Kundenkarten Test

Ob Payback oder Ikea Family, ideal ist keines der Kundenbindungs­programme im Test. Am besten gefällt uns die Kundenkarte von Adler.

An Kundenkarten scheiden sich die Geister. Die einen finden sie gut, weil sie dadurch sparen können. „Einen Rabatt von 100 Euro im Jahr erreiche ich kaum mit einem Wechsel des Telefon­tarifs“, schreibt uns Finanztest-Leser Ulrich Kalch­thaler. Er nutzt die Deutsch­land­Card. Die anderen lehnen Rabatt­programme ab, weil „sie Menschen verführen, etwas zu kaufen, was sie sonst vielleicht nicht gekauft hätten“, wie uns ein anderer Leser schrieb.

Wir wollten wissen, was Kundenkarten-, Rabatt- und Bonus­programme bieten. Für 25 solcher Angebote haben wir untersucht, wie hoch der regel­mäßige finanzielle Vorteil außer­halb von Sonder­aktionen ist. Wir haben uns die Rahmenbedingungen für das Sammeln von Rabatten oder Bonus­punkten angesehen und wir haben geprüft, wie die Anbieter mit den persönlichen Daten der Kunden umgehen (siehe Text Datenschutz bei Kundenkarten).

Die ideale Kundenkarte ist kostenlos. Sie bietet einen regel­mäßigen mess­baren Rabatt von mindestens 3 Prozent, der schnell mit dem Einkauf verrechnet wird. Ihre Bonusbedingungen sind verständlich und ihr Anbieter hält sich an die gesetzlichen Daten­schutz­bestimmungen. Doch keines der von uns untersuchten Programme erfüllt alle Bedingungen zusammen.

Regel­mäßige Rabatte sind bescheiden

Die Kundenkarte der Modefirma Adler kommt unserem Ideal zumindest nahe. Beim Einsatz der Karte bekommt der Kunde 3 Prozent Rabatt gutgeschrieben, ein Mindest­umsatz ist nicht nötig. Den Rabatt­gutschein kann der Kunde beim Einkauf einlösen oder sich bar auszahlen lassen. Nur in den Rege­lungen zum Daten­schutz stellten wir geringe Mängel fest (siehe Tabelle Schlechter Umgang mit Kundendaten). Mit 10 Prozent Sofortrabatt auf alle Einkäufe punktet auch der Kundenclub des Kosmetikhänd­lers The Body Shop. Nach dem vierten und achten Einkauf über 20 Euro gibt es zusätzlich ein Geschenk. Der Nachteil der Karte ist ihr Preis, sie kostet 10 Euro im Jahr. Erst ab einem Umsatz von über 100 Euro ist der Kunde im grünen Bereich. Und wieder fanden wir leichte Mängel im Umgang mit den Kunden­daten.

Auch bei drei anderen Anbietern kostet die Karte Geld: Douglas berechnet 6 Euro pro Jahr, die Tchibo PrivatCard schlägt mit einmalig 8 Euro zu Buche und das Bonus­programm der Bahn gibt es nur für Kunden, die eine BahnCard gekauft haben. Die regel­mäßige Ersparnis mit den Kundenkarten in unserem Test liegt selten über 3 Prozent. Höhere Rabatte gibt es meist erst für einen hohen Mindest­umsatz: Der Textilhändler Mexx gewährt 10 Prozent, wenn der Umsatz mindestens 550 Euro im Jahr beträgt. Die Kunden von Sinn­Leffers müssen für 5 Prozent Rabatt Bekleidung für mindestens 2 001 Euro im Jahr einkaufen.

Noch drei Multi­part­nerprogramme

Markt­führer unter den Kundenbindungs­programmen sind mit zusammen rund 75 Millionen ausgegebenen Karten Deutsch­land­Card, Miles&More sowie die Payback Karte. Das ist kein Wunder, denn im Gegen­satz zu den vielen hundert Karten einzelner Firmen stecken hinter diesen drei Karten Multi­part­nerprogramme. Ihnen haben sich zum Beispiel Kauf­häuser, Lebens­mittel­händler, Fluggesell­schaften, Touristikfirmen und Möbelhäuser ange­schlossen.

Bei den Multi­part­nerprogrammen ist die Höhe der Rabatte schwer mess­bar. Denn jedes Part­ner­unternehmen kann selbst bestimmen, wie viel Punkte es für welchen Umsatz gutschreibt. Außerdem gibt es übers Jahr verteilt Sonder­aktionen mit höheren Rabatten oder mehr Punkten als üblich. Wer diese Aktionen regel­mäßig nutzt und bei den Mitglieds­unternehmen immer wieder einkauft, kann eine beacht­liche Zahl Punkte sammeln und sie als Rabatt einlösen oder in Sach­prämien tauschen. Ob die Sach­prämien dann aber immer die Punkte wert sind, die man zur Einlösung braucht, ist schwer zu kalkulieren.

Payback bietet beispiels­weise im Juni für 2 299 Punkte – das entspricht 22,99 Euro – eine Umhängetasche „Fußball­feld“ an. Für so viele Punkte müssen Interes­sierte zwischen 460 Euro und 4 600 Euro Umsatz gemacht haben – je nachdem, ob die Unternehmen, bei denen sie einge­kauft haben, ihnen Punkte mit einem Rabatt­wert von 0,5 Prozent, 1 Prozent oder 5 Prozent gewährt haben. Für die Anbieter scheint sich die Teil­nahme an Rabatt­programmen dagegen zu lohnen – zumindest bei Payback. Die Gesell­schaft für Konsumforschung hat 2007 für das Bonus­programm ermittelt, dass die Karten­besitzer bei den Payback-Part­ner­unternehmen mehr als zuvor einkaufen. Im dritten Jahr der Mitgliedschaft war der Umsatz mit ihnen um 25 Prozent gestiegen.

Status statt sparen

Für manche Kunden steht gar nicht das Sparen im Vordergrund, sondern der besondere Status, den sie gegen­über Kunden ohne Karte bekommen. Vier Anbieter in unserer Unter­suchung geben gar keinen regel­mäßigen Rabatt, sondern veranstalten Aktionen und bieten andere Extras. So schwören 2,4 Millionen – haupt­sächlich Frauen – auf die Mitgliedschaft im Club der Parfümeriekette Douglas . Für 6 Euro Jahres­beitrag bekommen sie dreimal im Jahr 10 Prozent Rabatt auf das gesamte Sortiment. Ein Kundenmagazin informiert sie über neue Produkte und gibt ihnen Tipps für die Pflege. Regel­mäßig verschickt die Parfümerie Test­muster an ihre Stamm­kunden.

Ulla Popken, eine Modekette mit Damen­kleidung für große Größen, bindet die Kundinnen mit einem Geburts­tags­rabatt, Preis­vorteilen für Änderungs­arbeiten und schickt ihnen Kataloge kostenlos zu. Conrad Electronic verlängert die Garantie für Elektrogeräte, reser­viert Waren und bietet einen Schlüssel­fund­service an. Die Ikea Family Card haben sechs Millionen Deutsche auch deshalb, weil die Möbelkette ihnen dann Trans­port­schäden ersetzt und der Kaffee im Restaurant gratis ist.

Kauf­verhalten nicht ändern

Egal, ob Kundenkarte mit Rabatt oder Status­vorteilen: Unsere Test­bilanz zeigt, dass es meist wenig bringt, seine Kauf­gewohn­heiten allein wegen einer Kundenkarte zu ändern. Eine Karte ersetzt auch keinen Preis- und Qualitäts­vergleich. Vor allem bei teuren Anschaffungen sollten Kunden schauen, ob es die Ware nicht bei anderen Händ­lern ohne Rabatt güns­tiger gibt.

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