Kundenkarten Test

Es gibt weit mehr davon als Einwohner in Deutschland. Dabei bringt eine Kundenkarte oft gerade einmal 3 Prozent Ersparnis.

Jana Mollenhauer liegt über dem Durchschnitt. In ihrer Brieftasche stecken fünf Kundenkarten: die von Peek & Cloppenburg, Esprit, s'oliver, Douglas und Body Shop.

Im Schnitt haben die Deutschen nur vier dieser Kärtchen. Die meisten nutzen solche, mit denen sie bei mehreren Partnerunternehmen einen Rabatt oder Bonus erhalten. Neben Payback sind das HappyDigits und seit März die DeutschlandCard.

An diese drei Karten sind zum Beispiel Kaufhäuser, Lebensmittelhändler, Touristikfirmen und Möbelhäuser angeschlossen. Payback hat es als Synonym für Kundenkarten sogar in den Duden geschafft.

Zu den Marktführern gesellen sich Hunderte Karten einzelner Firmen. Damit können die Kunden üblicherweise nur in deren Filialen Punkte sammeln.

Viele geben nur magere Rabatte

Finanztest hat die Vorteile von 23 kostenlosen Rabatt- und Bonuskarten untersucht: Die regelmäßige Ersparnis ist mäßig, sofern sich die Sammelpunkte überhaupt in Geld umrechnen lassen. Sie liegt oft nur zwischen 0,5 und 3 Prozent.

Nur bei der Baumarktkette hagebau gibt es den Rabatt ohne Einschränkung sofort. Der Käufer mit Kundenkarte zahlt 3 Prozent weniger für den aktuellen Einkauf.

Andere Anbieter geben meist Gutscheine aus oder bieten Sachprämien. Eine Barauszahlung ist nur bei HappyDigits, Payback, Adler, Görtz und bei Jacques' Weindepot möglich.

Bei Anbietern, die mehr als 3 Prozent Rabatt gewähren, muss der Kunde erst einen hohen Mindestumsatz erreichen: Beim Schuhhändler Görtz gibt es 5 Prozent ab einem Jahresumsatz von 700 Euro. Das sind schon mal sieben Paare neue Schuhe. 10 Prozent gibt es beim toom-Baumarkt, wenn die Kassenzettel aus zwölf Monaten zusammen mindestens eine Summe von 5 000 Euro zeigen.

Rabatt ist nicht immer messbar

Oft ist die Höhe des Rabatts gar nicht messbar oder die Rabattierung unübersichtlich. In allen Mehrpartner-Programmen gibt es übers Jahr verteilt bei Sonderaktionen höhere Rabatte oder mehr Punkte als sonst.

Bis Ende April brachte eine große Inspektion des Autos beim Payback-Partner Auto Teile Unger (ATU) zum Beispiel auf einen Schlag 2 000 Punkte. Laut Prämienkatalog gibt es dafür etwa 80 verschiedene Sachprämien: vom Duden über diverse DVD bis zum Prominentenkochbuch.

Auch bei Einzelkarten ist der Vorteil nicht immer in Euro auszurechnen. Der Spielzeughändler Toys  „R“ Us gibt pro Euro Umsatz einen Stern. Ab 100 Sternen bekommt der Kunde für vorgegebene Artikel Rabatt-Kupons, die aber nur zwei bis drei Monate gültig sind. Wer zum Beispiel zur richtigen Zeit einen Autokindersitz kauft, bekommt mit Kupon 5 Euro Nachlass.

Beliebt bei den Kunden sind sogar Programme, die gar keinen regelmäßigen Bonus bringen. Immerhin haben 4,8 Millionen Haushalte die Ikea-Family-Card. Deren Inhaber schätzen die wöchentlich neuen exklusiven Angebote und die Transportversicherung für die gekauften Möbel.

Kunden mit besonderem Status

Jana Mollenhauer begeistert auch der besondere Status, den sie durch die Kundenkarten gegenüber Normalkunden hat: „Ich freue mich zweimal im Jahr auf die Hefte, in denen die neuen Produkte von Douglas vorgestellt werden. Außerdem werde ich als Platin-Kundin von Esprit im Frühjahr und Herbst zum Frühstück eingeladen und kann vor der offiziellen Ladenöffnung shoppen gehen.“

Hohe Rabatte gibt es mit Treuekarten

Verbraucher, die schnellen Rabatt ohne Schnickschnack wollen, sind mit einfachen Stempelkarten besser bedient. Ist der zehnte Kaffee frei, sind das 10 Prozent Rabatt. Kostet die fünfte Schuhreparatur 1 Euro, liegt der Vorteil je nach Preis der vorherigen Reparaturen zwischen 16 und 19 Prozent.

Und bei allem bleibt der Kunde anonym – anders als bei den Karten in diesem Test (siehe „Datenschutz bei Kundenkarten“).

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