro zu. Sie hatte sich blonde Strähn­chen färben lassen – mit unschönen Folgen: Nach dem Färben waren die Haare über der Kopf­haut abge­brochen (Az. 5 S 59/09).

Strohig nach dem Glätten

Immerhin 500 Euro Schmerzens­geld bekam eine Berlinerin, deren Haare beim Blondieren so gelitten hatten, dass sie abge­schnitten werden mussten. Die Frau wollte ursprüng­lich drei Haar­verlängerungen ersetzt haben. Das aber fand das Land­gericht Berlin unan­gemessen (Az. 23 O 539/01). Eine Frau, deren Haare nach dem Glätten monate­lang extrem strohig waren, bekam 1 000 Euro (Amts­gericht Charlottenburg, Az. 216 C 270/11).

Wenn die Kopf­haut abstirbt

Noch härter traf es eine 15-­Jäh­­­rige. Beim Versuch, ihr die dunklen Haare blond zu färben, starb die Kopf­haut groß­flächig ab. Teuer für den Friseur: Er musste 18 000 Euro zahlen (Ober­landes­gericht Koblenz, Az. 12 U 71/13). Schmerzens­geld soll Schäden ausgleichen, nicht die Verletzung des eigenen Schön­heits­ideals. Das Amts­gericht Castrop-Rauxel ließ deshalb einen Kläger abblitzen, dem ein Friseur die Haarpracht auf 1 Zenti­meter gekürzt hatte – statt auf die georderten 3,5 Zentimenter. Im Frisiersalon werde – anders als beim Tischler – nicht nach Zenti­metern gearbeitet, sondern nach dem ästhetischen Erscheinungs­bild. Die Frisur sei völlig in Ordnung (Az. 4 C 957/01).

Tipp: Grund­legende Fragen zum Schmerzens­geld beant­wortet das Special Schadenregulierung: Kampf ums Schmerzensgeld.

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