Kundenrechte: Was ist, wenn Friseur, Kosmetiker oder Tätowierer patzen?

Im Tattoo­studio: Bilder für die Ewig­keit

Kundenrechte - Was ist, wenn Friseur, Kosmetiker oder Tätowierer patzen?

Sauber gestochen. Ein gutes Tattoo hat klare Linien und kräftige Farben.

Wenn die Nadel brummt, ist nicht immer ein Profi am Werk. Das Berufs­bild des Tätowierers ist nicht geschützt. Wer in Deutsch­land einen Salon eröffnen will, muss voll­jährig sein und einen Gewer­beschein vorweisen. Eine Ausbildung ist nicht vorgeschrieben. Wohl auch deshalb müssen sich die Gerichte recht häufig mit miss­glückten Tattoos beschäftigen und klären, wer für Schäden gerade­zustehen hat: Krankenkassen zahlen die Entfernung der bunten Bilder nicht – und die ist viel teurer als das Tattoo selbst.

Jede Minute zählt

11:14 Uhr. Ein kleiner Junge kommt zur Welt. Der Augen­blick ging dem frisch­gebackenen Vater buch­stäblich unter die Haut. Er ließ sich eine Taschen­uhr stechen, die die Geburts­stunde seines Sohnes zeigen sollte. Die Zeiger des fertigen Tattoos standen aber auf 11:09 Uhr. Der Kunde klagte auf 3 500 Euro Schaden­ersatz. Das Studio hielt dagegen: Der Mann habe den Entwurf vorab gesehen, er sei selbst schuld an dem Fehler. Das Amts­gericht Bonn gab dem Vater recht (Az. 112 C 84/16). Er erhielt 1 500 Euro Schaden­ersatz.

Verpfuschte Blumen

Wenig elegant wirkte das Blütentattoo einer Frau aus Hamm. Der Tätowierer hatte zu tief gestochen: Farben und Linien waren verlaufen. Der Nadelkünstler bot an, die Laser­entfernung des Tattoos durch einen Mediziner zu zahlen. Anschließend wollte er an derselben Haut­stelle erneut loslegen. Die Kundin lehnte ab und verlangte die Kosten für die Entfernung des Tattoos sowie Schmerzens­geld. Vor dem Ober­landes­gericht Hamm siegte sie (Az. 12 U 151/13). Der Tätowierer musste die Laserbe­hand­lung zahlen und 750 Euro Schmerzens­geld.

Zu viel Sonne

Keinen Erfolg vor Gericht hatte ein Mann, der sich einen Schrift­zug auf den Arm tätowieren ließ und klagte, als Wochen später die Farben verlaufen und verblasst waren. Die geforderten 1 000 Euro Schmerzens­geld verwehrte ihm das Amts­gericht Gelsenkirchen (Az. 409 C 144/16). Der Tätowierer konnte mit Facebook-Fotos beweisen, dass sich der Mann gegen seinen Rat mit frischem Tattoo gesonnt hatte. Sonne kann Tattoos schädigen.

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